Das sagt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zum Tode von Klaus Kinkel

Seine Parteifreundin und Nachfolgerin im Justizministerium über den verstorbenen Ex-FDP-Chef Klaus Kinkel.
| Clemens Hagen
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2002: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (rechts) und Klaus Kinkel (links) auf dem Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg.
dpa 2002: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (rechts) und Klaus Kinkel (links) auf dem Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg.

Die Tutzinger Juristin (67) war von 1992 bis 1996 sowie von 2009 bis 2013 Bundesjustizministerin. Im AZ-Interview spricht sie zum Tode von Klaus Kinkel.

AZ: Frau Leutheusser-Schnarrenberger, Sie wurden im Mai 1992 Nachfolgerin von Bundesjustizminister Klaus Kinkel, der wiederum das Außenministeramt von Hans-Dietrich Genscher "erbte", der sich in den Ruhestand verabschiedete. Was war Kinkel für ein Mensch?
SABINE LEUTHEUSSER-SCHNARRENBERGER: Er war in seiner Aufrichtigkeit und Direktheit, die ihn in vielen Spitzenämtern auszeichnete, vielleicht einzigartig in der deutschen Politik. Klaus Kinkel stand zu seinem Wort.

Ein Beispiel?
Besonders als Justizminister scheute er auch Konflikte nicht. Seine Initiative zur Rehabilitierung von RAF-Terroristen bei Gewaltentsagung war zum Beispiel ein hochumstrittener Prozess. Diese Versöhnungsstrategie war unglaublich mutig. Aber es war ihm ein Anliegen, Menschen von außerhalb der Gesellschaft wieder zurückzuführen. Es war ein Glück, dass er vom damaligen Innenminister Gerhart Baum unterstützt wurde. Der traf sich sogar mit dem RAF-Rechtsanwalt Horst Mahler, der später so weit ins ganz rechte Spektrum abgedriftet ist.

Was war seine herausragende Leistung als Außenminister von 1992 bis 1998 in Ihren Augen?
Er setzte sich vor allem für die Osterweiterung der Europäischen Union ein. Die wollte er unbedingt. Dabei ging es immerhin um zehn Länder. Klaus Kinkel wollte den Beitritt aller zehn, auch Bulgariens und Rumäniens. Das ließ er sich auch nicht auseinanderdividieren.

"Klaus Kinkel war ein unglaubliches Arbeitstier"

Sie haben Kinkel aus nächster Nähe erlebt. Was zeichnete ihn aus?
Er war ein unglaubliches Arbeitstier, regelrecht ein Aktenfresser. Wenn er etwas ausgelesen hatte, dann schmiss er die Papiere oft auf den Boden. Seine Mitarbeiter mussten sie dann aufheben.

Der Sport lag ihm auch immer am Herzen, oder?
Ja, absolut. Schon in seiner Ministerzeit hat er sich stark für den Behindertensport engagiert. Aber er war auch selbst aktiv. Er war ein sehr guter Tennisspieler, er ist viel gejoggt und hat bis ins hohe Alter lange Spaziergänge mit seinem Hund gemacht.

Nochmal zurück zur Politik: Kinkel war, wenn auch nur relativ kurz, FDP-Vorsitzender. Wie haben Sie ihn in dieser Funktion erlebt?
Er hat mal selbst über sich gesagt, dass er nicht für den Parteivorsitz gemacht sei, dass dies kein Amt für ihn sei. Ich glaube, er hat es von 1993 bis 1995 vor allem aus einem Grund getan: Pflichterfüllung.

Das Bild von Klaus Kinkel in der Öffentlichkeit war bei vielen das eines oft schroffen, wenig sensiblen Mannes.
Er hat nicht ewig abgewogen, sondern vor allem aus seinem Innersten heraus gehandelt. Zum Beispiel, als er den Dalai Lama 1995 bei einem Besuch in Bonn in die Arme fiel, was damals wegen des schwierigen Verhältnisses zu China kritisiert wurde.

Politiker wie Kinkel sind heute selten geworden, oder?
Ja, er war kein glattgespülter Politiker, sondern folgte seiner inneren Stimme. Solche Politiker mit Ecken und Kanten, die fehlen heute.

 

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