Angst und Trauer in Boston

Die Suche nach den Tätern geht unvermindert weiter. Verunsicherung ist überall zu spüren
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Die massive Polizeipräsenz ist in Boston immer noch überall zu spüren.
AP Die massive Polizeipräsenz ist in Boston immer noch überall zu spüren.

Bomben-Alarm, Misstrauen, Hobby-Detektive im Netz: Dass die Täter von Boston noch nicht gefasst sind, beunruhigt viele

BOSTON „Anschläge in Boston“ – „Explosion in Fabrik“ – „Angst vor Rizin“! Die Laufbänder auf den Fernsehbildern des US-Senders CNN sprechen Bände. Die Menschen wissen gar nicht, wo sie zuerst hinschauen sollen, vor lauter Schreckensnachrichten. Die Trauer, aber auch die alte Post-9/11-Paranoia ist mit Macht zurück.

Noch immer gibt es keine Erkenntnisse zu den Tätern. Zwar hat die Polizei eine vielversprechende Spur, sagte der Vorsitzende des Bostoner Stadtrats, Stephen Murphy. Ihm zufolge hat die Polizei Videoaufnahmen von einem oder zwei Männern, die am Tatort Taschen abstellten. Die Aufnahmen stammen von der Überwachungskamera eines Geschäfts auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Der Mann auf dem Video ist noch unbekannt

„Die Videoaufnahmen könnten einen Wendepunkt in der bisherigen Suche nach den Attentätern darstellen“, sagte Murphy. „Die Ermittler könnten kurz davor sein, jemanden festzunehmen, und das ist gut.“ Auch aus Polizeikreisen wurde bestätigt, dass es das Bild eines Verdächtigen gebe. Aber: Der Mann ist bisher noch nicht identifiziert.

Schon am Mittwoch hatten US-Fernsehsender eine Festnahme gemeldet – doch das wurde vom FBI umgehend dementiert. Die Ermittler zeigten sich verärgert über die Spekulationen: „Lassen Sie in dieser frühen Phase der Ermittlungen Vorsicht walten“, mahnte das FBI die Medien.

Kurz darauf ging beim Bostoner Bundesgericht eine anonyme Bombendrohung ein. Vor dem Gebäude hatten sich zuvor zahlreiche Reporter postiert, um mehr über die angeblichen Festgenommenen zu erfahren. Das Gebäude wurde sofort geräumt. Auch das Brigham Hospital und das Rathaus von Oklahoma City wurden evakuiert – Anwohner hatten verdächtige Fahrzeuge vor den Gebäuden gemeldet. Alle vermeintlichen Bedrohungen stellten sich als Fehlalarm heraus.

Schwarze Rucksäcke sind verdächtig

Dann tauchten wenig später die ersten Nachrichten über Gift-Briefe bei US-Präsident Obama auf. Eine für den Abend angesetzte Pressekonferenz wurde abgesagt. Hysterie allerorten. Etwas mehr handfeste Erkenntnisse erhoffen sich die Ermittler nun von der so genannten „Bomben-Handschrift“ – der charakteristischen Bauweise der Bombe. Dass sie mit einer Eieruhr gezündet wurde, spreche gegen Profis wie El-Kaida und für inländische Terroristen, sagen Experten. Andererseits seien auch US-Truppen im Irak und Afghanistan mit solchen Bomben angegriffen worden.

Derweil inspirieren die Berichte von schwarzen Nylon-Rucksäcken, in denen die mit Nägeln und Schwarzpulver gefülllten Schnellkochtopf-Bomben versteckt gewesen sein sollen, Hobby-Detektive an heimischen Schreibtischen rund um den Globus. Sie halten jetzt auf Fotos vom Marathon nach potenziell Verdächtigen Ausschau und halten ihre Beobachtungen in sozialen Netzwerken und auf Blogs fest. Problem: Fotos kann man fälschen und nicht jeder, der einen schwarzen Rucksack trägt, ist ein Terrorist. „Ihr habt doch alle zu viel CSI geschaut“, erregt sich ein Internet-User in einem Blog-Kommentar. Ein anderer schreibt: „Überlasst die Arbeit doch bitte den Profis.

Trauerfeier für die Opfer


Die meisten Amerikaner versuchen derweil, Ruhe zubewahren. Die Boston Bruins, das lokale Eishockey-Team, hat am Mittwoch zum ersten Mal wieder gespielt, gegen die Buffalo Sabres. In Erinnerung an die Anschläge ließ der Verein Gedenk-Trikots drucken: „Boston Strong“ steht darauf.

Auch bei vielen anderen Sportveranstaltungen gab es Gedenkminuten, genauso auch im Weißen Haus in Washington und bei den Vereinten Nationen in New York. Am Donnerstag nahm US-Präsident Barack Obama an einer Trauerfeier in der Heiligkreuz-Kathedrale teil. Die Kirche ist nur eine Meile von der Ziellinie des Boston Marathons entfernt.

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