AZ-Kommentar: Gegen die Eiferer

Die Gewaltexzesse von Suhl sollten nicht ausschließlich als Folge der prekären Unterbringung abgetan werden, findet AZ-Vizechefredakteur Timo Lokoschat.
| Timo Lokoschat
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Unappetitlich ist das Suhler Süppchen, das Rechtsradikale gerade hochkochen lassen. Ausgerechnet jene, die prinzipiell lieber zuschlagen statt zu reden, regen sich jetzt über Gewalt auf. Kurios und durchschaubar.

Trotzdem sollte der Vorfall vom demokratischen Spektrum der Parteienlandschaft nicht einfach politisch korrekt als „interreligiöses Missverständnis“ abgetan werden, das sich geradezu zwangsläufig aus der prekären Unterbringung ergebe.

Sicher: Müssen viele Menschen auf engstem Raum zusammenleben, fördert das Konflikte – auch unter Deutschen. In Suhl waren jedoch erkennbar Fanatiker am Werk.

Der Vorschlag, Asylbewerber künftig nach Ethnien und Religionen zu trennen, wäre eine Kapitulation vor der Intoleranz, das Gegenteil von Integration. Und sowieso keine Dauerlösung: Wer hier leben will, muss schließlich auch später mit Menschen unterschiedlichster Religion, Herkunft und Prägung klarkommen. Wer das nicht kann, ist in Deutschland wohl nicht ganz richtig.

Gewalttäter zu identifizieren und ihnen kein Asyl zu gewähren, sind die Behörden vor allem auch jenen friedlichen Flüchtlingen schuldig, die gerade aus Angst vor religiösen Eiferern und Verbrechern ihr Land verlassen haben.

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