Alexander Hold: "Wir müssen Klartext reden"

Alexander Hold kennen die meisten aus der nach ihm benannten TV-Gerichtsshow. 2017 bewirbt sich der Richter für die Freien Wähler um das Amt des Bundespräsidenten. Im Gespräch mit der AZ erzählt er, warum er denkt, ein gutes Staatsoberhaupt zu sein
| Interview: Uli Karg
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So hat alles begonnen: Am 12. November 2001 startet Richter Alexander Hold mit seiner TV-Show auf Sat1. Seitdem ist er der wohl bekannteste Richter
Deutschlands.
Sat.1/Rauner So hat alles begonnen: Am 12. November 2001 startet Richter Alexander Hold mit seiner TV-Show auf Sat1. Seitdem ist er der wohl bekannteste Richter Deutschlands.

Der 54-jährige Jurist Alexander Hold sitzt seit 2008 für die Freien Wähler im Kemptener Stadtrat, seit 2014 ist er Fraktionsvorsitzender. Als Hauptdarsteller einer nach ihm benannten Gerichtsshow zählt Hold auch zur nationalen TV-Prominenz. Jetzt will er für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren. Die AZ hat ihn zum Interview getroffen.

AZ: Herr Hold, die Reaktionen der politischen Konkurrenz auf Ihre Kandidatur reichten von süffisant bis vernichtend. Wirtschaftsministerin Ilse Aigner sprach davon, dass es sich bei der Wahl des Bundespräsidenten um keine "Spaßveranstaltung" handelt. Welchen Eindruck hat das bei Ihnen hinterlassen?
Alexander Hold: Dazu kann ich nur sagen, dass ich aus der Bevölkerung eine sehr, sehr große Zustimmung erfahren habe. Die Menschen nehmen das ernst, weil sie wissen, dass ich kein Schauspieler bin, der sich um eine neue Rolle bewirbt.

Sondern?
Jemand, der ehrenamtlich in der Politik aktiv ist. Und zum Ehrenamt haben die Menschen, so erlebe ich das zumindest, derzeit mehr Vertrauen als zum Berliner Politikbetrieb. Viele sind von der aktuellen Politik sehr enttäuscht, weil sie sich einfach zu sehr von den Menschen entfernt hat.

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Als Bundespräsident sehen Sie sich also in der Pflicht, den Bürgern Politik wieder nahezubringen?
Es ist die Aufgabe des Bundespräsidenten, Politik verständlich zu machen. Die Erklärung von Vorgängen ist entscheidend. Ich mache seit 15 Jahren Fernsehen und begegne täglich Menschen, die mir sagen: Wenn wir nur mehr Richter hätten, die so menschlich entscheiden wie Sie. Darauf kann ich dann nur antworten, dass wir natürlich mehr solche Richter haben, dass ich meine Entscheidungen aber immer so erkläre, dass man sie auch nachvollziehen kann. Es wäre schön, wenn dies in der Politik auch gelänge.

Die Rolle des Bundespräsidenten ist überparteilich angelegt. Sie müssten also, wenn es um die Bundesregierung geht, eine Politik erklären, die die Freien Wähler scharf kritisieren.
Es ist natürlich immer leichter, Politik zu erklären, mit der man auch einverstanden ist. Wobei ein Bundeskanzler, der lange daneben liegt, nicht mehr lange Kanzler sein wird. Abgesehen davon muss man aber Klartext reden und den Menschen deutlich machen: Wir haben es hier mit einer Entscheidung zu tun, die aus diesen und jenen Gründen durchgesetzt werden muss. Ein Bundespräsident muss darüber hinaus erklären, dass mit populistischen Positionen nichts gewonnen ist, und mit extremistischen Positionen keine Lösungen zu erwarten sind.

Womit wir bei einem wesentlichen und heutzutage wohl entscheidenden Aspekt wären: dem Bundespräsidenten als integrativer Kraft.
Es stimmt: Die politischen Ränder haben Zulauf. Allerdings nicht, weil grundsätzlich falsche Politik gemacht wird, sondern weil es große Aufreger gibt, die nicht verstanden werden. Deshalb müssen wir immer wieder aufs Neue betonen, was wir in der Bundesrepublik Deutschland geschafft haben und dass wir unsere freiheitliche-demokratische Grundordnung verteidigen müssen.

Wie wollen Sie das jemandem beibringen, der sich seine Weltsicht täglich von neuen Verschwörungs-Seiten im Internet bestätigen lässt?
Es ist in der Tat ein Problem, dass viele Menschen mit der Informationsflut nicht zurechtkommen und nur noch auf der Suche nach einer Bestätigung ihrer vorgefertigten Meinung sind. Da ziehen dann auch platte Parolen. Es muss deshalb die gemeinsame Aufgabe von Politik und Medien sein, diese Leute wieder ins Boot zu holen. Und das geht nur über erklären, erklären, erklären.

Und woher nehmen Sie die Zuversicht, dass die Enttäuschten dieser Republik diese Erklärungen annehmen?
Aus meinen Erfahrungen aus 25 Jahren Berufstätigkeit in Justiz und Fernsehen. Sehen Sie: Ein Großteil meiner Aufgaben besteht darin, Fälle exemplarisch zu erklären. Und ich habe es, speziell wenn Schulklassen in den Verhandlungen waren, immer wieder erlebt, wie sich ein Fall plötzlich ganz anders darstellen kann. Dann nämlich, wenn man merkt, dass man es eigentlich nicht mit einem Fall, sondern mit Menschen zu tun hat.

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