Joschka Fischer sieht die USA auf dem Weg aus der Nato

Droht wegen Donald Trump ein Bruch der Nato? Der ehemalige Grünen-Außenminister Fischer ist jedenfalls nicht sehr optimistisch. Und sagt, was Europa aus seiner Sicht in einem solchen Fall tun müsste.
dpa |
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Europas Staats- und Regierungschefs näherten sich Donald Trump "auf breiter Schleimspur", kommentiert Joschka Fischer. (Archivbild)
Europas Staats- und Regierungschefs näherten sich Donald Trump "auf breiter Schleimspur", kommentiert Joschka Fischer. (Archivbild) © Fabian Sommer/dpa
Berlin

Der ehemalige Außenminister Joschka Fischer (Grüne) bezweifelt, dass die USA unter Präsident Donald Trump in der Nato bleiben. "Die Amerikaner sind faktisch auf dem Weg nach draußen", sagte der 78-Jährige den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er forderte für diesen Fall, dass die verbleibenden Verbündeten ihre Allianz ohne die USA fortführen und einen atomaren Schutzschirm mit den Kernwaffen Frankreichs und Großbritanniens aufbauen. 

Die Nato-Staaten kommen ab Dienstag zu ihrem Gipfeltreffen in Ankara zusammen. Im Vorfeld hat Trump erneut gegen Deutschland und andere Verbündete ausgeteilt und deren Beiträge für die Nato kritisiert, obwohl diese ihre Verteidigungsausgaben zuletzt deutlich gesteigert hatten.

Europäische Regierungschefs "auf breiter Schleimspur"

"Die europäischen Staats- und Regierungschefs und der Nato-Generalsekretär nähern sich Donald Trump auf breiter Schleimspur, um ihn bei der Stange zu halten", sagte Fischer. Er kritisiere das nicht. "Sie müssen das machen, ich sehe keine Alternative. Aber ich glaube nicht, dass die Nato auf die Dauer so überleben wird." 

Er setzt auf eine Europäisierung des Bündnisses. "Der europäische Teil der Nato muss zusammenbleiben, nach Möglichkeit mit Kanada", sagte Fischer. "Wir haben erprobte Verfahren und Mechanismen, die müssen wir erhalten und in eine neue Struktur überführen."

Auf US-Atomschirm "würde ich mich nicht mehr verlassen"

Angesprochen darauf, dass es den Atomschutzschirm der Amerikaner noch gibt, sagte Fischer: "Darauf würde ich mich nicht mehr verlassen." Es sei richtig, Trump möglichst viel Honig ums Maul zu schmieren. "Aber ob das reicht, wenn es hart auf hart kommt - da habe ich meine Zweifel."

Wenn die Amerikaner gingen, würden sie ihren Schutzschirm mitnehmen, sagte der ehemalige Außenminister. "Dann müssen wir versuchen, aus den Beständen in Großbritannien und Frankreich und den nicht-nuklearen Teilen der europäischen Nato einen eigenen Schutzschirm zu bauen." Das werde bedeuten, dass der französische Präsident oder der britische Premier das letzte Entscheidungsrecht haben, so wie jetzt der amerikanische Präsident. "Die Finanzierungsfragen müssen verhandelt werden."

Fischer war von 1998 bis 2005 Außenminister und Vizekanzler in der rot-grünen Bundesregierung von Kanzler Gerhard Schröder.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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