Augen auf!

"Das Betreuungsgeld zementiert soziale Unterschiede." Georg Thanscheidt, der Vize-Chefredakteur der AZ, über Problemkinder und Problempolitiker.
Georg Thanscheidt |
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Man kann es gar nicht oft genug sagen und schreiben: Die Pläne der CSU zum Betreuungsgeld gehen komplett an der Realität vorbei – die Herdprämie ist ungerecht, uneffektiv und zementiert soziale Unterschiede. Ein Blick auf die Situation von benachteiligten Kindern selbst im reichen München zeigt das – und zwar so unmissverständlich, dass selbst Herr Dobrindt oder Frau Haderthauer davor eigentlich nicht die Augen verschließen können.

Mehr als 200 „Problemkinder“ haben Experten der Stadt München zu Hause besucht. Das Ergebnis: Die Kleinen werden falsch ernährt, bewegen sich zu wenig, sehen zu viel Fernsehen. Und vor allem: Nicht eines von ihnen geht in den Kindergarten – weil es einfach nicht genügend Plätze gibt.

Was würde eine Herdprämie von bis zu 150 Euro pro Monat daran ändern? Gar nichts – außer dass der Fernseher vielleicht etwas größer und die Chips-Portionen noch zahlreicher würden. Was diese Eltern wirklich brauchen – und haben wollen – , sind Kindergartenplätze. Betreuungseinrichtungen, in denen auf die Ernährung geachtet wird, die Kleinen Sport machen, sprachliche und soziale Fähigkeiten entwickeln.

Studienergebnisse aus Skandinavien zeigen, dass vor allem Mütter mit wenig Geld, geringer Bildung und Migrationshintergrund lieber das dort vor fast 30 Jahren eingeführte Betreuungsgeld nehmen als ihre Kinder in den Kindergarten zu schicken. Das Ergebnis: schlecht ausgebildete Kinder von schlecht ausgebildeten Eltern. Will das die CSU wirklich.

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