Drei Stunden Atempause für Menschen in Gaza

Der wachsende internationale Druck zeigt Wirkung: Die israelische Armee will ihre Angriffe im Gazastreifen täglich unterbrechen, um Hilfsgüter für die notleidende Bevölkerung verteilen zu lassen.
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Zahlreiche Hilfstransporte warten darauf, die Grenze nach Gaza passieren zu dürfen.
dpa Zahlreiche Hilfstransporte warten darauf, die Grenze nach Gaza passieren zu dürfen.

Der wachsende internationale Druck zeigt Wirkung: Die israelische Armee will ihre Angriffe im Gazastreifen täglich unterbrechen, um Hilfsgüter für die notleidende Bevölkerung verteilen zu lassen.

Nach zwölf Tagen anhaltender israelischer Bombardierungen können die Menschen im Gazastreifen auf eine tägliche kurze Pause hoffen. Die Luft- und Bodenangriffe der israelischen Streitkräfte sollen für eine befristete Zeit eingestellt werden, um die notleidende Bevölkerung mit Hilfsgütern und Kraftstoff zu versorgen, wie Militärsprecher Peter Lerner am Mittwoch sagte. Damit reagiert Israel auf den zunehmenden internationalen Druck.

Lerner nannte keine Zeit für den Beginn der Unterbrechung und keine Dauer. Nach einem israelischen Rundfunkbericht sollen die Angriffe allerdings täglich drei Stunden unterbrochen werden. Die Armee wolle ab diesem Mittwoch die Kämpfe erstmals von 13.00 bis 16.00 Uhr einstellen, damit humanitäre Güter verteilt werden könnten.

Fast 700 Todesopfer unter Palästinensern

Die israelische Regierung trat am Mittwoch zu Beratungen über das weitere Vorgehen im Gazastreifen und einen von Ägypten und Frankreich vorgeschlagenen Plan für einen sofortigen Waffenstillstand zusammen. Unter dem Eindruck zunehmender Kritik wegen der Leiden der Zivilbevölkerung stimmte Israel auch der Einrichtung eines «humanitären Korridors» zu. Seit Beginn der israelischen Militäroffensive am 27. Dezember wurden im Gaza-Streifen fast 700 Menschen getötet, darunter zahlreiche Zivilisten, über 3000 Menschen wurden verletzt. Die Krankenhäuser sind überfüllt, es fehlt an Betten und Medikamenten. Treibstoff und Grundnahrungsmittel sind knapp und im Norden des Küstenstreifens brach die Wasserversorgung zusammen.

Bewegung in diplomatische Bemühungen

Der von Ägyptens Staatschef Husni Mubarak und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy vorgelegten Plan sieht eine befristete Waffenruhe vor, der Gespräche über eine Lösung des Konflikts folgen sollen. Außerdem soll die Versorgung der Bevölkerung des abgeriegelten Autonomiegebiets ermöglicht werden. Sarkozy sprach bei der Vorstellung des Plans am Dienstagabend von einer «kleinen Hoffung» auf ein Ende der Kämpfe. Der Vorstoß wurde international begrüßt, auch vom palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas und der scheidenden US-Außenministerin Condoleezza Rice. In Berlin erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier, auf dieser Grundlage müsse es jetzt darum gehen, schnellstmöglich einen Ausweg aus der Gewalt zu finden.

Scharfe Kritik an Angriff auf UN-Schulen

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte unterdessen die israelischen Angriffe, bei denen vier Einrichtungen der Vereinten Nationen im Gazastreifen getroffen wurden, als «völlig inakzeptabel». Bei einem Angriff auf eine Schule des UN-Hilfswerks UNRWA in Dschebalija wurden mindestens 36 Menschen getötet. In den 23 UN-Schulen im Gazastreifen haben rund 15.000 Palästinenser Zuflucht gesucht. Wegen der Krise in dem umkämpften Küstenstreifen kommt der UN-Menschenrechtsrat in Genf am Freitag zu einer Sondersitzung zusammen. Etwa zwei Drittel der 47 Mitgliedstaaten haben die Sitzung beantragt. Erwogen werde eine Resolution, in der die israelische Militäroffensive im Gazastreifen verurteilt würde, hieß es aus Diplomatenkreisen. Seit der Gründung des Menschenrechtsrats 2006 hat das Gremium das Vorgehen des jüdischen Staats drei Mal in Resolutionen verurteilt. Die USA haben dem Rat Voreingenommenheit gegenüber Israel vorgeworfen. (nz/dpa/AP)

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