Emiratischer Minister: Deutschland vernachlässigt Moschee-Kontrolle

Der Attentäter von Berlin, Anis Amri, hatte einen Anlaufpunkt in einer Berliner Moschee. Was darin gesprochen wurde, war weitgehend unbekannt. Deutschland müsse solche Islamisten-Treffpunkte endlich stärker kontrollieren, heißt es nun aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
| AZ, dpa
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Der Toleranzminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Nahjan bin Mubarak Al Nahjan: "Man kann nicht einfach so eine Moschee aufmachen".
dpa Der Toleranzminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Nahjan bin Mubarak Al Nahjan: "Man kann nicht einfach so eine Moschee aufmachen".

Berlin/Abu Dhabi - Die nachlässige Kontrolle von Moscheen in Europa hat nach Ansicht eines emiratischen Ministers zu islamistischen Anschlägen auch in Deutschland geführt.

"Man kann nicht einfach eine Moschee öffnen und jedem erlauben, dorthin zu gehen und zu predigen. Es muss eine Lizenz dafür geben", sagte Scheich Nahjan Mubarak Al Nahjan, der das Ressort für Toleranz leitet, der Deutschen Presse-Agentur in Abu Dhabi.

In Deutschland, aber auch in Frankreich, Großbritannien oder Belgien hätten sich Muslime radikalisiert, weil die Gotteshäuser und Gemeindezentren nicht stark genug von den Behörden kontrolliert würden. "Wir haben immer unsere Hilfe angeboten, wir haben immer angeboten, Menschen auszubilden", erklärte der Toleranzminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Bis heute sei sein Land aber nicht um Hilfe aus Europa gebeten worden.

In Kirchen darf auch nicht jeder predigen

In den autoritär regierten Emiraten am Golf stehen die Moscheen unter umfassender Kontrolle der Herrscher, die damit radikalen Tendenzen vorbeugen wollen. Zusammen mit mächtigen Geheimdiensten und weitreichenden Befugnissen der Sicherheitskräfte konnten in den VAE so größere Anschläge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) oder anderer Terrororganisationen in der Vergangenheit verhindert werden.

"Und wir denken, dass auch in Europa etwas passieren muss", sagte Scheich Nahjan. Die Länder auf dem Kontinent hätten es gut gemeint, als sie "diesen Leuten" erlaubten, ihre eigenen Moscheen und ihre eigenen Gemeindezentren zu betreiben. Doch religiöse Führer müssten ausgebildet sein, sich mit dem Islam auskennen und eine Lizenz haben. Schließlich könne in Europa auch niemand einfach in eine Kirche gehen und die Predigt halten.

Keine staatliche Auswahl der Prediger in Deutschland

Nach dem Terroranschlag auf einem Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 hatten die Behörden die Berliner Fussilet- geschlossen. Der Islamisten-Treffpunkt war ein Anlaufpunkt für den tunesischen Attentäter Anis Amri gewesen.

In Deutschland spielt der Staat bei der Auswahl der Prediger in Moscheen keine Rolle. Moscheen brauchen auch keine Genehmigung.

Lesen Sie hier: U-Ausschuss zu Amri:

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