AZ-Interview zu Paragraf 219a: Frauen wird Naivität unterstellt

Der Reformvorschlag zu Paragraf 219a und die Folgen: Betroffene brauchen bessere Informationen, sagt Sozialarbeiterin Sabine Simon. 
| Interview: Julia Sextl
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Sabine Simon: "Es stimmt einfach nicht, dass Frauen zu einem Abbruch motiviert werden könnten, nur, weil sie sich informieren."
privat Sabine Simon: "Es stimmt einfach nicht, dass Frauen zu einem Abbruch motiviert werden könnten, nur, weil sie sich informieren."

Sabine Simon leitet die Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen des Evangelischen Beratungszentrums München. Die 53-Jährige weiß um die Nöte vieler Frauen. Im AZ-Interview sagt sie, was sie von der aktuellen Debatte hält.

AZ: Frau Simon, geht Ihnen der am Mittwochabend von den Fachministern ausgehandelte Vorschlag zu Paragraf 219a weit genug?
SABINE SIMON: Wenn das so umgesetzt würde, dass Bundesärztekammer und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Kontaktinformationen zu Ärzten zur Verfügung stellen, wäre das perfekt! Dann hätten alle Beratungsstellen und Frauen endlich Zugang zu Adressen, an denen Abbrüche angeboten werden.

Wie war das denn bisher?
Nach dem Bundesgesetz dürfen schon jetzt alle staatlich anerkannten Beratungen für Schwangerschaftsfragen Adressen von solchen Einrichtungen herausgeben. Nur in Bayern ist das aufgrund des bayerischen Schwangerenhilfe-Ergänzungsgesetzes nicht erlaubt.

Was Sabine Simon als "sehr demütigend" empfindet 

Wie erfahren die Frauen dann, wer Abbrüche vornimmt?
Diese Adresslisten bekommen in Bayern nur wenige kommunale Träger, die Gesundheitsämter und die Krankenkassen. Wenn mich zum Beispiel eine Frau aus Fürstenfeldbruck nach einem Arzt in ihrer Nähe fragt, kann ich sie nur ans Gesundheitsamt verweisen. Dort muss sie sich dann beim Portier durchfragen, wer zuständig ist.

Wird ein Abbruch Frauen in Bayern also besonders schwergemacht?
Ja. Zumal sie dann die Liste nicht einmal kopieren dürfen, sondern mit der Hand abschreiben müssen. Das wird als sehr demütigend empfunden. Wenigstens die Beratungsstellen müssten den Frauen sagen dürfen, zu wem sie gehen können und welcher Arzt welche Abbruch-Methode anbietet. Ich persönlich finde es auch fragwürdig, dass Ärzte solche Informationen bislang nicht auf ihre Homepage stellen durften.

Frauen könnten ja dann in ihrer Entscheidung beeinflusst werden, heißt es.
Das ist einfach eine veraltete Regel. Da wird den Frauen ja regelrecht Naivität unterstellt, höchstgradige Beeinflussbarkeit. In allen anderen Bereichen gäbe es doch sofort einen Aufschrei bei so einer Unterstellung – als würden Menschen dadurch zu irgendetwas verleitet, was sie eigentlich nicht wollen. Es stimmt einfach nicht, dass Frauen zu einem Abbruch motiviert werden könnten, nur, weil sie sich informieren. 

Lesen Sie hier den AZ-Kommentar zum Thema Paragraf 219a

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