Annette Schavan: "Person und Gewissen"

Der AZ-Chefredakteur Arno Makowsky über die Plagiatsvorwürfe gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan.  
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Der AZ-Chefredakteur Arno Makowsky über die Vorwürfe gegen Annette Schavan.

Sie schäme sich nicht nur heimlich, hat Annette Schavan gesagt, als bekannt geworden war, dass Theodor zu Guttenberg seine Dissertation gefälscht hatte. Dieser Satz fällt nun auf sie selbst zurück, wobei bis jetzt nicht klar ist, ob sie sich denn tatsächlich schämt. Ein Gutachten der Universität Düsseldorf wirft Annette Schavan eine Täuschungsabsicht beim Verfassen ihrer Doktorarbeit vor. Die Bildungsministerin als Promotionsbetrügerin? Wenn sich das erhärten sollte – und dafür spricht vieles –, dann muss Schavan zurücktreten.

Wie es aussieht, macht sie im Moment den gleichen Fehler wie zu Guttenberg. Anstatt sofort alle Fakten auf den Tisch zu legen, eiert sie herum, will erst mal prüfen, überlegen, Zeit gewinnen. Das wird ihr nichts nützen, auch wenn sich die Opposition in Berlin bei ihr viel stärker zurückhält als im Fall Guttenberg.

Es ist ja wahr: Annette Schavan wirkt als Politikerin vielleicht ein bisschen langweilig, aber sie ist keine Blenderin – und sie kann 30 Jahre ernsthafter politischer Arbeit nachweisen. Auch wiegen die Vorwürfe weniger schwer als bei den vielen anderen Politikern, die ihren Doktortitel zurückgeben musste. Sie hat offenbar schlampig zitiert und statt mühsam Primärquellen zu studieren, sich lieber auf die Erkenntnisse anderer Wissenschaftler verlassen. Richtiger Betrug geht anders – ob sie das rettet?

Ihre Arbeit trägt übrigens den Titel: „Person und Gewissen. Studien zu (...) Erfordernissen heutiger Gewissensbildung.“

 

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