Das Ringen um den Bischofsring: Wer wird der neue Mixa?

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis hat einen Favoriten, doch das Ringen um den Bischofsring geht weiter: Was Rom will, ist womöglich nicht das, was der bayerischen Regierung Recht wäre.
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Prälat Wilhelm Imkamp, Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis und Papstsekretär Georg Gänswein
dpa Prälat Wilhelm Imkamp, Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis und Papstsekretär Georg Gänswein

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis hat einen Favoriten, doch das Ringen um den Bischofsring geht weiter: Was Rom will, ist womöglich nicht das, was der bayerischen Regierung Recht wäre.

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis schmeißt sich in ihrem teuren Designeroutfit vor ihm in den Staub und schaut wie die Madonna flehend in den Himmel. Monsignore Wilhelm Imkamp (58) aus dem kleinen schwäbischen Wallfahrtsort Maria Vesperbild lockt Zehntausende von Gläubigen. „Er gehört zu den charismatischsten Mitgliedern des Klerus, nicht nur, weil er ein fescher Mann ist“, schwärmt die Fürstin. „Er predigt so klar und schonungslos.“ Das lockt einen Pilger-Strom zum Gnadenbild der schmerzhaften Muttergottes im Landkreis Günzburg.

Und zu dem „Dandy unter den Gottesdienern“, wie er genannt wird. Imkamp trägt gerne Seidenhemden und Goldringe. Statt ordinäres Wasser segnet er Goldwasser aus dem Marienbrunnen, versetzt mit Goldpartikeln. In seinen Predigten spricht er „Klartext“ und bezeichnet die Katholiken von heute als „verfolgte Minderheit“, die sich „wehren muss“.

Nur: Für die bayerische Staatsregierung ist der stockkonservative Prälat aus dem Schwäbischen ein rotes Tuch. Dort fürchtet man, der „Wallfahrtsdirektor“, so sein offizieller Titel, könnte sich auch noch mit dem Bischofsornat schmücken wollen und Nachfolger des zurückgetretenen Kirchen-Oberhaupts von Augsburg, Walter Mixa, werden. „Er polarisiert und spaltet“, heißt es. Alleine bei dem Gedanken steigt Staatskanzlei-Chef Siegfried Schneider die Zornesröte ins Gesicht: „Der ist noch schlimmer als der Mixa.“ Mit allen Mitteln will er den Spezl von Gloria verhindern, um dafür einen Spezl von Horst Seehofer zu inthronisieren: Gregor Maria Hanke, der Benediktiner-Bischof aus Eichstätt, der auch noch nach dem Motto „Demut, Gehorsam und Armut“ lebt, ist der Wunschkandidat der Staatsregierung. Schneider: „Hanke könnte in Augsburg alle wieder zusammenführen.“

Auch einen Nachfolger für Hanke in Eichstätt hätte die Staatsregierung parat. Der beliebte Augsburger Weihbischof und Domprobst Anton Losinger (52). Ein Intellektueller mit ausgezeichneten internationalen Kontakten. Er hatte vergangenen Donnerstag den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und Münchens Erzbischof Reinhard Marx zu einem Rapport bei Papst Benedikt XVI. nach Rom begleitet – wegen des Rücktrittsgesuchs von Mixa.

Nun wird ein Bischof vom Papst ernannt und nicht von der Staatsregierung. Doch ein Wörtchen mitreden darf sie doch bei der Benennung. Das erlaubt das Konkordat von 1924, ein Staatsvertrag mit dem Vatikan. Danach kann Bayern ein Veto einlegen. Praktisch hat es das noch nie gegeben. Aber hinter den Kulissen liefen schon die Drähte heiß.

Imkamp war bereits als Mixa-Nachfolger im Gespräch, als der 2005 von Eichstätt nach Augsburg wechselte. Eichstätt ist das Heimatbistum von Siegfried Schneider. Und auch das von CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer. Beide kannten Mixa schon aus seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen. Seehofer so gut, dass er ihn sogar perfekt nachmachen konnte. Bei einem Fest der CSU-Eichstätt trat er sogar als Mixa auf, im vollen Ornat.

Der Klerus zog den Arbeitersohn schon immer an. Mit Gregor Maria Hanke, der als Abt das Benediktinerkloster Plankstetten leitete, bevor er die Nachfolge Mixas als Bischof von Eichstätt antrat, verbindet Seehofer eine enge Freundschaft. Immer wenn es ihm schlecht ging, tauchte er bei seinem Spezl zu Exerzitien im Kloster unter.

Auch Staatskanzlei-Chef Siegfried Schneider ist Hanke eng verbunden - aus gemeinsamen Zeiten bei einer Studentenverbindung in Eichstätt. Hanke war Schneiders „Fuchsmajor“, der Ältere, der den Neuling einführte.

Schon 2006 ließ Schneider, damals noch Kultusminister, diskret im Vatikan verbreiten, dass die Staatsregierung auf keinen Fall Wilhelm Imkamp als Bischof von Eichstätt haben wollte. Damals erfüllte sich Schneiders und Seehofers Wunsch.

Ob ihnen der Papst auch diesmal wieder einen Gefallen tut? Wallfahrts-Direktor Imkamp hat seine Kontakte nach Rom intensiviert - vor allem seine Freundschaft zu Fürstin Gloria und Georg Gänswein (53), dem Sekretär des Papstes. In Rom gelten sie als untrennbares Trio. Imkamp kennt den Papst aus alten Tagen. Er ist Mitglied der Päpstlichen Theologenakademie und Berater der Heiligsprechungskongregation. Auch Gänswein selbst werden Ambitionen auf den Augsburger Bischofssitz nachgesagt.

Am Dienstag kann die Staatsregierung ja schon mal Stimmung machen. In der Katholischen Akademie findet ihr alljährliche Treffen mit den bayerischen Bischöfen statt.

Angela Böhm

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