"Größtes Problem sind fehlende Pflegekräfte"

Die neue Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege spricht im AZ-Interview über die Bemühungen der Politik in der Pflege.
| Lisa Marie Albrecht
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Brigitte Meyer, die neue Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege, im AZ-Interview.
dpa/ho/AZ Brigitte Meyer, die neue Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege, im AZ-Interview.

München - AZ-Interview mit Brigitte Meyer. Die 71-Jährige ist Vizepräsidentin des BRK und steht seit diesem Jahr der Landesarbeitsgemeinschaft Bayern der Freien Wohlfahrtspflege vor.

AZ: Frau Meyer, Sie kritisieren die politischen Maßnahmen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in der Pflege. Was konkret?
BRIGITTE MEYER:
Wir haben zum Beispiel die Fachkraftquote von 50 Prozent. Die ist im Ansatz gut, weil wir mehr Personal einstellen können und die Heime dieses auch refinanziert bekommen. Aber die Hürde ist, dass man das zusätzliche Personal nicht finanziert bekommt, wenn man es vor dem 1. Januar 2019 angestellt hat – also seine Aufgabe forsch erledigt hat. Oder aber die neuen Pflegefachkräfte, die nicht mit in die Fachkraftquote hineingerechnet werden. Das sind Dinge, die man in der praktischen Umsetzung einfacher und effektiver machen könnte.

Wie zufrieden sind Sie mit den Bemühungen der Staatsregierung – etwa mit dem Pflegegeld von 1000 Euro im Jahr?
Das Pflegegeld ist natürlich gut für die Menschen, die einen Bedarf haben. Aber Fakt ist: Unser größtes Problem sind die fehlenden Pflegefachkräfte. Und dafür sind die Maßnahmen nicht unbedingt geeignet. Da ist sehr viel Geld eingebracht worden, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass wir das Personal nicht haben.

"Politik hat einen anderen Ansatz"

Sie sagen, dass auch das Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz und die Pflege zusammenhängen. Wie?
Weil wir zum Beispiel im Roten Kreuz eine ganze Reihe von jungen Asylbewerbern haben, die schon eine Ausbildung in der Altenpflege begonnen haben und an den bürokratischen Hürden scheitern. Im Hintergrund gibt es die große Angst, dass dieses Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz Tür und Tor öffnen könnte und viele sagen, wir wollen unbedingt kommen. Das wird mit Sicherheit nicht der Fall sein. Die aktuelle Situation führt aber dazu, dass man die Menschen, die da sind, nicht weiter beschäftigen kann.

Bemüht sich die Politik zu wenig um Fachkraft-Zuwanderung aus Angst, sich unbeliebt zu machen?
Die Politik hat natürlich einen anderen Ansatz als wir und einen anderen Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen. Aber wir müssen die Menschen versorgen und brauchen dazu die entsprechenden Fachkräfte. Ich denke, es ist wichtig, dass man da als Entscheidungsträger manchmal drübersteht und Dinge unbürokratischer handhabt. Deswegen sind sie ja nicht schlechter.

Lesen Sie dazu: Wo Pflege-Pläne an der Realität vorbeirauschen

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