Christian Ude und Horst Seehofer im Kandidaten-Check

Der eine trägt Lederhosen, der andere meidet sie. Was Christian Ude und Horst Seehofer trennt und was sie verbindet. Die AZ macht vor dem TV-Duell am Mittwoch den Kandidaten-Check
von  Angela Böhm
Der eine attackiert, der andere ignoriert bisher seinen Gegenspieler: An diesem Mittwoch treffen Herausforderer Christian Ude und Titelverteidiger Horst Seehofer zum ersten Mal zum Zweikampf aufeinander von Angesicht zu Angesicht im TV-Duell.
Der eine attackiert, der andere ignoriert bisher seinen Gegenspieler: An diesem Mittwoch treffen Herausforderer Christian Ude und Titelverteidiger Horst Seehofer zum ersten Mal zum Zweikampf aufeinander von Angesicht zu Angesicht im TV-Duell. © dpa

Der eine trägt Lederhosen, der andere meidet sie. Was Christian Ude und Horst Seehofer trennt und was sie verbindet. Die AZ macht vor dem TV-Duell am Mittwoch den Kandidaten-Check

Se wollen beide in die Geschichtsbücher: Der eine als der schwarze Retter, der die Alleinherrschaft zurückerobert hat.

Der andere als der rote Held, der nach 56 Jahren die CSU vom Thron gestoßen hat.

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Für Horst Seehofer (64) und Christian Ude (65) geht’s um alles oder nichts.

Dem Verlierer droht das politische Ende. Ude kann nicht mehr als OB kandidieren, wegen der Altersgrenze.

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Über Seehofer senkt die CSU den Daumen, falls sie in die Opposition abstürzt.

Wie wählen Sie bei der Landtagswahl 2013: Machen Sie den Check mit dem Wahl-O-Mat

Am Mittwochabend, um 20.15 Uhr, treffen die Kontrahenten zum ersten Mal direkt aufeinander im TV-Duell beim Bayerischen Fernsehen.

Die AZ macht den Kandidaten-Check:

 


 

 

Herkunft

Aus einer Arbeiterfamilie mit vier Kindern in Ingolstadt kämpfte sich Seehofer an die Spitze einer bürgerlichen Partei. Sein Vater war Lastwagenfahrer und Bauarbeiter. Das breitet er bei jeder seiner Wahlkampfreden aus.

Ins Schwabinger Bildungsbürgertum wurde Ude hineingeboren, der nun als Spitzenkandidat für die Arbeiterpartei kämpft. Sein Vater war Kulturredakteur und Schriftsteller. Ude hat eine Schwester.

 


 

 

Ausbildung

Mit Seehofer ist ein Nichtakademiker ohne Abitur und Hochschulabschluss an der Spitze der CSU. Nach der Mittleren Reife startet er seine Laufbahn als Amtsbote, steigt als Jahrgangsbester in den gehobenen Dienst auf. Schon mit 30 Jahren wird er 1980 als Bundestagsabgeordneter Berufspolitiker. Bildungs-Komplexe hat Seehofer noch heute und deshalb auch ein gespaltenes Verhältnis zu Juristen: „Wenn Juristen sagen, es geht nicht, weiß ich: Es geht.“

Sein Jurastudium schließt Ude 1979 mit Prädikat ab. Es ist seine zweite Berufsausbildung. Nach dem Abitur beginnt er ein Volontariat bei der „Süddeutschen Zeitung“, wird Redakteur. Als Rechtsanwalt baut er eine Kanzlei auf, macht als Mieteranwalt Furore – bis er 1990 in den Stadtrat und zum zweiten Bürgermeister gewählt wird.

 


 

 

Familie

Sein Rückzugsort im Altmühltal gehört Karin Seehofer. Sie ist seine zweite Frau. Ihre Eltern hatten in Schamhaupten eine Brauerei. Mit ihr hat Seehofer drei Kinder. In Berlin führt er mehrere Jahre ein Zweitleben. Aus dem stammt eine Tochter. Karin Seehofer ist eine ehrgeizige Tennisspielerin und gilt als unpolitisch.

Nicht nur das Mietshaus in Schwabing, in dem die Udes leben, brachte Edith von Welser mit in die Ehe, sondern auch noch sechs Kinder. 15 Familienmitglieder wohnen unter einem Dach. „Edith ist seit 40 Jahren die Frau und Ratgeberin an meiner Seite“, sagt Ude. Die Fotografin und Schriftstellerin war SPD-Stadträtin und ist machtbewusst.

 


 

Tiere

Mit Familien-Labrador Mona streift Seehofer durchs Altmühltal. Udefix und Minchen heißen die beiden Katzen, die bei Ude in Schwabing Narrenfreiheit genießen.

 


 

Bayern

Mangelnde Geographiekenntnisse offenbart Ude gleich beim Start. Das unterfränkische Aschaffenburg verpflanzt er nach Oberfranken. Aber auch der Ministerpräsident selbst hat enorme Lücken: Ausgerechnet er, der an der Donau aufgewachsen ist, lässt sie verkehrt rum fließen.

