Leihmutterschaft: Jens Spahn hat "lange" mit sich gerungen

Jens Spahn sieht sich Rücktrittsforderungen und Vorwürfen der Doppelmoral ausgesetzt, nachdem er und sein Ehemann per Leihmutter Eltern geworden sind. Er habe lange mit sich gerungen, sagt der CDU-Politiker.
(AZ/wue/spot) |
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Jens Spahn mit seinem Ehemann Daniel Funke während eines Events in Berlin.
Jens Spahn mit seinem Ehemann Daniel Funke während eines Events in Berlin. © imago images/Future Image/Jean MW

Eigentlich wäre es eine Privatsache, wenn ein Ehepaar ein Kind bekommt. Dass ausgerechnet der CDU-Politiker Jens Spahn (46) mit seinem Ehepartner Daniel Funke (44) kürzlich per Leihmutter in den USA Vater geworden ist, während Leihmutterschaften in Deutschland verboten sind, macht die Angelegenheit jedoch zum Politikum. Nach Bekanntwerden der Nachricht kamen unter anderem Rücktrittsforderungen auf.

"Es ist einfach toll, es ist ein tolles Gefühl", sagt Spahn über die Vaterschaft im Podcast von "Bild"-Vize Paul Ronzheimer (40). Der Kinderwunsch sei ein gemeinsamer des Paares gewesen, beide seien "sehr stark Familienmenschen". Das Ehepaar habe häufig über die Gründung einer Familie mit Kindern gesprochen. Auch eine Adoption sei grundsätzlich eine Möglichkeit für die beiden gewesen.

Jens Spahn: "Ich habe lange mit mir gerungen"

"Ich habe lange mit mir gerungen, auch was das Thema Leihmutterschaft angeht", berichtet Spahn weiter. "Ich bin da lange zerrissen gewesen. Aber eben über dieses Ringen und sich mit dem Thema beschäftigen, haben wir uns für diesen Weg entschieden." Der Politiker habe sich über die Jahre etwa damit beschäftigt, wie die Umstände in den USA seien.

In einem aktuellen Kommentar, der auf der Webseite der "tagesschau" veröffentlicht wurde, heißt es etwa: "Vor dem Gesetz sind alle gleich. Und im Fall von Leihmutterschaften ist das Gesetz eindeutig: Sie sind in Deutschland verboten. Dafür gibt es gute Gründe. Jens Spahn und seinen Mann hat das nicht davon abgehalten, ihren Kinderwunsch mithilfe einer Leihmutter in den USA Wirklichkeit werden zu lassen."

Spahn und seine Partei hatten sich in der Vergangenheit wiederholt gegen Leihmutterschaften positioniert. Laut "tagesschau" liegen die Kosten für Deutsche, die in den USA per Leihmutter Eltern werden möchten, bei 100.000 bis 250.000 US-Dollar pro Kind. Dort seien Leihmutterschaften längst ein Geschäft, das immer wieder als ethisch fragwürdig kritisiert werde. Dass in einem solchen Zusammenhang öffentlich Vorwürfe einer Doppelmoral aufkommen, ist erwartbar. Im englischen Sprachraum, auch in den USA, ist die Wendung "Rules for thee but not for me" verbreitet – "Regeln für dich, aber nicht für mich".

Spahn weiß von "Spannungsfeld"

Spahn wisse neben seiner persönlichen Entscheidung, "wie die ganz ganz große Mehrheit meiner Partei, wahrscheinlich auch meiner Fraktion, dazu steht. Das ist ein Spannungsfeld. [...] Es gibt die Fragen von auch kirchlicher Moral, ethischen Prinzipien, der entsprechenden Klarheit. Und gleichzeitig gibt's das Leben, so. Und das weiß ich eben als Christ auch, als Katholischer zumal, dass das eine die reine Lehre ist und das andere das echte Leben. Und dass es manchmal kein Schwarz-und-Weiß hat und keine einfachen Entscheidungen."

Spahn deutet an, Vorwürfe der Doppelmoral und des Verstoßes gegen eine Vorbildfunktion zu verstehen. "Ich kann das nachvollziehen, muss das akzeptieren", erklärt der Politiker. Gegen geltendes Recht sei aber nicht verstoßen worden, sagt er. Wie im Falle von Spahn ist es grundsätzlich nicht verboten, hierzulande ein durch eine Leihmutterschaft im Ausland geborenes Kind großzuziehen. Vermittlungen von Leihmutterschaften oder ärztliche Hilfe sind allerdings untersagt.

Spahn wolle sein "Kind nicht verstecken vor der Welt", sagt er im Podcast. Der Fraktionsvorsitzende möchte sich zu einem späteren Zeitpunkt ausführlicher der Diskussion – und seiner eigenen Partei stellen. Weiter erklärt er: "Ich stelle mich der Debatte, ich muss nur die Balance schaffen. [...] Es ist und bleibt etwas sehr Privates. Ich möchte meine Familie schützen, auch meinen Sohn schützen. Und gleichzeitig weiß ich, dass ich eben nicht nur Privatmensch bin. Das ist mir auch klar."

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