Knödel im Weißen Haus

Der US-Präsident George Bush gibt sich alle Mühe, die Visite von Benedikt zum Erfolg werden zu lassen. Ob und Wie spricht der Pontifex die heiklen Themen an?
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Das Wetter passte, die Sonne unterstrich die Kontraste, als US-Präsident George Bush den Papst begrüßte.
dpa Das Wetter passte, die Sonne unterstrich die Kontraste, als US-Präsident George Bush den Papst begrüßte.

Der US-Präsident George Bush gibt sich alle Mühe, die Visite von Benedikt zum Erfolg werden zu lassen. Ob und Wie spricht der Pontifex die heiklen Themen an?

Er hat sich wirklich Mühe gegeben, dem Kirchenoberhaupt eine angemessene Geburtstagsparty auszugeben: 9000 Gäste hat George Bush für den Mittwochabend geladen, auf den Südrasen des Weißen Hauses – mehr als zu jedem anderen Empfang seit seinem Amtsantritt 2001. Beim großen Galadinner zum 81. Geburtstages von Benedikt XVI. werden auch bayerische Spezialitäten, darunter Sauerbraten und „bavarian dumplings“, also Knödel serviert.

Wird Benedikt heikle Themen ansprechen?

Besonders herzlich zeigt sich der US-Präsident. Schon bei der Landung des Papstes hatte er entgegen seiner Gewohnheit den Gast direkt von der Gangway abgeholt. Mit Spannung wird erwartet, ob und wie Benedikt auch die heiklen Themen ansprechen wird. Das Weiße Haus hatte zu den Differenzen erklärt: „Es gibt Themen, bei denen unterschiedliche Auffassungen herrschen. Aber es gibt viel mehr Einverständnis als Uneinigkeiten.“ Benedikt ist nicht nur Gegner des Irak-Kriegs und der Todesstrafe, immer wieder kritisiert er auch die Einwanderungspolitik. Er kündigte bereits an, das Armutsproblem in Lateinamerika ansprechen zu wollen. Die USA müssten die lateinamerikanischen Länder mehr unterstützen - dann wollten auch weniger in die USA immigrieren. „Es ist im Interesse aller, dass niemand auswandern muss“, sagt der Papst auf seinem Flug in die USA. Bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung will der Papst die Vereinten Nationen dazu aufrufen, die „nicht verhandelbaren Prinzipien“ der Menschenrechte stets in den Mittelpunkt politischer Verhandlungen zu rücken.

Papst spricht von „tiefer Scham“

In den USA leben fast 70 Millionen Katholiken – viele von ihnen unterstützen die Todesstrafe, die Mehrheit von ihnen hat keine Probleme mit der Homo-Ehe, und viele konservative Christen sind für den Irak-Krieg. Erschüttert wurde die Katholische Kirche in der USA durch die Skandale um sexuellen Missbrauch. Von „tiefer Scham“ hatte der Papst nach seiner Ankunft in Washington gesprochen. „Es ist ein großes Leid für die Kirche in den Vereinigten Staaten, für die Kirche überhaupt und für mich persönlich, dass dies passieren konnte.“ Es werde alle getan, um Missbrauch von Kindern durch Geistliche auszuschließen. Der Papst bekräftigte, dass Pädophile keine Priester werden dürften und betonte dabei den Unterschied zwischen Homosexuellen und Kinderschändern. „Ich will in diesem Moment nicht über Homosexualität sprechen, aber über Pädophilie, was eine andere Sache ist.“ Opfer zeigten sich dennoch enttäuscht. Wieso habe der Papst vom Leid für die Kirche gesprochen, aber nicht vom Leid der Kinder? Der Papst hatte es vor der Reise auch abgelehnt, Opfer zu treffen.

Besuch für US-Wahlkampf von Bedeutung

Auch wenn George Bush bekräftigt, der Papst komme „nicht als Politiker, sondern als ein Mann des Glaubens“, ist der Besuch auch für den US-Wahlkampf nicht ohne Bedeutung. Der heilige Stuhl bricht mit der Tradition, sich in Wahljahren fernzuhalten. Manche sehen seine Anwesenheit in Washington und New York als Unterstützung für John McCain. Obama hat gerade ein katholisches Beraterkomitee ernannt, Clinton lobte das päpstliche Engagement gegen Armut - am 22. April ist Vorwahl in Pennsylvania, bei der katholische Wähler einer große Rolle spielen.

Der BR überträgt am Fr, 16 Uhr die Rede vor den Vereinten Nationen, am So, 15.10 Uhr, das Gebet am Ground Zero und ab 19.55 Uhr die Abschlussmesse im New York Yankee Stadium.

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