Was und wer uns Bayern nervt

„Deutschland ist stark gestresst“: Wie eine Studie der Techniker Krankenkasse zeigt, stehen vor allem die Bayern unter Druck. Welche Auswirkungen die Belastungen haben.
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Berlin Stress ist ein Massenphänomen – Frauen leiden mehr darunter, auch in den Städten ist man generell gestresster. Die Techniker Krankenkasse stellte am Mittwoch die Studie „Bleib locker, Deutschland“ vor.

Mehr als die Hälfte der Deutschen sagt, dass das Leben vor ein paar Jahren noch stressfreier war. Sechs von zehn Deutschen fühlen sich zeitweise gestresst, jeder fünfte sogar dauerhaft. Die AZ hat auch die gesonderten Zahlen für Bayern: Hier fühlen sich gar 62 Prozent gestresst. Wer, wie und warum zu viel hat.

Was stresst uns? An erster Stelle steht der Beruf. Zwei Drittel der befragten Berufstätigen gaben den Job als Stressfaktor Nummer eins an. 65 Prozent geben an, dass das Zuviel an Arbeit dafür verantwortlich ist. Ebenso sind zwei Drittel durch den Termindruck und die Hetze im Job gestresst. Es ist nicht verwunderlich, dass von den Viel-Gestressten deshalb auch über die Hälfte (64 Prozent) weder nach Feierabend noch am Wochenende abschalten kann.

Frauen haben darüber hinaus noch ein weiteres Problem: Fast jede zweite setzt sich selbst zu sehr unter Druck und hat zu hohe Ansprüche. Denn auch das Thema Kindererziehung und Haushalt ist hauptsächlich ein Stressfaktor für die weibliche Bevölkerung.

Auffällig ist auch, dass Stress in der Familie vor allem für die Menschen in Bayern ein Problem ist. Dagegen sind sie im Vergleich zum Rest Deutschlands relativ entspannt, was die öffentlichen Verkehrsmittel angeht. Nicht verwunderlich ist, dass die Wohnsituation die Menschen im Freistaat mehr als anderswo stresst.

Wer ist besonders gestresst? „Deutschland ist stark gestresst“, sagt Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse. Zum Beispiel die Stadtmenschen: 32 Prozent in Großstädten leiden unter der Hektik im Berufs- und Privatleben, während sich nur 21 Prozent auf dem Dorf aus der ländlichen Ruhe bringen lassen.

Im Süden Deutschlands ist das Stresslevel höher als im Norden. Eltern empfinden ihr Leben stressiger als Singles und die entspanntesten Deutschen sind die über 66 Jahre.

Besonders belastet sind nach der TK-Studie, für die 1000 Menschen befragt wurden, Frauen (63 Prozent) und die sogenannte Sandwich-Generation der 36 bis 45-Jährigen. 80 Prozent dieser Generation, die sich um den eigenen Beruf, die Kinder und darüber hinaus noch um die Eltern kümmern muss, steht unter Dauerstrom.

Wie gehen wir mit Stress um? Für viele gilt: Augen zu und durch. Über die Hälfte der Befragten (59 Prozent) belastet der Stress, aber sich halten durch. Besonders hart im Nehmen scheinen die Bayern zu sein: 67 Prozent neigen dazu, den Stress einfach auszuhalten.

17 Prozent der Bundesbürger ziehen sich bei stressigen Situationen zurück und warten ab. Weitere 17 Prozent gehören zur Kategorie der Losleger: Stress bringt sie zur Hochform. Besonders Männer brauchen anscheinend das Adrenalin. Jeder vierte Mann ist ein Losleger, bei den Frauen ist es nur jede Zehnte.

Welche Auswirkungen hat Stress? Doch Dauerstress kann auf die Gesundheit schlagen. 73 Prozent der Befragten klagen über Rückenschmerzen und Muskelverspannungen. Über die Hälfte hat Schlafprobleme, fast ein Viertel der Gestressten leidet unter Kopfschmerzen. Besorgniserregend finden die Experten, dass jeder dritte Berufstätige sich erschöpft oder ausgebrannt fühlt. Ex-Skisprungweltmeister Sven Hannawald litt unter Burn-out und gab gestern bei der Präsentation der Studie den Gestressten einen Tipp: „Ich kann nur jedem raten, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen, wenn der Druck zu groß wird.“

Die Bayern zeigen sich im Stressabbau übrigens alles andere als konservativ: Nirgendwo sonst wird mehr durch Yoga entstresst.

Tipps für den Stressabbau

 

Stress entsteht oft durch äußere Faktoren, doch vieles ist auch selbstgemacht. Annette Bleher, Präventionsberaterin der TK in Bayern gibt Tipps, wie jeder sein Stress-Level senken kann. Das ist eigentlich ganz einfach:

  • Lernen Sie Entspannungsmethoden wie Yoga, Meditation oder autogenes Training. Das macht auf Dauer im Umgang mit Stress resistenter.
  • Stellen Sie Ihren Perfektionismus ab und reduzieren Sie Ihre Ansprüche, ein mittleres Anspruchsniveau reicht und macht im Endeffekt glücklicher.
  • Seien Sie stolz auf sich: Feiern Sie erzielte Erfolge, dann macht der Job auch mehr Spaß.
  • Widerstand erwünscht: Sagen Sie öfter „Nein“ und genießen Sie die gewonnene Freizeit.
  • Positiver in die Zukunft blicken: Leben Sie optimistisch, das macht Sie im Umgang mit Stress gelassener.
  • Setzen Sie sich persönliche und erreichbare Ziele. Das gibt Ihrem Leben mehr Sinn.
  • Humor ist wichtig: Lachen Sie mehr – das baut Stress ab, vertieft die Atmung und stabilisiert den Kreislauf.
  • Versuchen Sie negative Gedanken auszublenden: Es hilft, positive Selbstgespräche („Bleib’ ruhig“, „Es gibt Schlimmeres“) zu führen.
  • Bewegung ist nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist gut. Einfache Dinge wie Treppensteigen helfen, Dampf abzulassen, Anspannung zu lösen und den Kopf freizukriegen.
  • Es gibt nicht nur die Arbeit: Familie und Freunde sind lebenswichtig, nehmen Sie sich die Zeit und pflegen Sie Beziehungen. Emotionale Geborgenheit hilft bei Stress.

 

 

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