Anschlag in Tel Aviv: Keine Notwehr, sondern Mord

Warum die Bürger von Tel Aviv Solidarität verdienen, schreibt der stellvertretende AZ-Chefredakteur Timo Lokoschat.
| Timo Lokoschat
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Aufnahme der Überwachungskamera: Einer der Attentäter (beide im Anzug) schießt auf einen älteren Mann. Getroffen sinkt er auf die Knie.
dpa Aufnahme der Überwachungskamera: Einer der Attentäter (beide im Anzug) schießt auf einen älteren Mann. Getroffen sinkt er auf die Knie.

Die beeindruckendste Reaktion kam von Ron Huldai, dem Bürgermeister von Tel Aviv. Bereits kurz nach dem Anschlag verbreitete er auf Twitter den Satz: „Eine traurige Nacht, aber diese Stadt wird NICHT AUFHÖREN.“

Was er meint: Tel Aviv wird nicht aufhören, das Leben zu feiern; nicht aufhören, den Menschen keine Vorschriften zu machen, was sie anziehen, welche Musik sie hören, welche Berufe sie ergreifen, woran sie glauben oder wen sie lieben müssen. Tel Aviv wird nicht aufhören so zu sein, wie es ist: liberal, tolerant, weltoffen.

Eigenschaften, die radikale Muslime hassen, nicht nur an Tel Aviv, sondern auch an Paris, Brüssel, Berlin und München. Deshalb verdient die Stadt, verdienen ihre Bürger Solidarität.

Daran sollte auch Kritik an der israelischen Siedlungspolitik nichts ändern. Die Terroristen haben nicht in Notwehr gehandelt, als sie Zivilisten kaltblütig erschossen. Sie sind keine Helden, sie sind Mörder.

An ihrem Hass auf die Freiheit würde auch ein „Palästinenserstaat“ nichts ändern; ein Staat, der sich mit einer Terrororganisation an der Spitze in Sachen Menschenrechte wohl eher an den reaktionären Nachbarländern orientieren würde als am demokratischen Israel; ein Hamas-Fatah-Staat, der ethnische und religiöse Reinheit anstrebt und der für Frauen und Andersgläubige unbequem werden dürfte.

Es ist auch nicht Perspektivlosigkeit, die die Terroristen von Tel Aviv antreibt, wie es gerne entschuldigend heißt, sondern die Perspektive, dass sich irgendwann alle ihrem Scharia-Wahn unterwerfen.

Die bittere Wahrheit ist: Das kleine Israel führt seit Jahren einen Kampf, der Europa noch bevorstehen könnte. Hoffentlich reagieren unsere Gesellschaften ähnlich wie die Bürger von Tel Aviv: nicht mit Panik und Resignation, sondern mit stolzem Trotz und einer Jetzt-erst-Recht-Attitüde.

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