Weißer Ring: Großes Dunkelfeld bei Straftaten gegen Ältere

Die Opferschutzorganisation wünscht sich mehr Sensibilität für das Thema. Es geht um Gewalt, das Erschleichen etwa von Vollmachten oder Vermögensveruntreuung. Warum Fälle so schwer aufzuklären sind.
dpa |
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Wenn die helfende Hand zu der eines Täters wird: Auf Hilfe angewiesene Menschen können leichter Opfer von Straftaten werden. (Symbolbild)
Wenn die helfende Hand zu der eines Täters wird: Auf Hilfe angewiesene Menschen können leichter Opfer von Straftaten werden. (Symbolbild) © Oliver Berg/dpa
Mainz

Nach Ansicht der Opferschutzorganisation Weißer Ring bleiben in Deutschland viele Straftaten gegen ältere, auf Hilfe angewiesene Menschen im Verborgenen. Es geht etwa um Gewalt in der Pflege oder das Erschleichen von Vorsorgevollmachten sowie die Veruntreuung von Vermögen. 

Betroffene seien nicht selten dement, sagte der Ehrenvorsitzende des Weißen Rings, Patrick Liesching, der dpa in Mainz. "Betreuer und Vorsorge-Bevollmächtigte, die ja unter Umständen Täter sind, öffnen sich nicht und Betreuungsbehörden haben auch keinen Ein- und Überblick", sagte er. "Wir vermuten deshalb, dass hier ein riesiges Kriminalitätsfeld im Dunklen liegt."

Barbara Richstein, Bundesvorsitzende des Weißen Rings, erinnerte sich an einen Fall aus ihrer Heimat Brandenburg. Dort habe eine 91 Jahre alte Dame gesagt, sie sei im Krankenhaus vergewaltigt worden. "Man wollte ihr nicht so recht glauben und dann hat man doch Spuren sicherstellen können", sagte sie. Es zeige sich, wie wichtig es sei, Opfern zu glauben und hinzuschauen. 

Die in Berlin sitzende Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) nennt finanzielle Ausbeutung eine zentrale Form von Gewalt gegen ältere Menschen. Sie könne erhebliche gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Folgen für Betroffene und deren Familien haben. Dennoch gebe es wenig Daten dazu. Ermittlungsbehörden betonten die Schwierigkeit, solche Fälle aufzuklären. 

Warnung vor grundsätzlichem "Betreuer-Bashing"

Harald Freter, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Berufsbetreuer*innen, kennt solche Fälle von Kriminalität ebenfalls. Gleichzeitig warnte er vor einem generellen "Betreuer-Bashing". Kriminelle Machenschaften seien eindeutig die Ausnahme. Gleichwohl könne es ein "Einfallstor für Kriminalität" sein, wenn Menschen ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln könnten. 

Weißer Ring sieht fehlende Sensibilität 

Liesching sagte, wo es "vulnerable, wenig abwehrbefähigte ältere Menschen" gebe, da schaue kaum jemand hin. "Ich glaube, in Deutschland fehlt es noch an Sensibilität für die Kriminalitätsanfälligkeit in diesem Bereich."

Die Stiftung des Weißen Rings habe einmal ein kriminologisches Projekt zu dem Thema initiiert. Forschungsansätze zu finden, sei allerdings schwierig, "vor allem, weil es für Befragungen kaum auskunftsfähige und -bereite Akteure gibt". Es sei schwer, ein Lagebild statistisch zu erfassen.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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