Luftangriff auf Syrien: Drei Gründe, misstrauisch zu sein

Militärschlag gegen Syrien: Kam das Giftgas wirklich von Assad? Wen unterstützt überhaupt der Westen und kann man den Beweisen der UN-Inspekteure glauben?
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Eine Rakete hebt vom US-Zerstörer USS Preble. Ein Militärschlag gegen Syrien - da kann man misstrauisch werden. Die AZ nennt drei Gründe.
dpa Eine Rakete hebt vom US-Zerstörer USS Preble. Ein Militärschlag gegen Syrien - da kann man misstrauisch werden. Die AZ nennt drei Gründe.

Die „Koalition der Willigen“ steht: Die USA, Großbritannien, Frankreich und die Türkei würden gemeinsam einen Militärschlag gegen Syriens Diktator Baschar al-Assad führen. Auch die arabischen Staaten stehen bereit. Deutschland würde das Vorhaben wohl politisch unterstützen, sich militärisch aber raushalten.

Doch wer ist in dem Konflikt der Böse, wer der Gute? Wen unterstützt der Westen da überhaupt? Dass in Syrien Giftgas eingesetzt wurde, steht angesichts der vielen Toten und eindeutiger Zeugenaussagen westlicher Hilfskräfte wie der Organisation Ärzte ohne Grenzen außer Zweifel.

Dennoch gibt es drei Gründe, misstrauisch zu sein:

Kam das Giftgas wirklich von Assad?

Oder hat die syrische Opposition das eigene Volk vergiftet, um den Westen in den Konflikt zu ziehen? Assad hat in den letzten Monaten des Bürgerkriegs wieder Oberwasser gewonnen. Er glaubt, den Krieg gewinnen zu können. Welches Interesse hätte er also, nun eine westliche Reaktion zu provozieren? Dieses Interesse haben nur die Rebellen, die sich immer wieder über das fehlende Eingreifen des Westens beklagt haben.

Genauso denkbar ist allerdings, dass es doch Assad war. Dass er sich in seinem Wahn und unter russischer Kuratel verkalkuliert hat. Dass er sich für unbesiegbar hielt und den Rebellen und seinem Volk mit dem Giftgas-Einsatz signalisieren wollte: Seht her, Ihr seid in diesem Krieg ganz alleine, ich kann mit Euch machen, was ich will.

Wen unterstützt der Westen?

Der Politik-Wissenschaftler Carlo Masala sagt: „In diesem Konflikt gibt es nicht Gut und Böse, sondern nur ,Böse’ und ,Noch Böser’“. In den vergangenen Monaten haben die säkularen Oppositionsgruppen zugunsten der religiösen Extremisten an Einfluss verloren.

Die Al-Nusra-Brigaden halten engen Kontakt zu El-Kaida, sie warten nur auf ein vollständiges Macht-Vakuum in Syrien. Die Al-Nusra sind nicht nur ausdauernde Kämpfer, sondern versorgen die leidenden Syrer auch mit Lebensmitteln und Hilfsgütern. So sichern sich die Islamisten langfristig den Rückhalt der einfachen Leute. Das ganze Land droht abzudriften und zum potenziellen neuen Terrornest zu werden. So schlimm es klingt: Der Schlächter Assad ist dazu das einzige Gegengewicht.

Kann man den Beweisen trauen?

Die UN-Inspekteure können nur nachweisen, dass ein Giftgas-Anschlag stattgefunden hat. Nicht aber, von wem er kam. Die USA wollen jetzt Beweise vorlegen, dass Assad hinter dem Anschlag steckt. Doch welche Beweise sind das? Angeblich haben die Amerikaner abgehörte Telefongespräche.

Kritiker sagen: Die USA haben die Weltöffentlichkeit schon einmal an der Nase herumgeführt. Die Beweise über die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak waren gefälscht. Zugute halten kann man Obama, dass er – anders als damals Bush – diesen Krieg nicht will. Das erhöht seine Glaubwürdigkeit. Dennoch bleiben viele misstrauisch.

Lesen Sie hier die AZ-Meinung von Annette Zoch: Längst verloren

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