Zwei Abende an einem Tag: Sonnenfinsternis in Europa

Millionen Menschen werden am Abend fasziniert gen Himmel schauen, wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt. Eine Sonnenfinsternis wird weite Teile Europas in ein ungewöhnliches Dämmerlicht oder gar in Dunkelheit tauchen. Tatsächlich müssen die Menschen eher zum Horizont schauen, denn der Mond schiebt sich erst kurze Zeit vor Tagesschluss vor die Sonne, wenn sie schon recht tief steht. In einem Streifen quer durch Spanien etwa wird es dann für kurze Zeit komplett dunkel, dort gibt es sozusagen zwei Abende kurz nacheinander. Die Wahl eines geeigneten Beobachtungsplatzes ist entscheidend.
In Deutschland wird der Mond die Sonnenscheibe zwar nicht vollständig verdecken, aber auch eine partielle Sonnenfinsternis ist ein Himmelsereignis, das sich viele Menschen auf keinen Fall entgehen lassen wollen. Um eine totale Sonnenfinsternis zu erleben, muss man hingegen in Grönland, Island oder eben Spanien sein. Das Tragen einer zertifizierten Schutzbrille ist in jedem Fall extrem wichtig, sonst drohen bleibende Augenschäden.
Weitgehend wolkenfreier Himmel erwartet
Das Wetter wird voraussichtlich sowohl in Deutschland als auch in Spanien günstig sein. Das Hoch "Ralf" sorge für große Beständigkeit in Deutschland, sagte Oliver Reuter vom Deutschen Wetterdienst. Niederschläge gebe es abgesehen von einem sehr geringen Schauerrisiko in und an den Alpen landesweit keine. "Lediglich in den Norden ziehen zum Abend ein paar hohe Schleierwolken, die die Sicht aber nur selten trüben." Sie könnten abgeschwächt möglicherweise noch den Norden Hessens und Thüringens erreichen.
Ähnlich gut sieht die Wettervorhersage für den Abend in Spanien aus. Nur in Teilen Nord- und Ostspaniens werden einige Wolken erwartet. In Spanien zieht der Kernschatten des Mondes von A Coruña im Nordwesten des Landes über oft nur dünn besiedelte ländliche Regionen Richtung Südosten zu den Balearen mit Mallorca und Ibiza. In diesem knapp 300 Kilometer breiten und etwa 960 Kilometer langen Streifen wird der Tag kurz zur Nacht - je nach Ort für bis zu fast zwei Minuten. In Städten wie Bilbao, Zaragoza, Valencia und Palma wird die Sonne vollständig vom Mond bedeckt. Madrid und Barcelona liegen nur knapp außerhalb der Totalitätszone; dort bleibt die Sonnenfinsternis partiell.
Mondpreise für die totale Sonnenfinsternis
Entlang dieser sogenannten Totalitätszone herrscht der Ausnahmezustand. Hotels sind seit Monaten ausgebucht, einige Reservierungen zum Beispiel aus Japan sollen schon vor Jahren gemacht worden sein. Die Preise liegen leicht sechsmal so hoch wie sonst. Privatleute bieten Dachterrassen oder Gärten mit freier Sicht auf den Abendhimmel an. Für besonders begehrte Balkone werden nach Medienberichten bis zu 700 Euro verlangt.
Auf Mallorca sind Luxus-Herbergen für 3.500 Euro pro Nacht ausgebucht. Für die ganz Reichen gibt es Pauschalpakete mit Privatjet nach Mallorca oder Menorca, Unterkünfte, Chauffeurservice, private Yachtcharter, Ballon- oder Hubschrauberflüge, inklusive Abendessen und Touren zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Inseln für geschätzte 200.000 Euro, wie die Zeitung "La Vanguardia" berichtete.
Nach Berechnungen des Beratungsunternehmens AFI wird das astronomische Ereignis Hunderte Millionen Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung bringen. Zudem erhoffen sich viele abgelegene Regionen, dass die Sonnenfinsternis-Besucher die Schönheit des ländlichen Spaniens abseits der oft überfüllten Küstenregionen entdecken und auch in Zukunft wiederkommen werden.
Alarm Rot wegen Waldbrandgefahr in Spanien
Die Behörden sind jedoch wegen der in weiten Teilen Spaniens extrem hohen Waldbrandgefahr in höchster Alarmbereitschaft. Wenn Hunderttausende Menschen in Regionen mit viel Wald und Buschland pilgern, steigt die Gefahr, unbeabsichtigt einen Waldbrand auszulösen, extrem an. Schon der heiße Auspuff eines über trockenem Gras geparkten Autos kann eine Katastrophe auslösen. Nach Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) sind bei 407 Waldbränden in diesem Jahr bereits mehr als 256.000 Hektar verbrannt, eine Fläche etwa so groß wie das Saarland.
Deshalb haben Städte und Kommunen Hunderte Beobachtungsplätze vorbereitet, die online mit ihrer genauen Lage, der Besucherkapazität und der Zahl der Autostellplätze einsehbar sind. Zudem wurde ein nationaler Sicherheitsplan für die Sonnenfinsternis ausgearbeitet. Er sieht den Einsatz von mehr als 33.600 Beamten der Nationalpolizei sowie der Guardia Civil, der landesweit zuständigen Polizei mit militärischem Status, vor.
Erste Sofi in Spanien seit mehr als 120 Jahren
Für Astronomen in Spanien ist die Sonnenfinsternis ein Jahrhundertereignis. Es wird die erste totale Sonnenfinsternis über dem spanischen Festland seit 1905 sein – und der Auftakt einer außergewöhnlichen Serie, die auch als "spanisches Trio" bezeichnet wird: Nach 2026 wird es auch in den beiden Folgejahren über der Iberischen Halbinsel beziehungsweise über Spanien Sonnenfinsternisse geben. Am 2. August 2027 ist eine weitere totale Sonnenfinsternis vom Süden des Landes aus zu sehen. Und schon am 26. Januar 2028 folgt eine ringförmige Sonnenfinsternis. Eine solche Häufung in einem Land ist ein extrem seltener astronomischer Zufall.