Wie kommt der Eintrittspreis am Kölner Dom am ersten Tag an?

Um kurz vor 10.00 Uhr war es so weit: Eine Mutter und ihr Sohn betreten als erste Menschen gegen einen Eintrittspreis den Innenraum des Kölner Doms. Dass dieser zuvor immer kostenfrei war, wussten die beiden Ukrainer gar nicht. "Aber es ist ein fairer Preis. Es ist so ein schönes Gebäude", sagte die Mutter names Julia, die mit ihrem Sohn derzeit in Istanbul wohnt, der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Sie sind bei weitem nicht die einzigen Touristen mit dieser Meinung. "Der Preis ist mehr als fair", sagt US-Amerikaner Michael. "Solche Gebäude kosten eine Menge Geld und Arbeit. Mein Land, die USA, sind erst 250 Jahre alt, solch schöne Kirchen wie diese haben wir gar nicht", betont er.
Auch Julian aus Malta hat am Preis nichts auszusetzen. "Es ist ja auch in anderen Ländern normal, dass solche Kirchen erhalten werden müssen und man dafür auch einen Beitrag zahlen muss", sagte der junge Tourist. Er hat sein Ticket online erworben und der Eintritt in den Dom sei problemlos verlaufen.
Das war allerdings nicht bei allen so. Zum Einlassbeginn um 10.00 Uhr bildete sich eine kleine Schlange, weil es jetzt plötzlich Ticketkontrollen gab - allerdings machte das Scannen der Tickets auch Probleme. Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten lief es dann aber rund und die Schlange hatte sich schnell in Luft aufgelöst, wie ein dpa-Reporter vor Ort beobachtete.
"Ich will gar nicht behaupten, dass alles reibungslos und wunderbar klappt", gestand Dompropst Guido Assmann ein. Es müssten beispielsweise noch ein paar Schilder mit klaren Hinweisen angebracht werden. Das seien aber normale Startschwierigkeiten, er sei sich sicher, dass sich das einspiele mit der Zeit.
Dennoch gab es teils Verwirrung. So wollte eine Kölnerin zum Beten den Dom am Haupteingang betreten - schließlich hatte das Domkapitel vorab angekündigt, dass dies weiter kostenfrei möglich sei. Das gilt allerdings nur für den Nordeingang an der Bahnhofsseite, daher wurde die Frau dorthin geschickt.
Auch dort bildete sich eine Schlange, die Mitarbeiter mussten immer wieder Touristen zum Haupteingang oder zum Ticketportal schicken. Doch auch Touristen werden hineingelassen, wenn sie angeben, lediglich zum Beten zu kommen oder eine Kerze anzünden zu wollen. Eine "Gesinnungsprüfung" wolle man nicht durchführen, hatte das Domkapitel immer wieder betont, man setze auf Vertrauen.
Über diesen Nordeingang erhält man allerdings nur Zutritt zu einem kleinen Bereich des Doms. Dennoch beobachtete ein Mann im Innenbereich laut eigener Aussage, wie eine Frau über die Absperrung kletterte, wohl um auch den Rest der Kirche gratis besichtigen zu können. Dompropst Assmann nannte das einen "Einzelfall" und geht davon aus, dass sich die meisten Menschen an die Regeln halten.
Tatsächlich war in dem begrenzten Innenbereich des Nordeingangs zu beobachten, dass die meisten Menschen zum Beten kamen. Generell war im Dom eine etwas ruhigere Stimmung wahrzunehmen, der Andrang war wohl auch geringer als beispielsweise am Vortag, wie ein Mitarbeiter berichtete.
Das könnte auch an einigen Deutschen liegen, die den Dom extra noch am Vortag besucht haben, um den vorerst letzten kostenfreien Eintritt zu erwischen. So tat es ein Ehepaar aus dem Raum Frankfurt. "Ich finde schon, dass der Preis etwas zu hoch ist", sagte der Mann. Seine Frau hat allerdings auch Verständnis: "Der Dom muss natürlich unterhalten werden. Die meisten, die hier reingehen, sind ja auch nur einmal hier. Wir zahlen im Ausland ja auch oft Eintritt."
Auch Ulrike aus Süddeutschland sieht das so: "Es ist ja immerhin auch ein monumentales Bauwerk." Dennoch war auch sie selbst noch am Vortag kostenfrei im Dom, als Christin sei das fair. "Da könnte man ja nochmal drüber nachdenken, ob zahlende Christen nicht gratis hereinkommen dürfen", meinte sie mit Verweis auf die Kirchensteuer.
Ein Kölner mittleren Alters kann "einen Preis an sich schon nachvollziehen, aber nicht zwölf Euro." Die Kirche habe das mit hohen Kosten zur Erhaltung begründet, sei aber selbst reich.
Bislang war der große Innenraum des Doms stets kostenlos zugänglich, Eintritt wurde aber bereits für die Schatzkammer oder auch den Aufstieg zur Aussichtsplattform verlangt. Das Domkapitel teilte vor einigen Monaten aber mit, dass seit 2019 Minus gemacht worden sei. Daher sei man auf die Einnahmen angewiesen.
Ein Touristenführer, der gelegentlich auch durch den Dom selbst führt, ist sich nicht sicher, ob das in Zukunft noch gehe: "Für Familien mit geringem Einkommen wird sich das jetzt nicht mehr darstellen lassen, weil das dann einfach doch ein ziemlich hoher Betrag ist. Das werden die sich schon überlegen. Aber gut, ich nehme an, das war die Intention dahinter."
Im Verlauf des Tages seien rund 500 Online-Tickets und rund 2.400 Karten vor Ort an der neuen Zentralkasse verkauft worden, teilte Dompropst Assmann am frühen Abend mit.