Epstein-Skandal: Chef des Weltwirtschaftsforums tritt zurück

Der frühere norwegische Außenminister, Børge Brende, legt sein Amt als Präsident des WEF nieder. Was ist über seine Verbindungen zum Sexualstraftäter Epstein bekannt?
von  dpa
Noch im Januar leitete Børge Brende das Weltwirtschaftsforum in Davos. (Archivbild)
Noch im Januar leitete Børge Brende das Weltwirtschaftsforum in Davos. (Archivbild) © Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa

Nach Bekanntwerden seiner Kontakte zu Sexualstraftäter Jeffrey Epstein tritt Børge Brende als Chef des Weltwirtschaftsforums (WEF) zurück. Das habe er nach reiflicher Überlegung entschieden, sagte der ehemalige norwegische Außenminister einer WEF-Mitteilung zufolge.

Der Fall Epstein könne leicht die Aufmerksamkeit von der wichtigen Arbeit des Forums ablenken, sagte Brende der Zeitung "Dagens Næringsliv". Er sei nach acht Jahren im Amt "zu dem Schluss gekommen, dass sowohl das WEF als auch ich am meisten davon profitieren, wenn ich nun den Stab an jemand anderen weiterreiche". Eine "externe Überprüfung" habe jedoch nichts aufgedeckt, was "nicht bereits bekannt und in den Medien gründlich behandelt worden" sei. 

Brende hatte zunächst bestritten, Kontakt zu Epstein gehabt zu haben. Dann tauchte sein in den Ende 2025 vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten auf. Dabei wurde bekannt, dass er mit dem 2019 in Haft gestorbenen US-Finanzier seit 2018 in Kontakt stand. 

Das WEF kündigte daraufhin eine unabhängige Überprüfung an, die der aktuellen Mitteilung zufolge abgeschlossen ist. Die Ergebnisse zeigen demnach, "dass es keine weiteren Bedenken gibt, die über die bereits offengelegten hinausgehen". 

WEF-Gründer Schwab holte Brende in die Stiftung

Brende war von 2013 bis 2017 Norwegens Außenminister und seit 2017 Präsident des WEF. Er war von WEF-Gründer Klaus Schwab in die Organisation geholt worden und fungierte zunächst als Präsident im Schatten von Schwab, bevor er nach dessen Rückzug zum Gesicht des WEF wurde. 

Als Chef begrüßte der 60-Jährige bei der jüngsten Jahreskonferenz in Davos die wichtigsten Redner wie US-Präsident Donald Trump, Bundeskanzler Friedrich Merz und den ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj auf der Bühne. In den anschließenden kurzen öffentlichen Gesprächen verzichtete Brende, wie zuvor auch Schwab, auf kritische Fragen.

Nach Brendes Ausscheiden übernimmt dem WEF zufolge der Schweizer Alois Zwinggi vorübergehend den Präsidentenposten der Stiftung. Der 64-Jährige ist seit 2010 Mitglied des Vorstands. 

Mehrere Abendessen mit Epstein

Nach Bekanntwerden seiner Epstein-Kontakte gab Brende zu, 2018 und 2019 mit dem US-Finanzier mehrmals zu Abend gegessen zu haben - also zu einem Zeitpunkt, als Epstein bereits rechtskräftig wegen Missbrauchs im Jahr 2008 verurteilt worden war und eine Haftstrafe abgesessen hatte. Der Sender TV2 berichtete, dass Brende Epstein mehrere SMS geschickt habe. Brende sagte dem Sender, er erinnere sich nicht an die Nachrichten. Zudem habe er nichts von Epsteins Machenschaften und seiner Vergangenheit gewusst.

Epstein betrieb jahrelang einen Missbrauchsring, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Der New Yorker Finanzier hatte beste Kontakte in die High Society der USA und vieler anderer Länder. 

Ermittlungen gegen mehrere Norweger

Nach der jüngsten Veröffentlichung der Epstein-Dokumente richtete sich besonders viel Aufmerksamkeit auf Norwegen. Im Fokus der Behörden stehen wegen ihrer Kontakte zu Epstein der norwegische Ex-Regierungschef und frühere Generalsekretär des Europarats, Thorbjørn Jagland, die bisherige Botschafterin in Jordanien und dem Irak, Mona Juul, und ihr Mann, der frühere Top-Diplomat Terje Rød-Larsen. Gegen alle drei laufen Ermittlungen wegen des Verdachts auf schwere Korruption.

Der Kontrollausschuss des norwegischen Parlaments kündigte zuletzt eine unabhängige Untersuchung zu den Verstrickungen der außenpolitischen Elite in den Epstein-Skandal an. Eine Untersuchungskommission soll den Fall und die Arbeitsweise des Auswärtigen Dienstes der vergangenen Jahre unter die Lupe nehmen.

Auch die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit taucht in den jüngsten Akten prominent auf, sie soll über Jahre privaten Kontakt zu dem Sexualstraftäter gehabt haben. Für ihre Freundschaft zu Epstein hat sich die 52-Jährige schriftlich entschuldigt.

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