Donald Trump: Das Weiße Haus unter dunklen Wolken

Alle reden nur noch über die Krise, der eigentliche Politikbetrieb ist in Washington fast völlig zum Stillstand gekommen. Nun soll ein Sonderermittler die Russland-Ermittlung überwachen - es ist nur eine von mehreren schlechten Nachrichten für Donald Trump.
| Maren Hennemuth/dpa
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US-Präsident Donald Trump (r) und Russlands Außenminister Sergej Lawrow bei ihrem Treffen im Weißen Haus in Washington.
dpa US-Präsident Donald Trump (r) und Russlands Außenminister Sergej Lawrow bei ihrem Treffen im Weißen Haus in Washington.

Alle reden nur noch über die Krise, der eigentliche Politikbetrieb ist in Washington fast völlig zum Stillstand gekommen. Nun soll ein Sonderermittler die Russland-Ermittlung überwachen - es ist nur eine von mehreren schlechten Nachrichten für Donald Trump.

Der Staub mag sich nicht legen, die Tage des unendlichen Chaos halten an. Nachrichten, die für einen ganzen Monat reichen würden, füllen eine Woche. Mittendrin steht ein schwer angeschlagener Präsident, der die Turbulenzen nicht in den Griff bekommt. Vielleicht werden diese seltsamen Tage im Mai 2017 einmal über Donald Trumps Rolle in den Geschichtsbüchern entscheiden.

Keine 24 Stunden waren nach der jüngsten Enthüllung der New York Times über eine angebliche Bitte Trumps an den inzwischen gefeuerten FBI-Chef James Comey vergangen, da platzte am Mittwochabend die nächste Nachricht in ein über alle Maßen aufgewühltes Washington.

Das Justizministerium gab bekannt, dass es einen Sonderermittler für die Ermittlungen zu den möglichen Russland-Kontakten von Trumps Wahlkampfteam eingesetzt hat. Es geht um die Frage, ob diese Kontakte so weit reichten, dass Menschen in Trumps Umfeld frühzeitig über die mutmaßlich russischen Hackerangriffe auf die Demokraten Bescheid wussten. Ob sie vielleicht sogar mit den Russen zusammenarbeiteten, um diese Angriffe zu orchestrieren.

Mandat für strafrechtliche Verfolgungen

Der frühere FBI-Chef Robert Mueller soll die Ermittlungen überwachen. Das Mandat des Justizministerium gibt ihm die Macht für strafrechtliche Verfolgungen. Er hat auch das Recht, Angelegenheiten zu berücksichtigen, die im Zuge der FBI-Untersuchung aufkamen. Das könnte auch für Trumps Entscheidung gelten, Comey zu feuern.

Der Druck auf Trump ist damit noch einmal größer geworden - und das wenige Tage, bevor er zu seiner ersten Auslandsreise aufbrechen will.

Das Ministerium soll das Weiße Haus erst über die Entscheidung in Kenntnis gesetzt haben, als der stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein die Anordnung bereits unterzeichnet hatte. Wenig später verschickte die Regierungszentrale eine knappe Mitteilung Trumps. Der Präsident zeigte sich sicher, dass die Ermittlungen nur zeigen würden, dass an der Sache nichts dran sei.

Der Mittwoch verlief auch so schon denkbar schlecht für Trump. Der erste republikanische Abgeordnete brachte ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn ins Spiel. Mehrere Komitees des Kongresses wandten sich erneut an Comey, um ihn zu einer Aussage zu bewegen. Sie verschickten Bitten an das FBI und das Weiße Haus, mögliche Aufzeichnungen zu Gesprächen zwischen Trump und Comey vorzulegen. Hintergrund ist ein Bericht über ein Treffen im Februar, bei dem Trump Comey gebeten haben soll, die Ermittlungen gegen den ehemaligen Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen.

Darüber hinaus muss sich der Präsident weiter Fragen dazu gefallen lassen, ob er bei einem Treffen mit Vertretern der russischen Regierung wirklich allzu freigiebig über sensible Geheimdienstinformationen plauderte.

Die Krise zerrt an Trumps Präsidentschaft, sie frisst alle anderen Ressourcen. Der eigentliche Politikbetrieb ist so gut wie zum Stillstand gekommen. Kaum jemand redet noch über Obamacare, über Trumps Steuerreform, über die Mauer an der Grenze zu Mexiko. Die Nordkorea-Krise schwelt weiter, US-Militärs sorgen sich um die Sicherheitslage in Afghanistan, die Türkei ist verärgert über amerikanische Waffenlieferungen an syrische Kurden. Ausländische Diplomaten sind entsetzt angesichts der Tumulte im Weißen Haus.

Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten sind mühsam

In anderen Ländern hätten die Vorwürfe in der Russland-Affäre vielleicht längst ausgereicht, um politische Konsequenzen nach sich zu ziehen. Aber in den USA ist der Weg für ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten sehr mühsam. Erst zwei Mal in der Geschichte gab es das, in beiden Fällen führte es nicht zum gewünschten Resultat der Kläger.

Aber das Geraune über ein Impeachment ist am Mittwoch noch lauter geworden. Viel hängt nun von den Republikanern ab. Sie standen in den vergangen Monaten fast geschlossen hinter Trump. Aber seit der Entlassung von Comey bekommt dieses Bild immer mehr Risse.

Die Opposition rüstete sich derweil für die Schlacht. Die demokratischen Anführer im Repräsentantenhaus empfahlen ihren Abgeordneten, ein Papier zum Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Richard Nixon ganz genau zu lesen. Die Nachricht über den Sonderermittler ließ die Demokraten jubilieren. Mueller wurde als unabhängiger Kopf gefeiert.

Aber es kann dauern, bis der Sonderermittler erste Ergebnisse vorlegen wird. Es ist fraglich, was bleibt, wenn der Staub sich legt.

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