Geld spielt für viele Auswanderer nicht die Hauptrolle
Berlin - Ein höheres Einkommen im Ausland erhoffen sich lediglich 46,9 Prozent. Rund vier von zehn Befragten (41,4 Prozent) nennen Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland als Antrieb.
Das ergibt sich aus der Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und der Universität Duisburg-Essen. Hauptziele deutscher Auswanderer waren zwischen 2004 und 2013 die Schweiz (209 000), die USA (136 000) und Österreich (109 000).
Für die am Dienstag in Berlin vorgestellte Erhebung "International Mobil" wurden knapp 800 Aus- und rund 900 Rückwanderer befragt. Nur ein Drittel der Auswanderer wollte auf Dauer im Ausland bleiben - 41 Prozent gingen von vornherein von einer Rückkehr aus. 43,5 Prozent der Auswanderer gaben ernüchtert zu, dass sich die Entscheidung negativ auf ihren Freundes- und Bekanntenkreis ausgewirkt habe. Für Rückkehrer spielen familiäre Gründe eine große Rolle.
Auswanderung aus Deutschland sei also ein zweischneidiges Schwert, so BiB-Direktor Norbert Schneider. Die Auswanderer "erzielen oft ein höheres Einkommen und haben einen höheren Berufsstatus, aber sie erfahren vielfach auch eine Art sozialer Desintegration durch den Verlust von Freunden und Bekannten". Unzufriedenheit mit dem Leben im Ausland gaben 40,4 Prozent der Befragten zu Protokoll - dieser Wert ist fast genauso hoch wie derjenige für Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland.
Seit Jahren wandern den Angaben zufolge mehr Deutsche aus als zurückkehren. Zwischen 2009 und 2013 wurden rund 710 000 Fort- und 580 000 Zuzüge registriert. Akademiker und Führungskräfte seien jeweils stark überrepräsentiert, heißt es in der von der Stiftung Mercator geförderten Studie. So liege bei den Auswanderern der Anteil der Hochqualifizierten bei 70 Prozent. Die Erhebung liefere aber "keine Anhaltspunkte dafür, dass Hochqualifizierte in großem Umfang dauerhaft ins Ausland "abfließen"".
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