Weltweite Proteste gegen Koran-Verbrennung: Feuerteufel Jones

Der Plan eines radikalen US-Pastors wird zum globalen Politikum: Terry Jones hat mit seiner Ankündigung, am 11. September den Koran öffentlich verbrennen zu wollen, Menschen und Regierungen in aller Welt gegen sich aufgebracht. Sogar Präsident Obama schaltet sich ein.
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Islamkritiker Terry Jones will am 11. September den Koran verbrennen
dpa Islamkritiker Terry Jones will am 11. September den Koran verbrennen

WASHINGTON - Der Plan eines radikalen US-Pastors wird zum globalen Politikum: Terry Jones hat mit seiner Ankündigung, am 11. September den Koran öffentlich verbrennen zu wollen, Menschen und Regierungen in aller Welt gegen sich aufgebracht. Sogar Präsident Obama schaltet sich ein.

Die pakistanische Regierung warnt wegen der geplanten Verbrennung des Korans in den USA vor "unumkehrbarem Schaden für den Weltfrieden". In einem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben von Innenminister Rehman Malik an Interpol hieß es, die muslimische Gemeinschaft werde durch die Tat des "verrückten sogenannten Priesters" Terry Jones aufgebracht werden. Die Gefühle der Muslime müssten respektiert werden. Malik rief Interpol-Generalsekretär Ronald K. Noble in dem Brief dazu auf, Jones' Pläne zu stoppen, am 11. September Ausgaben des Korans öffentlich zu verbrennen.

Noble solle den Fall mit den zuständigen Behörden in den USA aufnehmen, um die "verabscheuungswürdige kriminelle Tat" zu verhindern. Die Verbrennung des Korans sei ein internationales Verbrechen, weil es Frieden und Harmonie über Landesgrenzen hinweg Schaden zufügen werde.

Die indische Regierung forderte Washington ebenfalls dazu auf, gegen Jones vorzugehen. Innenminister Palaniappan Chidambaram sagte, Ziel der Koran-Verbrennung sei, "Verbitterung und Zwietracht" zwischen religiösen Gruppierungen zu verstärken. Chidambaram appellierte an indische Medien, keine Bilder der für diesen Samstag geplanten Verbrennung zu verbreiten. Indien hat nach Indonesien und Pakistan die weltweit drittgrößte muslimische Bevölkerung.

Auch die afghanische Regierung warnte vor den Konsequenzen einer Koran-Verbrennung. "Die US-Regierung hat wiederholt versucht, ihr Verhältnis zur islamischen Welt zu verbessern", sagt ein Sprecher von Präsident Hamid Karsai. "Diese Tat könnte dieses Verhältnis in Frage stellen." Die Regierung in Kabul haben die amerikanischen Behörden darum gebeten, die Verbrennung zu verhindern. Der pakistanische Außenamts-Sprecher Abdul Basit sagte, Islamabad stehe in Kontakt mit der Organisation der Islamischen Konferenz, um eine gemeinsame Strategie islamischer Staaten zu entwickeln.

US-Präsident Barack Obama verurteilte die geplante Koran-Verbrennung scharf: "Das ist eine destruktive Geste", die "den Werten Amerikas völlig widerspricht", sagte Obama dem Fernsehsender ABC. "Wissen Sie, das könnte schwere Gewalt an Orten wie Pakistan oder Afghanistan nach sich ziehen", fügte Obama hinzu. Der US-Präsident zeigte sich besorgt um die Sicherheit der US-Soldaten: "Als Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte möchte ich (dem Pastor Terry Jones) sagen, dass sein Vorhaben unsere Männer und Frauen in Uniform im Irak und in Afghanistan wirklich gefährdet", sagte Obama.

"So sind wir nicht"

US-Außenministerin Hillary Clinton bezeichnete die angekündigte öffentliche Verbrennung als "quälend" und "schändlich". Die Pläne des Pastors repräsentierten nicht die amerikanische Haltung zum Islam. "So sind wir nicht", sagte Clinton bei einer außenpolitischen Tagung in Washington.

Der Oberkommandierende der US-Truppen in Afghanistan, David Petraeus, verglich die Auswirkungen, die eine Verbrennung des Korans auf das Ansehen der USA haben würde, mit den Folter-Fotos von Abu Ghraib. "Wir sind besorgt, dass die Bilder (...) in der gleichen Weise benutzt würden wie Bilder von Abu Ghraib - sie wären sozusagen nicht zu löschen", so der General. "Sie würden von jenen benutzt, die uns Böses wollen, um zur Gewalt anzustacheln und die öffentliche Meinung gegen uns und unsere Mission hier in Afghanistan aufzubringen - und zweifellos auch gegen unsere Missionen rund um die Welt."

Auch der frühere britische Premierminister und jetzige Nahost-Vermittler Tony Blair forderte, die geplante Koranverbrennung zu stoppen. "Ich verurteile die Aktion, den Koran zu verbrennen. Sie ist respektlos, falsch und sie wird von Menschen mit oder ohne Glauben abgelehnt", betonte Blair.

"Einfach falsch"

In der ganzen Welt haben sich politische und religiöse Führer mit Abscheu zu den Plänen der radikalen Christen aus Florida geäußert. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte zu der Ankündigung: "Das ist schlicht respektlos. Abstoßend - einfach falsch."

Selbst der erklärte Islamgegner Geert Wilders hat von der Koranverbrennung abgeraten. "Schlechter Plan!" erklärte der Rechtspopulist in einer SMS an die niederländische Nachrichtenagentur ANP ohne seine Position näher zu begründen.

Pastor Jones zeigte sich trotz der Kritik an seinem Vorhaben weiter unbeirrt. Er bekräftigte, dass er mit der Aktion am neunten Jahrestag der Terroranschläge dem "radikalen Islam" klarmachen wolle, "dass wir sein Verhalten nicht tolerieren werden". Ein mögliches Einlenken komme für ihn nur infrage, wenn Gott ihm ein entsprechendes Signal sende. Jones, der auch lange Jahre in Köln tätig war, hat nach eigenen Angaben mittlerweile mehr als 100 Morddrohungen erhalten und trägt jetzt eine Pistole bei sich.

Quelle: sueddeutsche.de

Feuerteufel Jones

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