Hypo Alpe Adria: Ösi Pröll lässt Spezl Seehofer hängen

Insider vermuten ein abgekartetes Spiel: Schon kommende Woche könnte die marode Hypo Alpe Adria geschlossen werden – wenn das Institut zwangsverstaatlicht wird, geht Bayern leer aus.
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Seehofer: „Und im Nichtraucherschutz wäre es jetzt die sauberste Lösung, wenn die Bevölkerung über den Inhalt des Gesetzes entscheidet“.
Petra Schramek Seehofer: „Und im Nichtraucherschutz wäre es jetzt die sauberste Lösung, wenn die Bevölkerung über den Inhalt des Gesetzes entscheidet“.

MÜNCHEN - Insider vermuten ein abgekartetes Spiel: Schon kommende Woche könnte die marode Hypo Alpe Adria geschlossen werden – wenn das Institut zwangsverstaatlicht wird, geht Bayern leer aus.

Sind die Österreicher doch schlauer als die Bayern? Erst zog der inzwischen verunglückte Rechtspopulist und Kärntner Landeshauptmann Jörgen Haider die damalige bayerische Regierung über den Tisch und drehte ihr für 1,63 Milliarden Euro seine marode Landesbank Hypo Alpe Adria an. Nun deutet alles darauf hin, dass auch Ministerpräsident Horst Seehofer den Österreichern auf den Leim ging. Schon nächste Woche könnte das schwer angeschlagene Geldinstitut von der österreichischen Bankenaufsicht geschlossen werden. Damit wäre für das Nachbarland der Weg zu einer Zwangsverstaatlichung der Hypo Alpe Adria frei. Bayern würde nur noch einen symbolischen Euro bekommen und sechs Milliarden verlieren.

Insider vermuten ein abgekartetes Spiel. Österreichs Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll (41) lässt die Bayern eiskalt abtropfen. Er urlaubt auf Mauritius. Vor seiner Abreise war er zu keinem Gespräch mehr mit Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (41) bereit. Selbst Horst Seehofer (60) bekam seinen Spezl nicht mehr ans Telefon. Dabei kennen sich die beiden seit langem. Als Landwirtschaftsminister waren sie Amtskollegen und trafen sich auch privat. Im Juli war Pröll, der der ÖVP vorsitzt, Ehrengast beim CSU-Parteitag.

Ganz schnell hatte Pröll den Bayern 2008 aus der Patsche geholfen – mit einer Staatshilfe von 900 Millionen für die Hypo Alpe Adria. Er verlangte aber ein Faustpfand: Das Kapital kann jederzeit in eine Beteiligung Österreichs an der Bank umgewandelt werden. Die Umtauschquote hielt man geheim. Angeblich wären, wenn Österreich die Option zöge, die Anteile Bayerns nur noch einen Bruchteil wert.

Ein gutes Druckmittel. So „empfahlen“ die Österreicher den Bayern im vergangenen Jahr als neuen Vorstandsvorsitzenden der Hypo Alpe Adria Franz Pinkl (53). Der war zuvor Generaldirektor der Österreichischen Volksbanken und dort unter schwere Kritik geraten. Ein Sanierer ist Pinkl nicht. Dafür gehört er einer exklusiven Seilschaft an. Sein Förderer ist Christian Konrad (66), der Generalanwalt des österreichischen Raiffeisenverbandes und mächtigster Banker der Alpenrepublik. Konrads engster Freund ist der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (61). In Österreich gelten die beiden als „Symbiose zweier Machtbesessener“. Prölls politische Vorherrschaft ist eng mit Raiffeisen gekoppelt. Erwin Pröll wiederum ist der Onkel des österreichischen Finanzministers Josef Pröll.

In Wien kursiert das Gerücht, Christian Konrad habe schon länger „Appetit auf die Hypo Alpe Adria“, möglichst zum „Nulltarif“. Über den Umweg einer Verstaatlichung hätte er gute Chancen.

In der bayerischen Staatsregierung hofft man unterdessen noch immer auf einen Kompromiss – damit Bayern nicht die gesamten sechs Milliarden Euro in den Wind schießen muss.

Angela Böhm

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