Zika-Virus: Was Sie jetzt wissen müssen

Spätestens mit der Ausrufung des globalen Gesundheitsnotstandes seitens der WHO ist das Zika-Virus endültig in den Köpfen der Menschen präsent. Doch wie gefährlich ist das Virus wirklich, und was sind die möglichen Konsequenzen, wenn ich eine Reise nach Südamerika plane? Die AZ gibt Antworten.
| az
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Ein Mann zeigt Mücken, die auf seinem Arm sitzen. Ein Stich einer Mücke kann potentiell das Zika-Virus übertragen.
imago Ein Mann zeigt Mücken, die auf seinem Arm sitzen. Ein Stich einer Mücke kann potentiell das Zika-Virus übertragen.

München - Es ist ein mysteriöses Virus, das zunächst nur in Südamerika im großen Stil auftrat. Neugeborene kamen dort massenhaft mit verformten Köpfen zur Welt. Doch auch in Europa traten Infektionen auf. Am Montag nun hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) reagiert und den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen, zuletzt tat sie dies beim Ebola-Ausbruch 2014.

Was bedeutet das? Und wie sicher sind geplante (Urlaubs-)Reisen nach Lateinamerika? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen!

 

Was ist das Zika-Virus?


Das Zika-Virus wird von Mücken übertragen, vor allem vermutlich von den in den Tropen und Teilen der Subtropen weit verbreiteten Gelbfiebermücken. Es wurde erstmals 1947 bei einem Affen im Zikawald in Uganda isoliert. Es zirkuliert offenbar auch in Asien. Größere Ausbrüche beim Menschen wurden 2007 in Mikronesien und ab 2013 in anderen Inselstaaten im pazifischen Raum, wie etwa Französisch Polynesien, beobachtet. Aktuell breitet sich das Virus in Mittel- und Südamerika aus.

 

Welches sind die Symptome und wann treten sie auf?


Die Symptome einer Zika-Virus-Infektion sind Hautausschlag, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Bindehautentzündung und Fieber. Im Vergleich zu anderen tropischen, mückenübertragenden Erkrankungen werden diese aber als milder ausgeprägt beschrieben, denn die Erkrankung verläuft in der Regel harmlos. Die Symptome treten in einem Zeitraum von drei bis 12 Tagen (meist drei bis sieben Tage) nach einem infektiösen Mückenstich auf und halten bis zu einer Woche an. Eine Behandlung im Krankenhaus ist meistens nicht notwendig. Die wichtigste Auswirkung aber hat das Virus auf Neugeborenen: Es gibt Hinweise, dass eine Infektion mit dem Zika-Virus in der Schwangerschaft beim Fötus zu Fehlbildungen des Gehirns führen kann – insbesondere, wenn sich die Mutter im ersten Schwangerschaftsdrittel infiziert hat. Die betroffenen Kinder werden mit einem besonders kleinen Kopf geboren. Folgen können geistige Behinderung und andere schwerwiegende neurologische Störungen sein.

 

Kann ich mich in Deutschland mit dem Zika-Virus anstecken?


Die Gelbfiebermücke kommt in Deutschland nicht vor. Eine andere Mückenart, von der noch nicht bekannt ist, ob sie das Zikavirus überträgt – die asiatische Tigermücke – kommt nur sehr punktuell in Süddeutschland vor. Eine Mücke müsste sich auch erst einmal selbst an einem Zika-Patienten infizieren, bevor sie das Zika-Virus weiterverbreiten könnte. Das ist eher unwahrscheinlich. Wenn es im Sommer eine größere Anzahl importierter Zika-Virus-Fälle in Deutschland geben würde und die hiesigen Mücken das Virus tatsächlich übertragen könnten, dann wären einzelne Übertragungen in Deutschland in besonders warmen Sommermonaten aber nicht ausgeschlossen. Insgesamt sind in Deutschland bisher nur eine handvoll Fälle aufgetreten.

 

Was bedeutet der globale Gesundheitsnotstand der WHO und welche Folgen hat er für Deutschland?


Am Montag hat die WHO die Zika-Virus-Ausbrüche für eine „Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ erklärt, insbesondere im Hinblick auf einen möglichen Zusammenhang mit Missbildungs-Fällen bei Neugeborenen und anderen neurologischen Erkrankungen. Diese Notlage ist in den internationalen Gesundheitsvorschriften der WHO definiert als ein außergewöhnliches (plötzliches, ernstes, unerwartetes oder ungewöhnliches) Ereignis, das sich international ausbreiten und so auch für andere Länder ein gesundheitliches Risiko darstellen könnte und das daher Maßnahmen in den betroffenen Ländern und eine international abgestimmte Vorgehensweise erfordert. Die WHO geht davon aus, dass sich das Zikavirus in weiteren Ländern der Tropen und Subtropen ausbreiten könnte. Die WHO hat daher für die betroffenen Staaten und andere gefährdete Gebiete eine Reihe von Empfehlungen zur Eindämmung und Kontrolle des Ausbruchsgeschehens ausgesprochen. Für Deutschland hat die Ausrufung des Notstandes keine direkten Folgen.

 

Kann ich nach Südamerika reisen? Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr dort?


Einen Impfstoff gegen Zika-Viren gibt es nicht. Reisende in tropische Länder sollten sich über den aktuellen Stand der Zika-Virus-Infektionen in der jeweiligen Region erkundigen. Sie sollten sich in geschlossenen Räumen und im Freien gegen Stechmücken schützen, zum Beispiel durch Insektenschutzmittel und lange Kleidung. In nicht-klimatisierten Zimmern sollten Fenster- und Bettnetze genutzt werden. Hinweise für Reisende nach Brasilien gibt's auf der Seite vom Auswärtigen Amt. Spezielle Hinweise für Schwangere, die in tropische Gebiete reisen wollen, hat die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) veröffentlicht.

 

Wie reagieren die Reiseveranstalter?


Die Veranstalter bieten Schwangeren an, gebuchte Reisen in ein Risikoland kostenlos umzubuchen oder zu stornieren. Bei Tui und Thomas Cook gilt diese Regel zunächst für Anreisen bis 31. März. Falls nötig, werde verlängert. DER Touristik nannte kein Datum. Betroffene müssen die Schwangerschaft nachweisen. Reisende mit Ziel Lateinamerika und vor Ort werden von den Veranstaltern über Zika informiert.

 

Sind die Olympischen Spiele in Rio in diesem Sommer in Gefahr?


Der Deutsche Olympische Sportbund beobachtet die Entwicklung in Brasilien "mit Besorgnis". Die brasilianische Regierung gab unterdessen eine Reiseempfehlung heraus und riet schwangeren Frauen, die Sommerspiele vom 5. bis 21. August in Rio de Janeiro zu meiden. Das Risiko für Besucher und Athleten in Brasilien sei "gleich Null" - dies gelte aber nicht für Schwangere, sagte der Stabschef des Präsidialamtes, Jaques Wagner. "Dann wäre dies selbstverständlich nicht empfehlenswert." Die Spiele wegen des Zika-Ausbruchs abzusagen, schloss Wagner aus, zumal das Klima zu Hilfe kommen könnte. Im brasilianischen Winter, also wähernd der Rio-Spiele, ist die Moskitogefahr deutlich geringer.

 

 

 

 

 

 

 

 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren