Die Luft wird rauer: Guttenberg auf dem Abflug?

Der populäre CSU-Freiherr kokettiert mit Rücktritt, er wittere „eine Intrige aus dem Kanzleramt“. Verdeidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg könnte so die wankende Koalition in Berlin stürze.
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Karl Theodor zu Guttenberg
dpa Karl Theodor zu Guttenberg

Der populäre CSU-Freiherr kokettiert mit Rücktritt, er wittere „eine Intrige aus dem Kanzleramt“. Verdeidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg könnte so die wankende Koalition in Berlin stürze.

Macht ausgerechnet der Star alles kaputt? Bringt der beliebteste Politiker der Republik eine Regierung zum Einsturz, der er als einziger Glanz verleiht? Ausgeschlossen ist es nicht, dass Karl Theodor zu Guttenberg den Nagel in den Sarg der Koalition zimmert. Oder macht der Verteidigungsminister wieder nur große Welle?

Klar ist, der Freiherr aus Oberfranken, Stern einer zunehmend unpopulären Regierung, steht wieder einmal im Mittelpunkt. „Tief getroffen“ soll er sein, „Freunden und Vertrauten“ habe er „mehrfach gesagt“ dass er „ernsthaft“ an Rücktritt denke. Er fühle sich „isoliert“, er wittert „eine Intrige aus dem Kanzleramt“, berichtet die FAZ.

Eigentlich geht es nur um eine Kleinigkeit. Merkels Beamte ließen prüfen, ob sich Guttenberg im Kundus-Untersuchungsausschuss eine Gegenüberstellung mit einem General und einem Staatssekretär gefallen lassen muss, die er gefeuert hat. Zwar hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Guttenberg zu beruhigen versucht, und der Minister hat die Rücktrittgerüchte auch pflichtschuldig dementieren lassen. Aber Guttenberg ist angegriffen. Und er tut nicht viel dafür, die Gemüter zu beruhigen.

Erst sein Vorstoß, dann sein Beharren darauf, die Wehrpflicht auszusetzen, das kommt in der Regierung nicht gut an. Sein Vorpreschen ist ein typischer Guttenberg: Hopp oder topp. „Ein Ende der Wehrpflicht wird es mit nicht geben“, hat der Unteroffizier der Reserve bisher gesagt – bis Finanzminister Wolfgang Schäuble dem Herrn der Soldaten mitteilte, er müsse 4,5 Milliarden Euro einsparen.

Guttenberg kam zum Schluss, die Wehrpflicht sei so nicht zu halten. Und die Schwüre von gestern? Ist er kein Verfechter der Wehrpflicht mehr? „Das war ich und das bin ich, solange wir uns das noch leisten können“, sagt Guttenberg im „Spiegel“. Und auch der Umstand, dass er sowohl von der Kanzlerin wie von CSU-Chef Seehofer zurückgepfiffen wurde, krümmt kein Haar auf Guttenbergs Gelfrisur: „Wer zurückpfeift, der muss Alternativen aufzeigen können.“

Guttenbergs Alles oder nichts irritiert die Kollegen im Kabinett. Der stets korrekt auftretende Baron spielt den Sparstreber und wirft dazu noch eine Grundsatzfrage auf. Das ist ungestüm, undiplomatisch. Oder: unpolitisch.

Vielleicht ist gerade das sein Erfolgsgeheimnis. Er korrigiert seine Meinung, wenn’s ihm geboten scheint, und die Leute finden’s gut. Was anderen als Wankelmut ausgelegt würde, bei „Gutti“ gilt’s als Geradlinigkeit. Der Schlossherr ist die Nummer eins in den Popularitätswerten aller Politiker, Bundeskanzlerin Angela Merkel hat er längst hinter sich gelassen. Die Popularität im Volk ist allerdings das Eine, die Wertschätzung bei den politischen Mitspielern das Andere. Dort hat das Image des zweifachen Familienvaters deutlich gelitten.

Die jüngsten Rücktrittsmeldungen lösen in der Regierung nur begrenzt Alarmstimmung aus: Kabinettsmitglieder sollen sich „abfällig belustigt“ unterhalten haben: „Schon gehört? Guttenberg hat wieder mal mit Rücktritt gedroht.“

Es war nicht das erste Mal. Gut in Erinnerung ist Guttenbergs Rücktrittsangebot in der Opel-Krise. Als Wirtschaftsminister war er gegen Staatshilfen, für die Insolvenz. Merkel setzte sich durch, nahm Guttis Angebot zur Demission nicht an. Guttenberg äußerte Bedenken, trug die Staatshilfen mit, trat nicht zurück – und wurde noch populärer.

Aber die Zahl der Gegner steigt. Kanzleramtsminister Ronald Pofalla soll der namhafteste sein. Ihm schreibt „Bild“ das Zitat zu, Guttenberg habe sich während der Sparrunde im Kanzleramt wie „Rumpelstilzchen“ aufgeführt. Pofalla soll Guttenberg auch gezwungen haben, seinen Osterurlaub abzubrechen, als in Afghanistan drei Bundeswehrsoldaten getötet wurden.

Nachhilfe in politischen Gespür hatte Guttenberg bisher nicht nötig. Und Schwäche machte Neider kühn. Am Wochenende wagte sich Hessens neuer CDU-Chef Volker Bouffier aus der Deckung. Der kritisierte Guttenbergs „schnellen Frontwechsel“ bei der Wehrpflicht. Der designierte Nachfolger von Roland Koch legte nach: „Wir leben nicht von Schlagzeilen, die einen Tag lang halten, nicht von Talk-Shows und nicht von Popularitätsrekorden.“

Der Wind wird rauer für den Guttenberg.

Matthias Maus

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