Wer räumt das All auf?

Und wem gehört eigentlich der Mond? Statt klarer Regeln herrscht im Weltraum bislang eher Chaos. Das wollen Experten ändern
| Yuriko Wahl-Immel
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Im All herrscht ein ganz schönes Chaos: Diese Computersimulation der ESA zeigt intakte Satelliten und Weltraummüll.
dpa Im All herrscht ein ganz schönes Chaos: Diese Computersimulation der ESA zeigt intakte Satelliten und Weltraummüll.

Und wem gehört eigentlich der Mond? Statt klarer Regeln herrscht im Weltraum bislang eher Chaos. Das wollen Experten ändern

Der Mensch stößt immer weiter in den Weltraum vor. Das hat Sonnen-, aber auch Schattenseiten. Ziemlich finster sieht es aus, bedenkt man, wie viel Müll und Trümmerteile schon durchs All rasen. Da fliegen zum Beispiel jetzt schon viele Hunderttausend Abfall-Objekte – etwa ausgediente Satelliten, deren Fragmente oder ausgebrannte Raketen-Teile. Deren Geschwindigkeit: 25 000 Stundenkilometer und mehr. Dieser All-Schrott lässt das Risiko von Kollisionen bedrohlich steigen.

Da stellen sich die Fragen: Wer fängt die rasenden Teile ein? Und wer haftet? Auch beim Zukunftsgeschäft All-Tourismus wollen viele mitmischen. Allerdings: zu welchen Bedingungen? Erste begehrliche Blicke richten sich auch schon längst auf die extraterrestrischen Rohstoffe. Internationale All-Experten mahnten deswegen am Donnerstag auf der Fachtagung „Wem gehört der Mond?“, rechtliche Weichen jetzt zu stellen und über offene Fragen Klarheit zu schaffen.

„Für Land, Luft und See gibt es Verkehrsregeln, nur für den Weltraum nicht. Man muss jetzt einen Aufschlag machen“, argumentiert Bernhard Schmidt-Tedd vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR). Was aus Experten-Sicht geklärt werden muss:

Welche Bahn nutzen? Schon Millimeter kleine Partikel können ernste Schäden verursachen, auch größere Satelliten zerstören. „Es muss geklärt werden, in welche Höhen und Umlaufbahnen welche Satelliten gebracht werden dürfen“, fordert Schmidt-Tedd. In geringeren Höhen ist die Erdanziehung größer, die Teile verglühen bei Eintritt in die Erdatmosphäre. Der Hochrisikobereich beginne ab 600 Kilometern, wo sich besonders viel Müll befinde. Weniger problematisch sei der Geostationäre Orbit in einer Höhe von gut 36 000 Kilometern.

Wer hat Vorfahrt? „Es muss auch geklärt werden, ob ein aktiver Satellit einem abgeschalteten Satelliten vorsorglich ausweichen muss – und wer dann diesen Energieverbrauch bezahlt“, erläutert der DLR-Experte. „Und wer bei Kollisionen, die es vereinzelt ja schon gegeben hat, für die schwer nachweisbaren Schäden aufkommt.“

Wer macht sauber? Professor Stephan Hobe vom Institut für Luft- und Weltraumrecht der Uni Köln – Ausrichter der Tagung – drängt: „Das All wird irgendwann so verschmutzt sein, dass die Raumfahrt gefährdet ist, dass auch Kommunikationssatelliten nicht mehr zum Einsatz kommen können.“ Trotzdem sei die Einsicht der Staaten noch gering, denn: „Es würden hohe Kosten im Milliarden-Bereich anfallen.“ Das Problem: „Es besteht keine verbindliche Vorschrift, die sie zur Müllbeseitigung verpflichtet.“ Mehr Hoffnung hat Hobe beim Thema Vermeidung von neuem Müll. „Da fühlen sich die Staaten doch verantwortlicher, auch bei beteiligten Privaten Mitverantwortung einzufordern.“

Rechts vor links? Hobe hält Verkehrsregeln im All auch angesichts möglicher kommerzieller Unternehmungen für wichtig. „Der schnelle Transport von Gütern oder eine Fabrikation bestimmter Werkstoffe oder Pharmazeutika unter Ausnutzung der verminderten Schwerkraft sind in Zukunft durchaus vorstellbar.“ Der Rahmen solle vorab verbindlich abgesteckt werden. Das heißt aber auch: „Staaten müssten dafür offenlegen, was sie an Objekten für zivile und militärische Nutzung oben haben.“

Wer haftet? Auch der Weltraum-Tourismus könne rechtlich nicht ins Blaue hinein expandieren. „Es wird ein teures Hochrisiko-Unterfangen bleiben, aber zunehmen. Wir müssen zum Beispiel klären, ob sich die Anbieter weiter mit der Klausel „auf eigene Gefahr“ für den Kunden aus der Affäre ziehen dürfen.“

Und der Mond? „Der Internationale Weltraumvertrag verbietet den Staaten die Aneignung von Himmelskörpern“, betont Hobe. Und im Mondabkommen wird dieser mit seinen Ressourcen als gemeinsames Erbe der Menschheit bezeichnet. Es gebe aber auch hier eine rechtliche Grauzone, die Verträge müssten deswegen überarbeitet werden. Der Kölner Experte warnt: „Die Amerikaner wollen stark an das Thema Ressourcenabbau und Eigentumsrechte zur wirtschaftlichen Nutzung ran. Wir sollten in Alarmstimmung sein bei Alleingängen.“ Er plädiert für Zurückhaltung. „Wir müssen uns gut überlegen, ob wir in der fernen Zukunft wirklich Schürfrechte für den Mond wollen oder eine Art Bergbaubehörde für den Mars. Die bessere Option könnte ein Status Naturschutzpark sein.“

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