Zu wenig Hilfe? Warum Übergewicht oft die Ursache für Diabetes bleibt
Diabetes entsteht selten über Nacht. Bei fast der Hälfte der Betroffenen mit Typ-2-Diabetes geht der Diagnose eine langjährige Geschichte von Übergewicht voraus, bevor der Blutzucker aus dem Ruder läuft. Eine Civey-Umfrage im Auftrag des Pharmaunternehmens Lilly Deutschland unter 1.000 Menschen ab 50 Jahren mit Typ-2-Diabetes und einem Body-Mass-Index (BMI) über 27 zeigt jetzt, wie groß die Lücke zwischen Wissen und Handeln ist.
Fast jede und jeder zweite Befragte (49,6 Prozent) lebte nach eigenen Angaben bereits länger als sechs Jahre mit Übergewicht oder Adipositas, bevor die Diabetes-Diagnose gestellt wurde. Dieser zeitliche Vorlauf deckt sich mit dem, was die Wissenschaft seit Jahren beschreibt: Adipositas gilt als wichtigster beeinflussbarer Risikofaktor für Typ-2-Diabetes. Diverse Studien haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass Menschen mit starkem Übergewicht deutlich häufiger an Typ-2-Diabetes erkranken als Menschen mit Normalgewicht - unabhängig von genetischer Veranlagung und Lebensstil.
Die meisten Patienten kennen die Ursache der Krankheit
Entgegen manchen Klischees ist das Problembewusstsein bei den Betroffenen ausgeprägt. 57,8 Prozent sehen laut Umfrage einen starken Zusammenhang zwischen ihrem Körpergewicht und der Diabeteserkrankung. 65,1 Prozent halten den ärztlichen Hinweis für glaubwürdig, dass bereits eine Gewichtsabnahme von fünf bis zehn Prozent die Blutzuckerwerte deutlich verbessern kann. Auch die medizinische Evidenz ist eindeutig: In der britischen DiRECT-Studie (Diabetes Remission Clinical Trial von 2018) erreichten 46 Prozent der Teilnehmenden durch ein strukturiertes Gewichtsmanagement eine Diabetes-Remission, das heißt die Diät sorgte für normale Blutzuckerwerte ohne Medikamente.
Die Umfrage von Lilly Deutschland beleuchtet auch eine psychische Dimension der Krankheit. Wenn Betroffene Scham empfinden, dann überwiegend wegen des Übergewichts - und kaum wegen der Diabetes-Diagnose selbst. Die Befragten berichten drei- bis viermal so oft von Schamgefühlen in Zusammenhang mit ihrem Körpergewicht als im Zusammenhang mit Diabetes. Besonders Frauen sind davon betroffen: 22,7 Prozent berichten von entsprechenden gewichtsabhängigen Belastungen (im Vergleich zu 3,8 Prozent wegen der Stoffwechselkrankheit), bei Männern sind es 14,1 Prozent wegen Adipositas (im Vergleich zu 4,7 Prozent wegen Diabetes). Das Problem: Wer Scham empfindet, sucht seltener Hilfe und bricht Therapien häufiger ab.
Über 40 Prozent der Fälle werden nicht behandelt
Trotz dieses Bewusstseins gibt es laut den Antworten nach wie vor eine Versorgungslücke. Bei 24,7 Prozent der Befragten wurde eine gezielte Gewichtsreduktion beim Arztbesuch bisher überhaupt nicht thematisiert. Bei weiteren 17,4 Prozent kam das Thema zwar zur Sprache, wurde aber nicht umgesetzt. Positiv: Immerhin knapp über die Hälfte der Patientinnen und Patienten wird aktiv behandelt - je rund ein Viertel durch Lebensstiländerung (26,5 Prozent) beziehungsweise medikamentös (24,8 Prozent).
"Eine holistische Typ-2-Diabetes-Therapie umfasst neben der Blutzuckerkontrolle auch Gewichtsmanagement und die damit einhergehende Adressierung kardiovaskulärer Risikofaktoren", so der Münchner Diabetologe Priv. Dez. Dr. Martin Füchtenbusch. "Wir müssen einfach an den Anfang der metabolischen Erkrankung zurück, sozusagen an die Wurzel."
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