Kommentar zum TV-Duell Angela Merkel gegen Martin Schulz: Chance vertan

AZ-Chefredakteur Michael Schilling kommentiert das TV-Duell zwischen der Bundeskanzlerin und ihrem Herausforderer.
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Harmonie im Duell - ein Fehler, der nicht den Kandidaten anzulasten ist, meint AZ-Chefredakteur Michael Schilling.
dpa, az Harmonie im Duell - ein Fehler, der nicht den Kandidaten anzulasten ist, meint AZ-Chefredakteur Michael Schilling.

Was den Millionen Zuschauern auf gefühlt fast allen TV-Kanälen als "Duell" versprochen worden ist, entpuppt sich als Mogelpackung. Ein Duell, das ist – bemühen wir mal den Duden – ein "Zweikampf mit geistigen Waffen". Doch haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Schulz an diesem Abend nicht gegeneinander gekämpft, sondern miteinander (hier nachlesen).

Brüderlein und Schwesterlein im Geiste, die nacheinander Artikel 1 des Grundgesetzes zitieren, ehe sie brav nicken zu den Aussagen des anderen. Und sich vereint zur Wehr setzen gegen vier Fragesteller, die offenbar eher ihre eigene Heterogenität herausarbeiten wollen als die Unterschiede zwischen den Kandidaten.

Islam, Flüchtlingskrise und die Frage, wer am Sonntag wohl in der Kirche gewesen ist: Mit diesen Themen einen Großteil des einzigen TV-"Duells" zu verplempern, verkennt die wirklichen Probleme, die die nächste Bundesregierung lösen muss. Bildung, Rente, Altersarmut, Wohnen und giftige Luft in den Städten? Offenbar nachrangige Themen.

Hier ist eine Chance vertan worden. Das ist nicht die Schuld der Kandidaten.

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