Feinstaub-Debatte: Münchner Arzt begründet Stellungnahme

Der Vorstoß der Lungenärzte heizt die Diesel-Debatte kräftig an. Ein Münchner Arzt erklärt, warum er die kritische Stellungnahme unterzeichnet hat.
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Matthias Griese, Leiter der Kinderpneumologie an der Haunerschen Kinderklinik in München.
LMU Matthias Griese, Leiter der Kinderpneumologie an der Haunerschen Kinderklinik in München.

München - Matthias Griese, Leiter der Kinderpneumologie an der Haunerschen Kinderklinik in München, ist einer der Unterzeichner der kritischen Stellungnahme des früheren Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, Dieter Köhler. Die Wissenschaft sei instrumentalisiert worden, begründet Griese seine Entscheidung.

"Hier sind wissenschaftliche Aussagen mit Wünschen der Politik oder bestimmter Interessengruppen vermischt worden – und dadurch Folgerungen und Konstrukte nicht so valide, dass man daraufhin große Entscheidungen treffen sollte." Auch nicht, wenn es sich dabei um vielleicht löbliche Interessen handle: "Wir alle wollen die Umwelt schützen und möglichst wenig Autos in der Stadt haben."

Matthias Griese, Leiter der Kinderpneumologie an der Haunerschen Kinderklinik in München.
Matthias Griese, Leiter der Kinderpneumologie an der Haunerschen Kinderklinik in München. © LMU

Vereinfacht gesagt: Die Mediziner stellen sich nicht gegen bestehende oder niedrigere Grenzwerte – sondern stellen die Begründung derer infrage: Viele der Studien, die Gefahren durch Luftverschmutzung zeigen sollten, hätten erhebliche Schwächen, so die Kritik der Ärzte. Wissenschaftlichen Methoden seien verlassen und durch Ideologien ersetzt worden.

"Die gesamte Diskussion muss endlich auf eine klarere wissenschaftliche Basis gestellt werden", so Griese. "Denn niemand kann derzeit sagen, ab welchem Wert die Schadstoffbelastung tatsächlich schädlich ist." Man befinde sich in einem Bereich, der möglicherweise nur kleine Auswirkungen habe, so Griese.

Griese: Grenzwertentscheidung muss politisch sein

Gleichzeitig sagt er: "Natürlich ist das alles nicht harmlos. Die Entscheidung, ,je weniger Schadstoffe in der Luft, desto besser’, ist richtig." Ein jeder wolle, dass der Anteil schädlicher Stoffe in der Umwelt niedriger werde. "Die Dosis macht das Gift."

Die Entscheidung für Grenzwerte müsse jedoch eine rein politische sein, fordert Griese: "Es muss sich halt jemand hinstellen und einen Wert festlegen – weil die Politik beziehungsweise die Bürger das so wollen." Nicht jedoch aufgrund fragwürdiger Schlussfolgerungen aus Studien.

Der Weg dahin, die Argumentationsbasis, die darf nicht falsch sein", so Griese. "Es ist doch das Gleiche wie bei Tempolimits auf der Autobahn: Die werden ja auch einfach festgelegt.

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