Geschworene beraten in Wien im Prozess um Russland-Spionage
In einem österreichischen Spionageprozess gegen einen mutmaßlichen Komplizen des ehemaligen Wirecard-Managers Jan Marsalek haben die Geschworenen mit ihren Beratungen begonnen. Mit dem Urteil werde am Wiener Landesgericht am Nachmittag oder auch erst am Abend gerechnet, hieß es aus Justizkreisen.
Auf der Anklagebank des Wiener Landesgerichts sitzt der ehemalige österreichische Verfassungsschützer Egisto Ott, der für den russischen Geheimdienst Informationen gesammelt haben soll. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft waren seine Zielpersonen unter anderem Russen, die aus ihrer Heimat geflohen waren - darunter ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter, der bei Russlands Präsident Wladimir Putin in Ungnade gefallen war. Außerdem soll er Moskau über Mittelsmänner Handys von führenden österreichischen Beamten des Innenministeriums zugeführt haben.
Angeklagter: Habe für Westen, nicht für Moskau gearbeitet
Neben geheimdienstlicher Tätigkeit wird Ott auch Missbrauch der Amtsgewalt und Bestechlichkeit vorgeworfen. Er soll laut der Anklage Zehntausende Euro für seine Spionage erhalten haben. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft. Ott bestreitet die Vorwürfe. Er habe nicht für Moskau gearbeitet, sondern in Zusammenarbeit mit einem westlichen Dienst eine geheime Operation durchgeführt, schilderte er vor Gericht. Die Beweislage gegen Ott sei erdrückend, sagte hingegen der Staatsanwalt in seinem Schlussplädoyer am Montag laut einem Bericht der Nachrichtenagentur APA. Kein Zeuge habe die Behauptungen des Angeklagten bestätigt.
Otts Verbindung nach Moskau lief nach Darstellung der Anklage über den international gesuchten Marsalek, sowie über Bulgaren, die vergangenes Jahr in London als Teil eines russischen Spionagerings verurteilt wurden. Ein höherrangiger Ex-Verfassungsschützer, der aus Sicht der Staatsanwaltschaft auch in den Fall verwickelt war, hat sich ebenfalls ins Ausland abgesetzt.
Weitere Ermittlungen zu Zehntausenden Personaldaten
Unterdessen ermittelt die Justiz weiter gegen Ott, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Dabei geht es um den Verdacht, dass der mutmaßliche Russland-Spion an persönliche Daten von Zehntausenden Mitarbeitern des Innenministeriums gelangt ist.
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