"Atom durch Gas ersetzen"

Verbraucherministerin Aigner über den Ausstieg, die künftigen Strom-Kosten und die Konkurrenz zwischen Stromerzeugung und Landwirtschaft. Am Freitag kommt Merkel zur CSU nach Andechs.  
| Angela Böhm
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Verbraucherministerin Aigner über den Ausstieg, die künftigen Strom-Kosten und die Konkurrenz zwischen Stromerzeugung und Landwirtschaft. Am Freitag kommt Merkel zur CSU nach Andechs. 

München -  Seehofer setzt Merkel unter Atom-Druck. Wenn sie am Freitagabend  ins Kloster Andechs zur Ausstiegs-Klausur des CSU-Vorstands kommt, hat der Oberbayer schon vollendete Tatsachen geschaffen. Als erste Regierungspartei legt sich die CSU fest auf ein endgültiges Aus für die Kernenergie im Jahr 2022. Die Kanzlerin will erst am 6. Juni entscheiden, bis wann Deutschland komplett aus der Atomkraft aussteigt. Was auf die Bürger jetzt zukommt – die AZ hat mit Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner gesprochen.

AZ: Ist der Atomausstieg für die CSU keine Sachfrage mehr, sondern nur noch eine Machtfrage?

ILSE AIGNER: Uns geht's um die Sache. Wir müssen Antworten geben auf die Frage, wie Deutschland am schnellsten aussteigen kann.

Seehofer fürchtet nur, sonst 2013 die Wahlen zu verlieren.

Der Ausstieg ist längst beschlossene Sache. Jetzt müssen wir über den besten und schnellsten Weg reden. Das ist die Messlatte. Die Grünen verkaufen die Leute für dumm, wenn sie so tun, als müsste man nur ein Datum festlegen und dann den Schalter umlegen. So einfach geht's nicht.

Das tut die CSU jetzt auch mit 2022 und hat sich darüber noch tagelang gestritten.

Der Atomausstieg ist eine wichtige Zukunftsfrage - deshalb lohnt sich ein Wettstreit der Ideen. Wenn wir das Atomgesetz ändern, ist es erforderlich, ein konkretes Datum zu nennen. Aber ich sage auch: Ob wir nun zwölf Monate früher oder später das letzte AKW stilllegen, ist die zweite Frage. An erster Stelle steht: Wir brauchen sichere Energie zu bezahlbaren Preisen!

Gerade Sie als gelernte Elektrikerin wissen ja, dass bei der Speicherkraft der regenerativen Energien noch viele Fragen ungelöst sind.

Wir könnten einen großen Teil des Atomstroms, der in Bayern heute noch 60 Prozent ausmacht, durch neue Gaskraftwerke ersetzen. Der Vorteil: Man kann Netzstabilität garantieren und sowohl Erdgas als auch Gas aus erneuerbaren Energien nutzen. Eine vernünftige Übergangslösung.

Heißt das: Wir bauen ein paar Gaskraftwerke an den Tegernsee?

Die Frage neuer Standorte wird sich erst später stellen, aber fest steht: Wollen wir weg vom Atomstrom, brauchen wir Alternativen.

Wie teuer wird das für den Verbraucher?

Das kann seriös überhaupt keiner sagen, solange das Energiekonzept noch nicht steht. Mich nervt es, dass jeden Tag irgendwelche selbsternannten Experten ihre privaten Prognosen unters Volk bringen. Da könnten sie genauso gut versuchen, heute schon das Wetter für Weihnachten vorherzusagen.

Bauern werden Energiewirte, weil sich mit Biogas mehr verdienen lässt, als mit Milch. Können wir es uns leisten, dass Mais und Getreide nicht auf dem Teller landet, sondern in Strom verwandelt wird?

Wir können in Deutschland nachhaltig und umweltfreundlich Biomasse produzieren und energetisch nutzen, ohne dass es zu existenziellen Konkurrenzen kommt. Klar ist: Die Produktion von Nahrungsmitteln muss Vorrang haben! Wir müssen für Bioenergie mehr Reststoffe verwerten und bei Biogasanlagen dezentrale Lösungen und kleinere Anlagen vor Ort fördern. Das spart lange Transportwege und erhöht die Wertschöpfung in ländlichen Regionen.

Seehofer braucht 2022 keine Rechenschaft mehr abzugeben, da ist er 73 und Rentner. Werden Sie diejenige sein, die dann Verantwortung übernehmen muss, ob die Energiewende funktioniert?

Ich bitte Sie: 73 ist doch kein Alter - da ist Adenauer erst zum Kanzler gewählt worden!

 

 

 

 

 

 

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