Wasserschlacht, Hexen und mehr: Besondere Osterbräuche aus aller Welt

Während hierzulande meist das gemütliche Eiersuchen im Garten im Mittelpunkt steht, pflegen andere Kulturen zum Osterfest Bräuche, die deutlich turbulenter ausfallen. Von nassen Überraschungen bis hin zu schaurigen Verkleidungen zeigt sich das Fest weltweit von einer überraschend vielseitigen Seite.
Wasserschlacht in Polen
In Polen geht es am Ostermontag alles andere als trocken zu, denn beim sogenannten "Śmigus-dyngus" wird traditionell mit Wasser um sich geworfen. Ursprünglich war dieser Brauch ein Fruchtbarkeitsritual, bei dem vor allem junge Frauen mit Wasser bespritzt wurden. Heute hat sich das Ganze zu einer landesweiten Wasserschlacht entwickelt, bei der niemand vor Wasserpistolen oder Eimern sicher ist.
Kleine Hexen in Skandinavien
In Schweden und Finnland erinnert das Osterfest optisch fast ein wenig an Halloween. Kinder verkleiden sich als "Osterhexen", ziehen mit Kopftüchern und angemalten Sommersprossen von Tür zu Tür und tauschen selbstgemalte Bilder gegen Süßigkeiten ein. Dieser Brauch geht auf den alten Glauben zurück, dass Hexen am Gründonnerstag zum legendären Blocksberg flogen, um mit dem Teufel zu tanzen.
Drachen in Bermuda
Am Karfreitag schmücken unzählige bunte, meist handgefertigte Drachen den Himmel über Bermuda. Diese oft achteckigen Kunstwerke aus Seidenpapier werden von den Familien in mühevoller Kleinarbeit selbst hergestellt. Die Tradition symbolisiert die Himmelfahrt Christi und bringt die gesamte Gemeinschaft an den Stränden der Insel zusammen. Neben dem Spektakel am Himmel genießen die Menschen traditionelle Fischfrikadellen in süßen Brötchen.
Topfwerfen auf Korfu
Auf der griechischen Insel Korfu fliegen am Karsamstag pünktlich um elf Uhr tönerne Gefäße von den Balkonen. Das laute Zerschellen dieser sogenannten "Botides" auf dem Pflaster soll das Böse vertreiben und den Frühling begrüßen. Die Bewohner schmücken ihre Balkone mit roten Stoffen, während Tausende Zuschauer das lärmende Spektakel in den Gassen verfolgen. Es ist ein rituelles Reinigungsfest, das den Sieg des Lebens über den Tod feiert.
Riesen-Omelett in Frankreich
In der Stadt Bessières wird am Ostermontag ein gewaltiges Omelett aus über 15.000 Eiern in einer riesigen Pfanne zubereitet. Eine spezielle Bruderschaft kümmert sich um die Verpflegung der Tausenden Besucher, die zu diesem kulinarischen Volksfest strömen. Der Brauch soll auf Napoleon zurückgehen, der einst ein Massenmahl für seine Soldaten forderte. Heute stehen vor allem das gemeinschaftliche Erlebnis und der Genuss im Vordergrund.
Krimis in Norwegen
Ein sehr moderner, aber populärer Brauch in Norwegen ist der "Påskekrim", bei dem sich alles um Kriminalgeschichten dreht. Während der Feiertage lesen fast alle Norweger Krimis oder schauen entsprechende Serien, oft in abgelegenen Berghütten. Sogar auf Milchverpackungen finden sich in dieser Zeit kurze Rätselkrimis für das Frühstück. Diese kuriose Tradition startete in den 1920er Jahren durch eine geschickte Marketingaktion eines Buchverlags.
Blutige Prozessionen auf den Philippinen
In einigen Regionen der Philippinen wird die Leidensgeschichte Jesu auf sehr drastische Weise nachgestellt. Gläubige Büßer tragen schwere Holzkreuze durch die Straßen oder lassen sich im Extremfall sogar symbolisch ans Kreuz nageln. Diese rituellen Handlungen dienen der Buße für Sünden oder als Dank für göttliche Heilung. Trotz der Kritik durch die offizielle Kirche ziehen diese Prozessionen jedes Jahr zehntausende Menschen an.
Explodierender Karren in Italien
In Florenz findet am Ostersonntag der traditionelle "Scoppio del Carro", das Sprengen des Karrens, statt. Ein historischer Wagen voller Feuerwerkskörper wird von weißen Ochsen zum Domplatz gezogen und dort feierlich entzündet. Eine mechanische Taube rast an einem Seil durch das Kirchenschiff, um das Spektakel im Freien auszulösen. Ein reibungsloser Ablauf gilt den Florentinern seit Jahrhunderten als Vorzeichen für eine gute Ernte.
Weidenruten in Tschechien
Männer ziehen am Ostermontag mit der "Pomlázka", einer geflochtenen Weidenrute mit bunten Bändern, von Haus zu Haus. Mit diesen Ruten verteilen sie symbolische Hiebe an die Frauen, um ihnen Gesundheit und Jugend zu schenken. Die frischen Zweige sollen die Lebenskraft des Frühlings auf die Menschen übertragen. Als Gegenleistung erhalten die Männer meist bunt bemalte Eier, Süßigkeiten oder einen kleinen Schnaps.