Korruptionsskandal: Ist Sarkozy käuflich?

Schwere Vorwürfe: Der französische Präsident soll illegale Spenden von Milliardärin Liliane Bettencourt, der Erbin des L’Oréal-Konzerns eingestrichen haben.„Sarkozy hat auch immer seinen Umschlag bekommen“, berichtet eine Buchhalterin.
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PARIS - Schwere Vorwürfe: Der französische Präsident soll illegale Spenden von Milliardärin Liliane Bettencourt, der Erbin des L’Oréal-Konzerns eingestrichen haben.„Sarkozy hat auch immer seinen Umschlag bekommen“, berichtet eine Buchhalterin.

Ein Korruptionsskandal erschüttert Frankreich. Jetzt gerät auch der höchste Mann im Staate in den Strudel: Kassierte Nicolas Sarkozy illegale Wahlkampfspenden der französischen Milliardärin Liliane Bettencourt?

Das berichtet das französische Online-Nachrichtenportal Mediapart und beruft sich auf Claire T., Ex-Buchhälterin von Bettencourt. Sarkozy soll von der Erbin des Kosmetik-Konzerns L’Oréal 150000 Euro als Spende für seinen Präsidentschaftswahlkampf erhalten haben. Bar, in diskreten, unbeschrifteten Umschlägen, über den jetzigen Arbeitsminister Eric Woerth als Mittelsmann. Die Ehefrau Woerths war bis vergangenen Monat als Anlageberaterin für die Milliardärin tätig und musste ihren Job wegen massiver öffentlicher Kritik abgeben.

Der Elysée-Palast dementierte die Vorwürfe scharf: „Das ist absolut falsch“, sagte ein Sprecher von Sarkozy. Auch Eric Woerth wies den Bericht zurück.

Claire T. dagegen berichtet, sie habe über viele Jahre hinweg große Summen bei der Hausbank ihrer Arbeitgeberin abgeholt. „Ständig marschierten Politiker durch das Haus, vor allem in Wahlkampfzeiten. Sie alle kamen, um ihre Umschläge entgegenzunehmen.“ Die 87-jährige Bettencourt ist die reichste Frau Frankreichs, ihr gehören 30 Prozent am Konzern L’Oréal, sie hat ein geschätztes Vermögen von 20 Milliarden Dollar.

Sarkozy soll nicht nur als Präsidentschaftskandidat, sondern auch schon als Bürgermeister des Pariser Vororts Neuilly regelmäßig vom Ehepaar Bettencourt bedacht worden sein. „Sarkozy hat auch immer seinen Umschlag bekommen“, berichtet Claire T. „Er war ein Stammkunde. Es geschah in einem der kleinen Salons im Erdgeschoss neben dem Speisezimmer.“ Vorher wurde noch gemeinsam gespeist. Weil André Bettencourt schwerhörig ist, sei sehr laut gesprochen worden.

Als Sarkozy dann als Präsident kandidierte, habe sie selbst am 26. März 2007 im Auftrag Bettencourts 50000 Euro abgehoben, erzählt Claire T. weiter. Weil das Geld nicht gereicht habe, habe Vermögensverwalter Patrice de Maistre noch weitere 100000 Euro aus der Schweiz geholt und angekündigt, er werde sich bald mit Woerth treffen.

In Frankreich läuft die Parteienfinanzierung über die staatliche Wahlkampfkosten-Rückerstattung, Spenden sind nur in begrenztem Rahmen von maximal 7500 Euro pro Jahr erlaubt. zo

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