Weltparkinsontag: mehr als zittrige Hände

Ein Neurologe erklärt, was es mit der Krankheit auf sich hat, wie sie erkannt wird – und ob sie öfter Frauen oder Männer betrifft.
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Zu malen schult die Motorik – und erfreut die Seele.
Schön-Klinik Zu malen schult die Motorik – und erfreut die Seele.

München - Parkinson, das ist doch diese Krankheit. Experte Andrés Ceballos-Baumann, Professor an der Schön-Klinik in Schwabing, beantwortet zum Weltparkinsontag am 11. April die wichtigsten Fragen zum Thema.

Was ist Parkinson überhaupt?
Bei der Parkinson-Krankheit handelt es sich um eine chronische, langsam fortschreitende Krankheit des Gehirns. Der Name Parkinson geht auf den Londoner Chirurgen, Paläontologen und Politiker James Parkinson zurück, der 1817 anhand von sechs Betroffenen die wesentlichen Symptome und den Verlauf der Krankheit beschrieb. Das bekannte Zittern spielt nur bei etwa 50 Prozent der Parkinson-Patienten eine Rolle und ist nicht das Symptom, das die größte Behinderung ausmacht.

Noch keine direkte Parkinson-Vorbeugung

Was sind die Symptome?
Hauptsymptom ist die Bewegungsverarmung, die gekennzeichnet ist durch eine Bewegungsverlangsamung, kleinräumiger werdende Bewegungen und Schwierigkeiten, Bewegungen zu starten. Muskelsteife, Ruhezittern – bekannt als Tremor – und Gleichgewichtstörungen sind weitere Symptome. Diese können unterschiedlich stark ausgeprägt sein oder teilweise auch ganz fehlen. Überdies gibt es Symptome im vegetativen Nervensystem (wie häufiger Harndrang) und in der Psyche (etwa durch Depression).

Kann man vorbeugen?
"Vorbeugen direkt können wir Parkinson bisher noch nicht", sagt Ceballos-Baumann. "Wir wissen aber, dass körperliche Aktivität vor der späteren Entwicklung einer Parkinson-Krankheit schützt." In einer Langzeitstudie mit 43.000 Schweden, die von 1997 bis 2010 beobachtet wurden, zeigte sich, dass sechs Stunden Bewegung pro Woche das Parkinson-Risiko um bis zu 45 Prozent reduziert.

Wie bemerke ich, dass ich möglicherweise an Parkinson leide?
Parkinson beginnt typischerweise mit einer Ungeschicklichkeit einer Hand, etwa einer kleiner werdenden Schrift, Schmerzen und Missempfindungen an einem der Arme sowie einer zunehmenden Erschöpfbarkeit. Einige Patienten werden zunächst als depressiv, überlastet oder als vorschnell gealtert wahrgenommen. Zu den der eigentlichen Parkinson-Krankheit vorausgehende Symptomen zählen Einschränkungen des Geruchssinnes, Verstopfung, Depression und die recht spezifische REM-Schlaf-Verhaltensstörung, das heißt das Ausleben von Träumen im Schlaf durch lautes Schreien bis hin zu Um-sich-Schlagen. Zur ersten Einschätzung kann ein Test helfen (siehe unten).

Männer sind häufiger betroffen

Leiden mehr Männer oder Frauen an Parkinson – und wann beginnt die Krankheit meist?
Typischerweise beginnt die Krankheit zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr. Allerdings beginnt bei etwa zehn Prozent der Patienten die Krankheit schon vor dem 50. Lebensjahr. Frauen sind etwas seltener betroffen als Männer.

Welche Rolle spielt die genetische Disposition?
Parkinson ist sicherlich keine Erbkrankheit im herkömmlichen Sinne. Zunehmend werden immer mehr Gene entdeckt, die ein Parkinson-Syndrom auslösen können – aber nicht müssen. 


Parkinson: Machen Sie den Selbsttest

  • Kommt es vor, dass Ihre Hand zittert, obwohl sie entspannt aufliegt?
  • Ist ein Arm angewinkelt oder schlenkert beim Gehen nicht mit?
  • Haben Sie eine vornübergebeugte Körperhaltung?
  • Haben Sie einen leicht schlurfenden Gang oder ziehen ein Bein nach?
  • Haben Sie einen kleinschrittigen Gang und kommt es vor, dass Sie stolpern oder stürzen?
  • Leiden Sie an Antriebs- und Initiativemangel?
  • Haben Sie häufig Schmerzen im Nacken-Schultergürtel?
  • Haben Sie bemerkt, dass Sie sich von Ihren Freunden und Angehörigen zurückziehen, dass Sie Kontakte meiden und zu nichts Lust haben?
  • Haben Sie Veränderungen in Ihrer Stimme bemerkt? Ist sie monotoner und leiser als früher oder hört sie sich heiser an?
  • Haben Sie eine Verkleinerung Ihrer Schrift bemerkt?
  • Leiden Sie an "innerem Zittern" oder "innerer Unruhe"?
  • Haben Sie Schlafstörungen?

Wenn Sie öfter als dreimal mit "Ja" geantwortet haben, könnte das ein Hinweis auf erste Parkinson-Symptome sein, warnt der Experte. Eine Parkinson-Diagnose kann aber ausschließlich ein Neurologe stellen. (Test: Deutsche Parkinson-Vereinigung (DPV))

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