Charmant, elegant und paneuropäisch

Beim European Dinner spielen mit IWF-Chefin Lagarde und CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer zwei starke Damen die Hauptrollen – die Herren sind stark beeindruckt.
| Clemens Hagen
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Annegret Kramp-Karrenbauer spricht beim European Dinner bei der Sicherheitskonferenz in München.
Sven Hoppe / dpa Annegret Kramp-Karrenbauer spricht beim European Dinner bei der Sicherheitskonferenz in München.

München - Christine Madeleine Odette Lagarde (63) ist bekannt als die langjährige Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die groß gewachsene Französin (1,83 Meter) gilt als so mächtig, dass sie mit einem Federstrich marode Länder vor dem Ruin retten – oder sie in den Staatsbankrott befördern kann. Je nach Prognose auf eventuelle wirtschaftliche Genesung.

Als sie an diesem Vorabend der Sicherheitskonferenz beim 5. European Dinner im Hotel Vier Jahreszeiten ans Rednerpult tritt, verzaubert sie, elegant und charmant, die 200 Gäste mit wenigen Worten. "Ich wäre nachlässig", beginnt Madame, "wenn ich Ihnen nicht allen einen fröhlichen Valentinstag wünschen würde. Ich hoffe, dass sich Ihre Vorstellung von einem romantischen Abend deckt mit Gesprächen über die Vorteile wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Weil die es sind, die Sie heute Abend bekommen werden."

Was folgt, ist eine kurze Anleitung für Staaten, um wirtschaftliche Prosperität zu erlangen. Nötig seien drei Dinge: Reformen des Arbeitsmarkts, Verbesserung des Geschäftsklimas und Anreize für Investitionen. Applaus. Dann bekommt Christine Lagarde aus den Händen von Ministerpräsident Markus Söder einen bayerischen Porzellanlöwen überreicht und verlässt die Bühne.

"Die Sicherheit nach außen muss absolut gewährleistet sein."

Zweite Hauptrednerin an diesem vom CSU-Ehrenvorsitzenden Theo Waigel und dem Münchner Rechtsanwalt Stavros Kostantinidis vorzüglich organisierten Abend ist CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Die zeigt sich auch gleich schlagfertig, indem sie auf Söders Seitenhieb, er habe als Finanzminister das Saarland, die Heimat Kramp-Karrenbauers, mehrfach teilentschuldet, antwortet: "Saarländer haben mit ihrer harten Arbeit in Gruben und Stahlwerken erst dafür gesorgt, dass Bayern in eine Lage kam, das Saarland teilentschulden zu können." Historisch Recht haben in diesem Fall wohl beide.

Kramp-Karrenbauer sagt in ihrer – frei gehaltenen – Rede, dass der Schutz der Außengrenzen für sie zu den wichtigsten Herausforderungen der Europäischen Union gehört. Um die Öffnung nach innen innerhalb Europas zu bewahren, "muss die Sicherheit nach außen absolut gewährleistet sein".

Daher müsse die EU weiter intensiv an ihrem Außengrenzenschutz arbeiten, dazu gehöre etwa ein funktionierendes Register für die Ein- und Ausreise in den Schengenraum und perspektivisch auch eine gemeinsame europäische Verteidigungspolitik. "Auch in Zukunft muss Europa in der Außen- und Sicherheitspolitik Kompetenzen bündeln", sagt Kramp-Karrenbauer.

"Nur Narren können davon träumen, dass der Binnenmarkt zerbricht."

Es ist ein Abend zweier starker Frauen, die es verstehen, ihre Standpunkte klar zu machen, ohne dabei auch nur eine Spur aggressiv zu wirken. Was das zu 90 Prozent männliche Publikum im Saal offensichtlich fasziniert. Paneuropäisch ist die Stimmung zwischen getrüffelter Maronensuppe und Rinderfilet mit Karotten und Kartoffelpüree. Theo Waigel als Gastgeber bringt es auf den Punkt, als er sagt: "Nur Narren können davon träumen, dass der Binnenmarkt zerbricht."

Eine höfliche Anspielung auf den Geisteszustand jener Politiker, die jenseits des Ärmelkanals ohne Rücksicht auf Verluste Großbritanniens Austritt aus der Europäischen Union vorantreiben. Aber der Brexit ist nicht das Thema, sondern vielmehr die Erfolgsgeschichten einstiger wirtschaftlicher Sorgenkinder Europas wie Portugal und Griechenland.

Letzteres wird an diesem Abend repräsentiert von Kyriakos Mitsotakis, dem Vorsitzenden der konservativen Partei Nea Dimokratia und – sollten die Umfragen Recht behalten – kommenden Ministerpräsidenten seines Landes. Theo Waigels Appell an die Gekommenen, damit das Erfolgsmodell Europa auch ein solches bleibt: "Wir brauchen Mut, Engagement, Zuversicht und die Bereitschaft zu Kompromissen."

Newsblog: Sicherheitskonferenz 2019 in München

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