Wird das Rätsel um die Katastrophe gelöst?

Absturz der Air-France-Maschine: Ermittlungsbehörden finden ein großes Wrack-Teil. Leichen werden am Meeresgrund entdeckt.
| Nadja Lebkuchen
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Fast zwei Jahre nach dem Absturz der Air-France-Maschine über dem Atlantik finden die Ermittlungsbehörden ein großes Wrack-Teil. Auch Leichen werden am Meeresgrund entdeckt

Paris -Es ist endlich ein Hoffnungsschimmer für die Angehörigen
, die seit fast zwei Jahren auf eine Antwort warten, warum ihre Verwandten, Freunde und Bekannten sterben mussten. Am Sonntagabend haben Tauchroboter Teile des Wracks der Air-France-Maschine gefunden, die am 1. Juni 2009 im Atlantik abstürzte. 228 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, 28 Deutsche waren unter den Opfern.

Auch zwei Münchnerinnen. Valnizia B.  wollte ihre Verwandten in Rio besuchen, nach Hause kam sie nicht mehr. Seit zwei Jahren warten die Hinterbliebenen auf Ergebnisse, wie und warum der Air-France-Flug AF 447 in einer Katastrophe endete. „Endlich ein Erfolg“, sagte Bernd Ganz gestern zur AZ. Der pensionierte Ingenieur aus Vaterstetten verlor bei dem Unglück seine Tochter Ines (31) und kämpft seitdem als Vertreter der deutschen Hinterbliebenenvereinigung HIOP AF 447 für eine Aufklärung der rätselhaften Tragödie. Denn Hilfe bekamen die Trauernden nicht, sie fühlen sich von den Verantwortlichen bei Airbus und Air France im Stich gelassen. Die französische Justiz ermittelt gegen die Unternehmen.

Drei Suchaktionen blieben bisher ergebnislos, die vierte, die erst Ende März startete und auch auf Druck der Hinterbliebenen stattfand, brachte jetzt den ersehnten Fortschritt. Die Trümmer der Maschine liegen nahe beieinader, das sei laut der Ermittler ein Hinweis, dass der Jet nicht in der Luft, sondern erst auf dem Wasser zerschellte. Die Ungewissheit könnte also bald ein Ende haben, bis dato ist die Ursache des Unglücks noch völlig unklar.

Der Flieger war am 31. Mai auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris, Flughafen Charles de Gaulle. Doch dort kam er nie an. Das Flugzeug kam in eine Gewitterfront und stürzte ab. Mehrere Geräte und der Autopilot waren ausgefallen, so viel fanden die Ermittler bisher heraus. Doch die Meldungen des Flugzeuges und die bisher gefunden Wrackteile können keine Erkenntnisse darüber liefern, was in dieser Nacht geschehen ist. Nur soviel: Nur wenige Minuten soll soll der Absturz gedauert haben, bevor der A330 auf dem Atlantik zerschellte. „Wir hoffen, dass die beiden Datenrekorder geborgen und ausgelesen werden können - denn nur sie können Hinweise darauf geben, was tatsächlich passiert ist“, sagte Airbus- Sprecher Stefan Schaffrath.

Die Tauchroboter fotografierten in einer Tiefe in 3000 bis 4000 Metern die Wrackteile, Triebwerk und Flügeltrümmer sind nach ersten Erkenntnissen gut erhalten. Die Black Box (Flugschreiber) konnte aber bis Montag noch nicht gefunden werden. Auf ihr sind die letzten Gespräche und Aktionen der Piloten aufgezeichnet. „Ich hoffe, den Fund in den nächstenWochen bekannt geben zu können, erklärte Martine Del Bono, Sprecherin der französischen Unfalluntersuchungsbehörde BEA.

Die Suche nach dem Wrack und dem Flugschreiber des Airbus 330 erstreckte sich über ein Gebiet von 10 000 Quadratkilometern, mehr als tausend Kilometer vor der brasilianischen Nordostküste. Der französische Staatssekretär des Verkehrsministeriums Thierry Mariani bestätigte, dass auch Leichen geortetwerden konnten. Verkehrsministerin Nathalie Kosciusko- Morizet sagte: „Identifizierungen sind möglich.“ Das wäre für die Angehörigen von enormer Wichtigkeit. Bisher konnten nur 51 Tote geborgenwerden. Die Hinterbliebenen der gefundenen Leichen könnten sich dann von ihren Liebsten verabschieden und sie nach einer gefühlten Ewigkeit endlich beerdigen.

 


In noch mehr Flugzeugen der Southwest Airlines werden Risse entdeckt.

 

Los Angeles - Erst am Freitag hat ein riesiger Riss in der Kabinendecke mehr als 100 Passagiere in Angst und Schrecken versetzt (AZ berichtete). Jetzt sorgt eine Boeing der umstrittenen US-Fluggesellschaft Southwest Airlines erneut für Schlagzeilen. Auf dem Flug von Oakland nach San Diego ist die Boeing 737-300 am späten Sonntag Abend wegen Brandgeruch nach Los Angeles umgeleitet worden. 142 Passagiere kamen mit dem Schrecken und einer Verspätung davon, da sie auf eine andere Maschine umsteigen mussten.

Die Ursache des Geruchs soll nun untersucht werden. Zudem hat die Fluggesellschaft bei der Inspektion ihrer Flugzeuge an drei weiteren Maschinen ähnliche Risse wie bei der Unglücksmaschine vom Freitag entdeckt. Es seien „kleine verdeckte Risse“ gefunden worden, so die Verkehrssicherheitsbehörde NTSB. Die Risse sollten nun begutachtet und repariert werden, bevor die Flugzeuge wieder in Betrieb genommen würden, heißt es in einer Erklärung der Airline.

Bei 19 weiteren 737-300-Maschinen seien keine Probleme festgestellt worden. Einer der Kontrolleure erklärte, der Riss an der notgelandeten Maschine sei an einem verdeckten Teil aufgetreten und mit dem Auge nicht zu erkennen gewesen. Erst im Juli 2009 hatte ein Loch imRumpf eine Maschine der Southwest Airlines zur Notlandung gezwungen. Vier Monate zuvor hatte die Airline eine Strafe von 5,3 Millionen Euro gezahlt, weil sie vorgeschriebene Untersuchungen ihrer Flugzeuge auf Risse im Rumpf unterließ.

 

 

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