Brüssel: CSU warnt vor "schmutzigem Deal" in Flüchtlingspolitik

Endlich tut sich auf europäischer Ebene etwas in Sachen Asylpolitik. Am Sonntag gibt es dazu einen Minigipfel in Brüssel. Doch auch daran mäkelt die CSU bereits rum. Genauso wie an einer zentralen Absprache von Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Macron.
von  dpa

Berlin - Mit Blick auf das Treffen mehrerer EU-Staaten zur Flüchtlingspolitik am nächsten Sonntag kommt aus der CSU die Warnung an Kanzlerin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), keinen "schmutzigen Deal" zu schließen. "Wir haben die Sorge, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel jetzt mit dem Scheckbuch durch Europa läuft.

CSU will keinen Deal zu Lastern der Steuerzahler

Sie braucht Griechenland und Italien für eine Lösung in der Flüchtlingsfrage", sagte CSU-Vorstandsmitglied Markus Ferber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Für die CSU ist klar: Es darf keinen Deal zu Lasten der deutschen Steuerzahler geben. Es geht nicht, Dinge zu vermischen, die nicht zusammengehören." Ähnlich hatte sich auch schon Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geäußert.

Am Rande ihres USA-Besuchs sprach sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) dafür aus, den europäischen Weg fortzusetzen. "Wir sind noch lange nicht fertig mit den Aufgaben, aber wir sind einen gewaltigen Schritt vorangekommen", sagte sie am Mittwoch (Ortszeit) in Washington. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise seien im Schnitt am Tag 10.000 Menschen nach Deutschland gekommen, heute seien es noch 450 im Durchschnitt. "Das sind 95 Prozent weniger." Das sei zwar noch nicht das, was man erreichen wolle. "Aber wir haben Strecke gemacht und das haben wir gemeinsam in Europa geschafft und insofern sollten wir diesen gemeinsamen europäischen Weg auch weitergehen."

Minigipfel in Brüssel: Kann Merkel weitere Regierungen für bilaterale Abkommen gewinnen?

Zu dem informellen Arbeitstreffen am Sonntag in Brüssel hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker eingeladen. Neben Deutschland kommen dem Vernehmen nach Österreich, Italien, Frankreich, Griechenland, Bulgarien, Spanien und die Niederlande. Juncker sprach auch von Belgien. Ob es Merkel tatsächlich gelingt, außer Frankreich weitere Regierungen für bilaterale Flüchtlingsabkommen zu gewinnen, ist fraglich. Italiens Innenminister Matteo Salvini lehnte es am Mittwoch ab, dort registrierte und nach Deutschland weitergereiste Asylbewerber zurücknehmen.

Der Fraktionsvorsitzende der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament, Manfred Weber (CSU), begrüßt den Gipfel zur Migration allerdings. "Ich bin froh, dass endlich Bewegung in der Migrationsdebatte ist, und Ergebnisse greifbar sind. Deshalb ist das Treffen am Sonntag gut", sagte er der "Saarbrücker Zeitung".

Kritik an Absprache von Merkel und Macron

Wie Ferber stellte sich auch der CDU-Politiker und Merkel-Kritiker Christian von Stetten gegen ein Eurozonen-Budget. Darauf hatten sich am Dienstag Merkel und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron verständigt. Sollte der EU-Gipfel diese Überlegungen in der kommenden Woche bestätigen, "befürchte ich, dass die Bundesregierung bei der anschließenden Umsetzung im Deutschen Bundestag auf Stimmen aus der Opposition angewiesen sein wird", sagte von Stetten der "Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten".

CSU-Chef und Innenminister Horst Seehofer wiederholte seine Kritik, dass die Pläne Merkels und Macrons nicht mit seiner Partei abgestimmt gewesen seien. "Es ist kein guter Stil, wenn man solch wichtige Vereinbarungen trifft und die CSU nicht beteiligt. Das geht nicht", sagte er der "Passauer Neuen Presse".

Kritik an der CSU

Der frühere SPD-Vorsitzende Martin Schulz warf der CSU vor, den Koalitionsvertrag zu brechen. "Es ist ein unsäglicher Vorgang, dass die CSU sich gegen die Beschlüsse für ein Eurozonen-Budget stellt", sagte Schulz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Die CSU beruft sich ständig auf den Koalitionsvertrag, wenn es um die Flüchtlingspolitik geht - nur beim Thema Europa soll er nicht mehr gelten. Das geht so nicht."

Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz warf der CSU vor, ihre Parteiverantwortlichen erklärten praktisch täglich Europarecht für obsolet. "Stattdessen bedient man die Verschwörungstheorie von der "Grenzöffnung 2015" - der rechtsreaktionären Dolchstoßlegende unserer Zeit - und diskreditiert damit politische Entscheidungen an denen man unmittelbar in jahrelanger Regierungsverantwortung beteiligt war", sagte von Notz der "Augsburger Allgemeinen".

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