"Faschisten im Weißen Haus" - Große US-Proteste gegen Trump

Unter dem Motto "No Kings" - keine Könige - gingen viele Menschen gegen die Politik von US-Präsident Trump in den USA auf die Straße. Die Gründe dafür sind vielfältig.
von  Anna Ringle und Johanna Hänsel, dpa
Die Proteste richten sich gegen Trump und seine Politik.
Die Proteste richten sich gegen Trump und seine Politik. © Anna Ringle/dpa

Kein Krieg gegen den Iran, keine Razzien in US-Städten und ein Nein zu steigenden Preisen: In den USA sind in zahlreichen Städten Bürger gegen die Regierung von US-Präsident Donald Trump auf die Straße gegangen. Unter dem Motto "No Kings" ("Keine Könige") waren nach Angaben der Veranstalter am Samstag Proteste in allen 50 Bundesstaaten geplant. US-Medien sprachen am Abend (Ortszeit) von schätzungsweise mehreren Millionen Teilnehmern. Auch international formierte sich Widerstand, auch in mehreren deutschen Städten. 

Weißes Haus: linke Netzwerke

Das Weiße Haus kritisierte die Proteste. Eine Sprecherin hatte die Veranstaltungen laut Medienberichten vorab als Treffen einer kleinen, von linken Netzwerken unterstützten Gruppe ohne breite Unterstützung in der Bevölkerung bezeichnet.

Vorwurf Faschismus

Neben großen Protesten in New York zogen auch in der US-Hauptstadt Washington am Samstagmorgen nach Beobachtung einer dpa-Reporterin allein in der ersten Stunde geschätzt Zehntausende Demonstrierende, darunter viele ältere Menschen, über die Memorial Bridge in Richtung Innenstadt.

Die Organisatoren, ein Bündnis zivilgesellschaftlicher Gruppen, hatten Medienberichten zufolge landesweit etwa 3000 Kundgebungen mit insgesamt rund neun Millionen Teilnehmern erwartet. Sie sprachen von einer der größten Protestmobilisierungen in der Geschichte des Landes - unabhängig überprüft sind die Zahlen bislang nicht. Bereits im vergangenen Jahr hatten ähnliche Aktionen Millionen Menschen auf die Straße gebracht.

In Sprechchören warnten Demonstranten in Washington vor "Faschisten im Weißen Haus". Einer Pappfigur, die Trumps Vizestabschef und rechten Hardliner Stephen Miller darstellen sollte, hing das Namensschild "Adolf" für Adolf Hitler um.

Die Proteste richten sich neben der Migrationspolitik der US-Regierung auch gegen außenpolitische Entscheidungen sowie steigende Lebenshaltungskosten. Kritiker werfen Trump vor, demokratische Prinzipien wie Meinungsfreiheit, Bürgerrechte und das Wahlrecht zu untergraben. "Trump will wie ein Tyrann über uns herrschen. Aber dies ist Amerika, und die Macht liegt beim Volk – nicht bei Möchtegern-Königen oder ihren milliardenschweren Kumpanen", erklärten die Organisationen im Vorfeld.

Ein anderes Amerika zeigen

Viele kamen, um auch international ein Zeichen zu setzen. Eine Demonstrantin, die gegen Trumps Pläne einer vorübergehenden Schließung des berühmten Washingtoner Kulturhauses Kennedy Center auf die Straße ging, sagte der dpa, die Leute in Deutschland sollten sehen, dass es in Amerika Protest gegen die Trump-Regierung gebe.

Zentrale Veranstaltung in Minnesota

Als zentrale Veranstaltung der landesweiten Proteste galt eine Großkundgebung in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota im Norden der USA, wo sich eine riesige Menge an Demonstranten versammelte. Hintergrund sind unter anderem umstrittene Einsätze von Bundesbehörden im Zuge verschärfter Maßnahmen gegen Migranten, die in der Region zuvor zu wochenlangen Protesten geführt hatten. Bei den Einsätzen kamen auch zwei US-Bürger durch Schüsse von Bundesbeamten ums Leben.

Zu den angekündigten Teilnehmern in St. Paul zählten prominente Unterstützer aus Kultur und Politik. US-Rocklegende Bruce Springsteen war darunter, der zu den Demonstranten sprach. Er hatte nach dem Tod der zwei US-Bürger eine Protesthymne ("Streets of Minneapolis") kreiert, die sich gegen die umstrittenen Abschiebe-Razzien von teils vermummten Bundesbeamten richtet. Springsteen bezeichnet sie im Song als "Privatarmee von König Trump".

Auch in zahlreichen weiteren Städten – von großen Metropolen bis hin zu kleineren Orten – gab es Demonstrationen. Protestiert wurde etwa in den US-Bundesstaaten Michigan und North Carolina. Ebenso gingen Leute in San Francisco an der Westküste auf die Straße.

Nach Angaben der Organisatoren in US-Medienberichten stammt ein Teil der Anmeldungen auch aus konservativ geprägten ländlichen Regionen und Vororten, nicht nur aus klassischen Hochburgen der Demokraten.

Auch Protest in Deutschland

Auch außerhalb der USA gab es Solidaritätskundgebungen. In Deutschland fanden unter anderem Demonstrationen in Hamburg, München, Frankfurt am Main und Düsseldorf statt. Auf Plakaten warfen einige hundert Demonstranten in Berlin Trump Angriffe auf die Demokratie vor, kritisierten die Einwanderungsbehörde ICE oder forderten die vollständige Freigabe der sogenannten Epstein-Akten, die sich um den Skandal um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein drehen. In München versammelten sich nach Polizeiangaben bis zu 600 Menschen auf dem Odeonsplatz. In Frankfurt kamen nach dpa-Informationen rund 120 Teilnehmer zusammen.

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