 


 

Bierzelt

Die großen Bierzelt-Zampanos sind sie beide nicht. Ude redet gleichtönig im Stakkato, Seehofer im Plauderton. Beim Aschermittwoch holt sich der CSU-Chef Edmund Stoiber zur Verstärkung, aus Furcht, er könnte allein nicht für die nötige Stimmung sorgen. Um den Gillamoos machte er lange einen Bogen. Dass er nicht alle Bierzelte füllt, muss Seehofer spüren.

Für Ude ist es eine neue Erfahrung. Während er als Hobby-Kabarettist auf den Brettern der Bühnen gefeiert wird, muss er sich im Bierzelt ganz schön abarbeiten.

 


 

Lederhosen

Mit seiner Bundledernen zapft der Münchner OB seit zwei Jahrzehnten die Wiesn an. Seehofer dagegen verschmäht die Lederhosen. Er habe nicht so schöne Wadl wie Ude.

 


 

König

Als Retter in der Not holt die CSU Seehofer nach ihrem Wahldebakel 2008 nach München, macht ihn zum Ministerpräsidenten und CSU-Chef. Der liebt es jetzt majestätisch, regiert seine Partei und den Freistaat. Und vergleicht sich mit Bayern-König Max I.

Bürger-King ist Christian Ude in München. Am 12. September regiert er unangefochten seit 20 Jahren. In der Landeshauptstadt wird ihm der rote Teppich ausgelegt. 66,8 Prozent haben ihn zuletzt gewählt.

 


 

Niederlagen

Im Gesundheitsstreit um die „Kopfpauschale“ schmeißt die junge Parteichefin Bundeskanzlerin Angela Merkel 2004 den Querulanten Seehofer als Vize-Fraktionsvorsitzenden der Union raus. Seehofer taucht tagelang unter. Nach Stoibers Sturz unterliegt er 2007 Erwin Huber im Kampf um den Parteivorsitz.

Als aufstrebender SPD-Mann soll Ude 1987 das Münchner Kreisverwaltungsreferat übernehmen. Vier SPD-Stadträte aber wählen den CSU-Mann Hans-Peter Uhl. Ude fällt durch.

 


 

Schwächen

Unberechenbar, ein Eigenbrötler, der seine Entscheidungen einsam fällt, das trifft auf Seehofer zu. Ein Teamspieler war er noch nie. Nicht mal in seiner Handballmannschaft. Das Ändern seiner Meinung empfindet er aber als Stärke: „Der größte Irrtum ist, an einem Irrtum festzuhalten.“

An Kritik und Gegenwind muss sich Ude erst gewöhnen. Auf seinem OB-Thron konnte er tun und lassen, was er wollte. In München redete ihm niemand drein: nicht seine SPD, nicht die Grünen und nicht mal die Opposition CSU und FDP. In Einem aber sind sich die Kandidaten einig. „Ungeduld“, nennt jeder als seine Schwäche.

 


 

Stärken

Beide sind Macher und Stehaufmännchen mit Durchhaltevermögen. Bei der BayernLB, deren CSU-Großmanns-Sucht den bayerischen Steuerzahler zehn Milliarden Euro kostet, greift Seehofer sofort durch.

Ude macht München zur Wirtschaftsmetropole, entscheidet sich gegen die Privatisierungswelle der CSU-Landesregierung und verwandelt die Stadtwerke zum Goldesel.

 


 

Markenzeichen

Schnauzbart, Brille, Eitelkeit machen Ude für Karikaturisten schon lange unverkennbar. Auch Seehofer hat jetzt sein Image ab – und das funktioniert mit einer einzigen Handbewegung oder Körperdrehung: Beim „Drehhofer“ weiß jeder, wer das ist.

 


 

Humor

Den haben beide. Seehofer derbleckt gerne andere, lässt mit Vorliebe politische Testballons steigen. Wenn’s nicht funktioniert, hat er eine Erklärung: „War doch nur Spaß!“

Ude derbleckt sich selber. Gemeinsam mit seinem Double Uli Bauer zieht er mit dem „Doppelten Ude“ über die Kleinkunstbühnen und sorgt für viel Gelächter.

 


 

Taktik

Den Angreifer gibt Ude landauf, landab und arbeitet sich an Seehofer ab. Der stilisiert sich dagegen als lieber Landesvater, der sich um seine Landeskinder kümmert - völlig losgelöst, als gebe es keine CSU. Und den Namen seines Gegenspielers nimmt er erst gar nicht in den Mund, als sei der für ihn Luft.

 


 

Respekt

Den haben Seehofer und Ude voreinander. Sie ziehen gemeinsam an einem Strang, wenn’s nötig ist. Bei der Olympia-Bewerbung von München ergänzen sie sich perfekt. Den Hungerstreik der Asylbewerber am Münchner Rindermarkt lösen sie gemeinsam.

 


 

Chancen

Der Wahlkampf ist erst entschieden, wenn um 18 Uhr die Wahllokale schließen. Seehofer ist schon Umfrage-Sieger. Er steht stabil bei 47 Prozent. Aber 40 Prozent der Wähler sind noch unentschieden. Kann Ude bei ihnen punkten, könnte ihm gemeinsam mit Grünen und Freien Wählern ein Wechsel gelingen. Allerdings nur, wenn die FDP, für die es ganz knapp wird, rausfliegt.