Die Kanzlerin funkt Infineon dazwischen

Der russische Mischkonzern Sistema ist scharf auf High-Tech von Infineon aus Neubiberg. Der Konzern aber mauert, deshalb schickt Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Vermittler.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel
dpa Bundeskanzlerin Angela Merkel

MÜNCHEN/BERLIN - Der russische Mischkonzern Sistema ist scharf auf High-Tech von Infineon aus Neubiberg. Der Konzern aber mauert, deshalb schickt Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Vermittler.

Industriepolitik, wie sie in Deutschland sonst nicht üblich ist: Bundeskanzlerin Angela Merkel betätigt sich für den russischen Mischkonzern Sistema als Türöffnerin bei Infineon, berichtet die „FTD“. Die Russen wollen mit 29 Prozent bei dem Chiphersteller einsteigen, gegen den Willen von Infineon.

Für Sistema dürfte unter anderem die Sicherheitssparte von Infineon von Interesse sein. Der Halbleiterkonzern rüstet wahrscheinlich den elektronischen Personalausweis, der ab dem Herbst eingeführt wird, mit Chips aus. Außerdem kommt die Sicherheitstechnologie der Münchner in der Industrie zu Einsatz. Sistema hat sich schon vor zwei Jahren als Investor für Infineon empfohlen, das damals in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte. Auch bei der Telekom klopfte das Unternehmen an, allerdings vergeblich.

Jetzt intervenierten der russische Präsident Dmitri Medwedew und Premier Wladimir Putin bei Bundeskanzlerin Angela Merkel und drangen darauf, dass Sistema doch noch bei Infineon zum Zuge kommt, berichtet die „FTD“. Daraufhin habe Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Wirtschaftsberater Jens Weidmann beauftragt, die Lage in Neubiberg zu sondieren. „Druck werden wir aber nicht aufbauen", zitiert das Blatt einen Regierungsvertreter.

Infineon sieht offensichtlich keine Veranlassung zu Verhandlungen. „Ein Einstieg von Sistema kann nicht im Interesse von Infineon sein, das schränkt jede Expansionsmöglichkeit im Westen ein“, sagte ein Aufsichtsrat. „Wir führen keine Gespräche mit Sistema“, sagte Konzernsprecher Kay Laudien auf Nachfrage.

Sistema gehört zu knapp zwei Dritteln dem russischen Milliardär Wladimir Jewtuschenkow. Der 61-Jährige steht mit einem Vermögen von 7,5 Milliarden Dollar auf Rang 93 der „Forbes"-Liste der reichsten Weltbürger.

Zu seinem Imperium zählen Russlands größter Mobilfunkanbieter Mobile Telesystems (MTS), Banken, Spielzeugläden, Kliniken, die einst staatliche Intourist-Reiseorganisation, Teile der russischen Ölindustrie und einen Rüstungslieferanten. Die Telekom-Aktivitäten Wladimir Jewtuschenkows werden übrigens von Ex-Telekom-Chef Ron Sommer koordiniert, der MTS vor Jahren aufgebaut hatte. Früher hielt die Telekom 40 Prozent an MTS.

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