Grenzkontrollen am Alpenpass: Brenner bald dicht ?

Es könnte nun ernst werden: Österreich plant Grenzkontrollen am Alpenpass. Das würde ein Verkehrschaos in der Ferienzeit bedeuten.
| Otto Zellmer
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Bereits im April 2016 kommt es zu Ausschreitungen am Brenner wegen möglicher Kontrollen, die Polizei rückt damals aus.
Jan Hetfleisch/epa/dpa Bereits im April 2016 kommt es zu Ausschreitungen am Brenner wegen möglicher Kontrollen, die Polizei rückt damals aus.

Österreich - Auf Reisende könnte eine Geduldsprobe zukommen: Österreich plant, "zeitnah" Grenzkontrollen am Brenner einzuführen. Das kündigte Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) an. "Angesichts der Migrationsentwicklung in Italien müssen wir uns vorbereiten", sagte Doskozil der Kronen Zeitung.

Vor dem morgigen Treffen der EU-Innenminister erhöht Österreich somit den Druck in der Flüchtlingsfrage.

Ein Einsatz des Militärs an dem Alpenpass sei unabdingbar, wenn der Zustrom nicht geringer werde, sagte Doskozil. Nach dessen Ankündigung bestellte das italienische Außenministerium gestern den österreichischen Botschafter ein.

Die Worte aus Wien kommen kurz vor dem Treffen im estnischen Tallinn. Dort wollen Europas Innen- und Justizminister unter anderem darüber sprechen, wie die Staaten Italien in der Flüchtlingskrise entlasten können

Flüchtlinge - Italien erhält EU-Hilfe

Die Regierung in Italien hatte kürzlich gedroht, ausländischen Schiffen mit aus dem Mittelmeer geretteten Migranten nicht mehr zu gestatten, italienische Häfen anzulaufen, wenn die EU dem Land nicht in der Flüchtlingsfrage helfe.

Gestern nun gab die EU-Kommission einen Notfallplan für das Land in der Flüchtlingskrise bekannt. 35 Millionen Euro Soforthilfe werden umgehend nach Rom überwiesen. 46 Millionen Euro sollen in ein Projekt zwischen Italien und Libyen fließen sowie 500 Beamte der Behörde Frontex ans Mittelmeer entsandt werden.

Für den Einsatz am Brenner sind 750 Soldaten verfügbar. Die Truppe soll binnen drei Tagen voll einsatzfähig sein. Vier Panzer sind geplant, um Straßen im Grenzgebiet abzusperren.

Beim Bürgermeister der Gemeinde Brenner, Franz Kompatscher, herrscht Unmut über mögliche Grenzkontrollen. "Hier sind wenige Flüchtlinge", sagt Kompatscher. Die Migranten wüssten von strengen Kontrollen auf beiden Seiten der Grenze und würden die Route erst gar nicht nehmen. Der Schritt sei mit der Wahl in Österreich erklärbar. "Da lässt jemand klar die Muskeln spielen", glaubt Kompatscher.

Mehr als fünf Millionen Autos pro Jahr am Brenner

Der Brenner ist die Hauptstrecke nach Italien und zurück. Mehr als fünf Millionen Autos queren den Alpenpass pro Jahr. "Sollten die Kontrollen eingeführt werden, wäre mit erheblich längeren Wartezeiten bei der Rückreise zu rechnen", sagt ADAC-Verkehrsexperte Bernd Emmrich der AZ. Emmrich warnt vor Problemen, "sollte man sorglos ohne Ausweispapiere losgefahren sein".

Die Alternativen zum Brenner sind überschaubar. Lediglich der Reschenpass (Meran-Landeck) und Felbertauern (Pustertal-Lienz-Kitzbühel) kämen als Landstraßen in Betracht, sagt Experte Emmrich. "Von Abenteuern wie über das Timmelsjoch raten wir ab."

Der ADAC empfiehlt Urlaubern, der möglichen Warterei am Brenner zeitlich auszuweichen. "Wer außerhalb der stauträchtigen Wochenendtage und früh morgens die Heimreise antreten kann, sollte dies tun", meint Emmrich.

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