Abkehr vom Acht-Stunden-Tag: Kein Freibrief für Ausbeutung
Samstags gehört Vati mir! Ziemlich lange her, diese Gewerkschaftserrungenschaft. 1956 wurde mit dieser Aktion für die Fünf-Tage- und 40-Stunden-Woche geworben. Und heute? Gibt es zahllose Vatis, die im Krankenhaus samstags Spritzen setzen, Schnitzelteller am Chiemsee servieren, Taxi fahren oder in Onlinenachrichtenredaktionen die aktuellen Aussagen von Donald Trump vermelden – und Muttis natürlich auch.
Wenn nun, nach 70 Jahren, Hand angelegt wird an den Acht-Stunden-Tag und eine Wochenarbeitszeit ihn ersetzen soll, ist das nicht per se etwas Schlimmes. Vielleicht kann Vati dann nämlich mal unter der Woche freihaben und nicht nur am Samstag mit dem Kind in den Tierpark gehen.

Dass die Regierung flankierend unter anderem Überstundenzuschläge steuerfrei stellen möchte, ist auch kein Nachteil – zumindest für jene, die solche Zuschläge erhalten. Letztlich geht es um eine Flexibilisierung und eine Anpassung des Erlaubten an die Anforderungen des jeweiligen Jobs, nicht um einen Zwang zu immer längeren Arbeitstagen. Dazu gehört aber auch, dass die Arbeitszeiten und Pausen genau erfasst werden und nicht im Ungefähren verschwinden: Die neuen Regeln dürfen kein Freibrief für Ausbeutung sein.
Die andere Seite der „Lifestyle-Teilzeit“
Die Mitarbeiter in Tourismusbetrieben, in Hotels und Restaurants, für deren Arbeitsalltag die Pläne von Schwarz-Rot vor allem gedacht sind, würden vielleicht auch noch ganz andere Debatten führen wollen: die um mehr Geld, die um einen anderen Umgangston, die um Wertschätzung durch Arbeitgeber und Gäste. Die Abkehr vom Acht-Stunden-Tag ist letztlich die andere Seite der geschmähten „Lifestyle-Teilzeit“: Jeder sollte nach seiner Façon arbeiten können – wenn er es denn will.

Denn Pflegekräfte, das hat gerade erst eine Umfrage ergeben, wollen zu einem großen Teil weniger als 40 Stunden in der Woche arbeiten – und auch das sollte möglich sein, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig sind.
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