Zahl der Essstörungen steigt: Krank durch Instagram?

Perfekt und dünn – so präsentieren sich viele Stars auf Sozialen Medien. Vor allem junge Frauen hetzen diesem Ideal hinterher. Experten warnen: Die Zahl von Essstörungen nimmt zu.
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Ein Mädchen surft bei Instagram. Der Vergleich mit anderen kann Unzufriedenheit auslösen. In extremen Fällen kann das auch zu einer Essstörung führen.
Monika Skolimowska/dpa Ein Mädchen surft bei Instagram. Der Vergleich mit anderen kann Unzufriedenheit auslösen. In extremen Fällen kann das auch zu einer Essstörung führen.

Wer bestimmt, was schön ist? Immer häufiger Soziale Medien wie Instagram. Dort übertrumpfen sich Stars und Influencer mit scheinbar perfekten Selfies, durchtrainierten Körpern, schlanken Figuren. Makel? Keine.

Jedenfalls werden die nicht gepostet oder vertuscht. Stichwort: Photoshop. Realitätsferne Schönheitsideale können mit dem Selbstwertgefühl von gefestigten Erwachsenen vielleicht nicht viel anstellen. Bei Heranwachsenden kann das anders aussehen.

Psychologin Franziska Klemm von der KKH Kaufmännischen Krankenkasse teilt mit: "Solche Vorbilder können Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben und auch dem eigenen Körper forcieren." Man beginnt, selbst so aussehen zu wollen und jagt einem falschen Ideal hinterher.

Schon jeder Sechste zwischen 13 und 18 Jahren verspürt einen solchen Druck ausgehend von Sozialen Medien und Influencern. Das hat eine Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH ergeben. "Das kann die Entwicklung eines gestörten Essverhaltens begünstigen", sagt Klemm. 

Die Zahl der Essstörungen bei Zwölf- bis 17-Jährigen ist um 22 Prozent gestiegen

Aktuelle Zahlen der KKH zeigen, dass Essstörungen zunehmen. Vor allem Frauen sind betroffen – bei den 18- bis 29-Jährigen ist deren Anteil mit rund 88 Prozent am höchsten. Zwischen 2008 und 2018 ist die Zahl bei den Zwölf- bis 17-Jährigen um 22 Prozent gestiegen, bei den 18- bis 24-Jährigen um gut elf Prozent.

Mittlerweile leiden 17 von 1.000 Frauen zwischen zwölf und 17 Jahren an einer diagnostizierten Essstörung, bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 20 von 1.000, so die KKH. Die Expertin sagt: "Den Betroffenen fällt es oft schwer sich einzugestehen, dass sie Hilfe benötigen.

Dies ist aber ein ganz wichtiger Schritt für die Genesung." Da es vielen einfacher falle, sich gegenüber anderen Betroffenen zu öffnen, hat die KKH den Blog InCogito für 16- bis 24-Jährige mitinitiiert. Zum Austausch, zur Information, zum Mutmachen.

An diesen Symptomen lässt sich eine Essstörung erkennen

Woran merken Freunde und Familie überhaupt, dass jemand im Umfeld eine Essstörung entwickelt? Symptome sind laut KKH, dass die Person allgemein gereizt ist, sich zurückzieht, sich das Gewicht oder auch das Essverhalten stark verändert.

Zum Beispiel: Dauer-Diät, nur noch bestimmte Nahrung oder übergroße Mengen.

Ebenso können Erbrechen, exzessiver Sport oder Abführmittel ein Anzeichen sein. Obacht gilt laut der Krankenkasse KKH auch, wenn Jugendliche unverhältnismäßig viel Aufwand für das eigene Aussehen aufwenden, ihre liebsten Hobbys plötzlich aufgeben und dafür ganz viel Zeit für das perfekte Selfie ver(sch)wenden. 

Eine Eine Essstörung ist keine harmlose Pubertäts-Erscheinung: 2017 starben laut Statistik-Amt 78 Menschen in Deutschland aufgrund von Essstörungen. Das ist ein Drittel mehr als 2016.

Essstörungen: Die drei Hauptformen 

  • Die Magersucht: Betroffene hungern bis zu einem lebensbedrohlichen Untergewicht. Sie sind von der Angst getrieben, zu dick zu sein
  • Die Ess-Brech-Sucht: Sie wird auch Bulimie genannt. Bei dieser Erkrankung verspüren Patienten einen starken Zwang, ihr Körpergewicht zu kontrollieren. Nach Essattacken erbrechen sie die Nahrung oder nehmen Abführmittel ein
  • Die Binge-Eating-Störung: Diese Form zeichnet sich durch wiederkehrende, unkontrollierbare Essattacken aus. Sie kann zu starkem Übergewicht oder Adipositas (Fettsucht) führen

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