Zweites Kleinkind stirbt in Berlin

In der der deutschen Hauptstadt gibt es ein zweites Impf-Opfer. Der zweijährige Junge starb allerdings nicht an der grassierenden Masern-Epidemie, sondern an einer Meningokokken-Infektion. Grund war die fehlende Schutzimpfung gegen den häufigsten Erreger der Serogruppe B.
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Impfungen im Kleinkindalter können Leben retten
ddp images Impfungen im Kleinkindalter können Leben retten

Nach dem Tod eines Kleinkinds durch die Masern gibt es in der deutschen Hauptstadt nun offenbar ein zweites Impf-Opfer zu beklagen. Der zweijährige Junge starb allerdings nicht an der grassierenden Masern-Epidemie, sondern an einer Meningokokken-Infektion. Grund war die fehlende Schutzimpfung gegen den häufigsten Erreger der Serogruppe B.

 

Jährlich 500 Meningokokken-Erkrankungen

 

In Deutschland erkrankten in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich 500 Menschen jährlich an einer invasiven Meningokokken-Erkrankung (Meningitis, Sepsis, Waterhouse-Friderichsen-Syndrom), jeder Zehnte starb. Die Krankheit ist nicht leicht zu diagnostizieren und kann innerhalb eines Tages zu Tode führen - oder schwere, lebenslange Behinderungen durch Amputationen nach sich ziehen. Die Hauptrisikogruppe für diese gefährliche Hirnhautentzündung sind Säuglinge und Kleinkinder.

Die Impfung wird bislang aus formalen Gründen noch nicht von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen, die unter anderem auf fehlende Langzeitdaten verweist. Seit 2006 empfiehlt sie bereits eine Meningokokken-C-Impfung für Kinder im zweiten Lebensjahr; diese Serogruppe löst aber nur etwa 20 Prozent der Meningokkoken-Erkrankungen in Deutschland aus. Hauptursache bei Säuglingen sind die Meningokkoken-B-Bakterien: Sie sind für etwa 85 Prozent der Erkrankungen verantwortlich, in der Gesamtbevölkerung für rund 70 Prozent.

 

Andere Länder empfehlen bereits die Impfung - und übernehmen die Kosten

 

Großbritannien hat die neue Impfung ins nationale Impfprogramm für Säuglinge ab dem Alter von zwei Monaten aufgenommen. Auch Kanada hat ein groß angelegtes regionales Impfprogramm gestartet. Bereits nach sechs Wochen wurden dort rund 50.000 Säuglinge, Kinder und Jugendliche mit "Bexsero" geimpft.

Im Saarland hat der Präventionsausschuss der Ärztekammer jetzt den Bundesgesundheitsminister aufgefordert, sich bei der STIKO für eine Empfehlung des neuen Impfstoffs einzusetzen. "Wir können mit diesem Schutz pro Jahr 25 Kinder retten", sagt Dr. Karl Stiller, Kinderarzt und Vorsitzender des Berufsverbandes der saarländischen Kinder- und Jugendärzte.

Neben dem Schutz von Säuglingen und Kleinkindern geht es auch um Geld. Sollte die STIKO eine generelle Impfempfehlung aussprechen, dann werden in der Regel die Kosten der Impfung von den Krankenkassen übernommen. Glück für die Versicherten: Aktuell übernehmen bereits über 70 der rund 130 gesetzliche Krankenkassen ganz oder teilweise die Kosten der neuen Impfung - auch ohne STIKO-Empfehlung.

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