Empörung über Holocaust-Vergleich von Trump-Anhängerin

"Verstörend", "böser Irrsinn": Eine Kongressabgeordnete der US-Republikaner vergleicht die Maskenpflicht mit dem Tragen des Judensterns. Das Urteil über die Äußerung von Greene ist parteiübergreifend einhellig.
| dpa
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Marjorie Taylor Greene bei einer Pressekonferenz in Washington.
Marjorie Taylor Greene bei einer Pressekonferenz in Washington. © Lenin Nolly/ZUMA Wire/dpa
Washington

Die republikanische Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene hat die Maskenpflicht im US-Repräsentantenhaus mit dem Holocaust verglichen und so Empörung ausgelöst.

Greene - eine glühende Anhängerin von Ex-Präsident Donald Trump - hatte die Maskenpflicht im Sender Real America's Voice mit der Pflicht des Tragens eines Judensterns in Verbindung gebracht und gesagt: "Wissen Sie, wir können auf eine Zeit in der Geschichte zurückblicken, in der Menschen gesagt wurde, sie müssten einen goldenen Stern tragen, und sie wurden definitiv wie Bürger zweiter Klasse behandelt, so sehr, dass sie in Züge gesteckt und in Gaskammern in Nazi-Deutschland gebracht wurden."

Greene verteidigte ihre Worte am Wochenende. "Ich habe nichts Falsches gesagt", sagte sie dem Sender 12 News. "Ich denke, dass jede vernünftige jüdische Person nicht mochte, was in Nazi-Deutschland geschah, und dass jede vernünftige jüdische Person nicht mag, was mit einer anmaßenden Maskenpflicht geschieht." Die Organisation American Jewish Congress forderte Greene dazu auf, sich zu entschuldigen. "Man kann niemals gesundheitsbezogene Einschränkungen mit gelben Sternen, Gaskammern und anderen Nazi-Gräueln vergleichen."

Sowohl bei Demokraten als auch bei Republikanern stießen Greenes Worte auf Empörung. "Das ist böser Irrsinn", schrieb etwa die republikanische Kongressabgeordnete und Trump-Kritikerin Liz Cheney auf Twitter. Der demokratische Kongressabgeordnete Jim McGovern nannte es "mehr als verstörend", dass Greene den systematischen Mord an sechs Millionen Juden mit dem Tragen einer Maske vergleiche. Er verlangte Greenes Rücktritt.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte kürzlich neue Richtlinien erlassen, wonach das Tragen von Masken angesichts der Fortschritte bei der Impfkampagne auch in Innenräumen meist nicht mehr nötig ist. Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, hat die Maskenpflicht in der Parlamentskammer unter Verweis auf ungeimpfte Abgeordnete bislang aber nicht aufgehoben. Greene bezeichnete Pelosi in ihren jüngsten Äußerungen als "geisteskrank".

Nach einer Umfrage des Senders CNN von Mitte des Monats waren zu dem Zeitpunkt alle demokratischen Kongressabgeordneten gegen Covid-19 geimpft, aber weniger als die Hälfte der Republikaner in der Parlamentskammer. Die Zeitung "Savannah Morning News" aus Greenes Bundesstaat Georgia hatte Ende März berichtet, dass die Abgeordnete sich nicht impfen lassen wolle. Greene (46) hat in der Vergangenheit offen für QAnon-Verschwörungstheorien geworben. Deren Anhänger glauben etwa, dass Trump systematischen Kindesmissbrauch durch satanistische Politiker der US-Demokraten aufzudecken versucht habe.

© dpa-infocom, dpa:210524-99-720534/2

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