Gazakrieg: Bomben auch auf Deutsche

Wieder Luftangriffe, wieder tote palästinensische Kinder – der Krieg im Nahen Osten geht ungebremst weiter. Die Familie eines ARD-Mitarbeiters überlebt im Keller.
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Zunächst einmal in Sicherheit: Dieses palästinensische Mädchen hat in einem UN-Hilfszentrum im Gazastreifen Zuflucht gefunden.Foto: Reuters
az Zunächst einmal in Sicherheit: Dieses palästinensische Mädchen hat in einem UN-Hilfszentrum im Gazastreifen Zuflucht gefunden.Foto: Reuters

GAZA - Wieder Luftangriffe, wieder tote palästinensische Kinder – der Krieg im Nahen Osten geht ungebremst weiter. Die Familie eines ARD-Mitarbeiters überlebt im Keller.

Wieder Luftangriffe im Gazastreifen, wieder tote palästinensische Kinder – der Krieg im Nahen Osten geht auch zum Jahreswechsel ungebremst weiter. Im Norden des Gebiets starben bei einem Angriff der Luftwaffe zwei vier und elf Jahre alte Mädchen. Nach palästinensischen Angaben saßen sie auf einem Eselkarren, den israelische Soldaten aus der Luft unter Feuer nahmen. Ein Armeesprecher kündigte eine Prüfung an.

Israel beschoss auch Regierungsgebäude der Hamas und warf Dutzende Bomben ab. Zehn Menschen starben. Im Gegenzug wurden bei Raketenangriffen der Palästinenser vier Israelis getötet, darunter eine Mutter von vier Kindern; acht Menschen wurden verletzt.

Auch ein von Deutschen bewohntes Haus in Gaza wurde bei den Attacken zerstört: Der ARD-Mitarbeiter Fawaz Abu Sitta und seine Frau Anke, Leiterin der deutschen Vertretung in Gaza, überlebten die Bombenangriffe im Keller ihres Hauses. Die Familie steht unter Schock und ist bei Verwandten untergekommen, wie der Leiter des ARD-Hörfunkstudios in Tel Aviv, Clemens Verenkotte, der Nachrichtenagentur AP in einem Telefoninterview sagte.

Er habe am Vormittag mit den beiden telefoniert. Auch das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, dass die Familie unverletzt überlebt habe. Die deutsche Außenstelle in Gaza selbst in der El Nasre Straße 10, die an die deutsche Vertretung in Ramallah angebunden ist, sei nicht angegriffen worden. Mit der Diplomatin Abu Sitta bestehe telefonischer Kontakt, sagte eine Sprecherin.

"Im Schlafzimmer fehlt jetzt eine Wand"

Das Wohnhaus liegt laut Verenkotte nur rund 30 Meter von den Regierungsgebäuden entfernt, die von der israelischen Luftwaffe angegriffen wurden. Ursache der Zerstörung waren demnach die Druckwelle der Bomben und umherfliegende Betonteile. In einer dramatischen Rettungsaktion brachte Abu Sitta während des Bombardements mitten in der Nacht noch seine 81-jährige Mutter in den Keller in Sicherheit, wie der ARD-Studioleiter weiter berichtete. Diese habe sich zuvor geweigert, ihre Wohnung im Erdgeschoss zu verlassen. „Im Schlafzimmer der Großmutter fehlt jetzt die Wand“, sagte Verenkotte.

Ein rasches Ende der Kämpfe ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Israels Regierung zeigt sich nach wie vor entschlossen, „dem Süden Israels die Ruhe zurückzubringen und Hamas einen schweren Schlag zu versetzen“, wie es Verteidigungsminister Ehud Barak formulierte. Man stehe vor einer „Vertiefung und Ausweitung“ der Offensive. An der Grenze wurden tausende von Soldaten zu Bodentruppen zusammen gezogen. Mit deren raschem Einsatz wird gerechnet. Zu Auseinandersetzungen kam es auch vor der Küste. Ein israelisches Patrouillenboot rammte das Schiff „Dignity“, mit dem Friedensaktivisten Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen wollten.

Zugleich ließ Israel aber am Dienstag 100 Lastwagen mit Hilfsgütern in den Gazastreifen. Das Rote Kreuz wollte noch am Abend mehr als zehn Tonnen medizinische Hilfsgüter von Genf aus in die Krisenregion fliegen.

Spekulationen um Feuerpause

Zugleich gab es aber Spekulationen um eine Feuerpause. Die Luftangriffe könnten eingestellt werden, um die Hamas zu einem Stopp des Raketenbeschusses auf Israel zu bewegen, sagte ein ranghoher Beamter. Sollten weiter Raketen abgefeuert werden, drohe jedoch eine Bodenoffensive. Diesen Plan wolle Barak am Mittwoch dem Sicherheitskabinett vorschlagen.

Gleichzeitig versucht die internationale Gemeinschaft zu retten, was zu retten ist. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte einen sofortigen Waffenstillstand. Auch die EU-Kommission verlangte ein Ende der Kämpfe. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy trommelte noch am Dienstag abend die 27 EU-Außenminister zu einer Sondersitzung in Paris zusammen. Frank-Walter Steinmeier ließ sich dabei von Staatsminister Günter Gloser vertreten. Steinmeier versuchte es auch mit Telefondiplomatie und rief sowohl Israels Außenministerin Tzipi Livni als auch Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas an, um Friedenschancen auszuloten.

Ägyptens Präsident Husni Mubarak weigert sich unterdessen, die ägyptische Grenze zum Gazastreifen zu öffnen – aus Furcht, damit die Verantwortung für das Problemgebiet zu bekommen. Mubarak: „Ägypten wird nicht in die israelische Falle tappen.“

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