Die Ego-Demokraten

Die Politiker fürchten sich vor der Internet-Gemeinde. AZ-Chefredakteur Arno Makowsky über den Erfolg der Internet-Demo.
| Arno Makowsky
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Minus zehn Grad, ein eisiger Wind pfeift durch die Innenstadt. Würde jemand bei diesem Wetter zu einer Demo gegen Ausländerfeindlichkeit aufrufen, könnte er mit etwa 35 Teilnehmern rechnen. Beim Thema „Freiheit für das Internet“ ist das ganz anders. Nicht weniger als 16.000 Menschen versammelten sich am Samstag in München, um gegen das geplante Abkommen „Acta“ zu protestieren, das Verstöße gegen das Urheberrecht ahnden soll.

Wer illegal Songs oder Filme herunterlädt, muss nach diesen Plänen mit einer saftigen Strafe rechnen; die Internet-Betreiber sollen die Adressen illegaler Nutzer herausgeben. Natürlich ist das Acta-Abkommen im Prinzip völlig richtig. Und die Demonstranten kämpfen in Wahrheit nicht für das hohe Gut der Freiheit, sondern für die Freiheit, sich kriminell und kostenlos alles aus dem Netz zu ziehen, was man will. Natürlich wäre es angenehmer, wenn man auch aus dem Kaufhof einfach so Flachbildschirme heraustragen könnte, ohne dafür zu bezahlen. Aber es ist aus gutem Grund verboten. Warum soll das mit geistigem Eigentum im Internet anders sein?

Nach den lautstarken Protesten in ganz Europa liegt „Acta“ nun erst mal auf Eis. Gegen die wachsende Macht der Internet-Gemeinde knicken die Politiker ein – aus Furcht, noch mehr Wähler könnten zu den „Piraten“ und deren Trittbrettfahrern abwandern. Es ist der Erfolg einer Bewegung, die ihre Ziele als demokratisch überhöht, die in Wahrheit aber purer Egoismus sind.

 

 

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