Abgeordnete berichtet unter Tränen von eigenem Erlebnis

In einer Bundestagsdebatte über Gewalt gegen Frauen hat die Linke-Abgeordnete Kathrin Gebel unter Tränen von einem eigenen Erlebnis berichtet. "Ich war 17", sagte Gebel. "Er lockte mich unter dem Vorwand, einen Film mit Klassenkameraden zu gucken, in seine Wohnung. Früher arbeitete er an meiner Schule. Es war spät, ich war allein. Ich wusste nicht, wie ich nach Hause komme. Als ich ankam, waren keine Klassenkameraden da." Weiteres sagte sie dazu nicht.
Die 28 Jahre alte Abgeordnete aus Nordrhein-Westfalen setzte die Rede fort, indem sie zum allgemeinen Thema der Debatte zurückkehrte, der Bekämpfung von sexualisiertem Missbrauch und dem Fall des US-amerikanischen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. "Drei Millionen Aktenzeichen gibt es zu Epsteins Gewaltnetzwerk", sagte Gebel. Bevor sie über ihren eigenen Fall sprach, hatte Gebel das Schicksal von Virginia Giuffre geschildert, die zu den bekanntesten Opfern im Missbrauchsskandal um den US-Multimillionär gehörte und im Alter von 41 Jahren gestorben war.
Sitzungsleiter dankt dem Parlament
Gebel unterstützte im Weiteren die Forderung einer Betroffenenvereinigung nach mehr Aufklärungsarbeit zum Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, nach Konsequenzen für die Täterinnen und Täter und einfacherer Hilfe für Betroffene. Gebler kritisierte, dass in Deutschland Verfahren wegen sexualisierter Gewalt zu häufig eingestellt würden. Anders als in Großbritannien, Frankreich oder Polen werde auch aktuell nicht im Zusammenhang mit dem Fall Epstein ermittelt. "In Deutschland kein einziges Wort von Friedrich Merz", kritisierte sie.
Der Sitzungsleiter, Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne), dankte vor der Ansage des nächsten Redners dafür, "dass es hier möglich ist, eine solche Rede zu halten". Er ergänzte, er möchte allen danken, "die geholfen haben, dass das ermöglicht worden ist, dass eine solche emotionale Rede hier gehalten werden konnte". Nach ihrer Rede wurde Gebler unter anderem von ihrer Fraktionskollegin Clara Bünger umarmt.
Beantragt worden war die Aktuellen Stunde mit dem Thema "Kein Wegschauen auf Kosten der Betroffenen – Gewalt gegen Frauen, sexuellen Missbrauch und Netzwerke des Machtmissbrauchs aufklären und bekämpfen" von den Grünen.